»Boris, das Kartoffelkind«
von Anne Simon

Es geht weiter mit einer Buchbesprechung aus dem Rotopol-Verlag, den ich äußerst interessant finde und von dem ich bereits einige spannende Titel entdeckt habe. Der Comic, um den es hier gehen soll, ist der dritte Band einer Reihe, kann jedoch unabhängig von seinen ersten Teilen gelesen werden. »Boris, das Kartoffelkind« von Anne Simon, beschreibt die Tyrannei eines Landes durch den Kieselsteinkopf Boris. Das Buch erschien im September diesen Jahres.

Inhalt zusammengefasst

Boris, das Kind mit dem Kieselsteinkopf ist der König des Landes Marylène. Er ist der Sohn von Aglaé, der ehemals mächtigsten Person des Reiches. Boris herrscht tyrannisch über seinen eigenen Haushalt und somit seine Mutter, als auch das gesamte Land. Gemeinsam mit der Pommeskriegerin Sabine, die auf Rache aus ist, reformiert er sich. Das einst friedvolle Land ist geprägt von Pommes, Bier, Unzufriedenheit, Frauenfeindlichkeit und Armut.

Wie war »Boris, das Kartoffelkind«?

Ja, was soll ich sagen? Das war ein Buch! Ich tat mich sehr schwer in die Geschichte hineinzufinden, was ich zunächst dem Umstand zuschrieb, dass es sich bei diesem Comic um den dritten Band einer Reihe handelt. Über die Verlagsseite habe ich mich dann informiert und erfahren, dass alle drei Bücher unabhängig voneinander gelesen und verstanden werden können. Das half mir zumindest, mich weiter auf die Handlung einzulassen. Man muss den Comic mit sehr viel Humor betrachten, denn sowohl die Figuren selbst, als auch die sich abspielenden Ereignisse sind oft absurd. Das ist von der französischen Autorin auch genau so gewollt.

Ein großer Kritikpunkt sind für mich die Zeichnungen im Allgemeinen. Das ist eine sehr subjektive Sichtweise und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Das ist auch gut so. Mich haben die dargestellten Charaktere und der Zeichenstil nicht abholen können. Da es sich hierbei um einen Comic handelt, wiegt dieser Aspekt relativ schwer, das ist mir bewusst. Die Geschichte selbst ist äußerst fantasievoll, teilweise sehr heftig und spielt mit Klischées. Der Herrscher des Landes, das Kartoffelkind Boris, zeichnet sich besonders durch seine widerliche Art gegenüber all seiner Mitbewohner und nicht zuletzt seiner eigenen Mutter aus, die er zu jeder Zeit für sich schuften lässt. Frauen sieht er als Objekte an, die ihre ehelichen Pflichten zu erfüllen und ihre Arbeiten zu verrichten haben. Ein äußerst unsympathischer Zeitgenosse also. Ich kann mir vorstellen, dass mich die beiden ersten Bände mehr überzeugt hätten, als es hier der Fall ist. Dank einiger Rückblenden war es mir möglich, zumindest einige Zusammenhänge besser zu verstehen.

Anne Simon hat sich, das merkt man dem Inhalt an, viele Gedanken zu diesem Epos gemacht. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Comic-Freunde hier auch ihre Freude haben werden. Mir war die Geschichte, in Kombination mit den Zeichnungen und seinen Figuren einfach zu grotesk, als dass ich das Buch weiterempfehlen möchte. Fühlt euch dennoch nicht abgehalten, euch näher mit dem Comic zu befassen, denn die klugen und modernen Ideen der Autorin zu diesem Titel sind durchaus interessant und treffen den Nerv der Zeit. Chauvinismus, Voreingenommenheit und Gewalt prägen das Land Marylène, seit der Machtübernahme durch Boris das Kartoffelkind. Gerade gegen Ende konnte mich der Bruch des Systems positiv stimmen. Insgesamt eine interessants Erfahrung, mehr aber nicht.

Fazit

Ein tragisch-komisch-absurder Comic über die tyrannische Herrschaft des Kartoffelkindes Boris.

Anne Simon

Anne Simon, geboren 1980, ist eine französische Schriftstellerin.  Sie studierte an der Ecole des Beaux-Arts in Angoulême, sowie an der Ecole Nationale des Arts Décoratifs in Paris. 2004 erhielt sie einen Nachwuchspreis für Junge Talente. Sie schreibt Kurzgeschichten als auch Comics. Simons Arbeiten werden regelmäßig in Zeitungen, Magazinen und Kinderbüchern gezeigt.


»Boris, das Kartoffelkind«

von Anne Simon
aus dem Französischen von Rita Fürstenau
im Original erschienen unter dem Titel »Boris l'enfant patate«
Rotopol | 2022 | 164 Seiten
Klappbroschur | ISBN: 978 3 96451 029 7 | 19.00€
Zum Buch


Ich bedanke mich beim Rotopol-Verlag für die Zustellung des Leseexemplars. 

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2 comments

  • Marie says:

    Liebe Zeilentänzerin,
    wenn einen die Zeichnungen in einem Comic nicht abholen, stelle ich mir das auch sehr schwierig vor. Ich finde es aber auch spannend, mal Rezensionen zu Comics zu lesen, da meine Erfahrungen mit diesem Genre schon sehr lange zurück liegen. Ich glaube, es waren Lucky Luke und Asterix. 🙂
    Liebe Grüße
    Marie

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    • Zeilentaenzerin says:

      Hey Marie, das sehe ich eben wie du. Gerade in einem Comic müssen Zeichnungen für die Betrachter:innen ansprechend sein. Es ist natürlich Geschmackssache. Da bist du mir weit voraus. Ich habe weder "Lucky Luke" noch "Asterix" gelesen.

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