Literaturbesprechung:
»Unwetter« von Marijke Schermer

In meinem aktuellen Post soll es dann auch schon um das gehen, was auf meinem Blog großen Raum einnehmen wird: Literatur. Die folgende Buchbesprechung handelt von einem Roman, den ich im Oktober gelesen habe. Diese Rezension fällt mir alles andere als leicht, denn so wirklich identifizieren konnte ich mich mit den Figuren der Geschichte und der Erzählweise der Schriftstellerin nicht. »Unwetter« heißt das Werk von Marijke Schermer, das im Kampa-Verlag im Herbst diesen Jahres erschien.

Inhalt zusammengefasst

Emilia lebt mit ihrem Ehemann und ihren beiden kleinen Söhnen im niederländischen Amsterdam. Das Zusammenleben ist vor allem von Hektik, Einladungen und Arbeiten im Haus geprägt. Die Eheleute scheinen jedoch rundum zufrieden mit ihrem Leben, bis Emilia ein traumatisches Erlebnis erinnert, dass alles auf den Kopf stellt und von dem niemand weiß. Nicht einmal ihr Mann. Vor über zwölf Jahren hat Emilia eine schlimme sexuelle Erfahrung machen müssen, deren Schmerz und Scham nun immer mehr an die Oberfläche kommen. Durch ihr Schweigen beginnt ihr Mann Misstrauen gegenüber seiner Frau zu entwickeln und die bis dahin harmonische Ehe bekommt Risse.

Wie war »Unwetter«?

In die Geschichte zu finden, fiel mir anfangs sehr schwer. Weder der Schreibstil, noch die Handlungsweisen der Protagonistin waren für mich absehbar oder immer nachvollziehbar. Im Laufe des Buches wird deutlich, dass Emilia gegen eine Erinnerung ankämpft und versucht mit dieser zu leben. Und so wurde für mich das bis dahin undeutliche Bild klarer. Die Art, wie Schermer ihre Figuren zeichnet, erzeugte in mir kein Gefühl der Nähe für die Personen. Das ist natürlich eine rein individuelle Sichtweise, aber auch der Grund, weshalb mich »Unwetter« nicht ganz einfangen konnte. Ich favorisiere Familien- und Paargeschichten, mag durchaus auch schwere Kost, komplizierte Charaktere und und tiefgründige Geschichten. Hier aber fehlte mir die Identifikation mit Emilia und die Nachvollziehbarkeit ihrer Handlungen. Die Melancholie, von welcher die Story getragen wird, ist durchweg spürbar und lässt kaum andere Stimmungen zu. Die Beziehung, die vordergründig wichtig für den Handlungsverlauf ist, blieb für meinen Geschmack zu sehr im Dunkeln. So konnte das Buch bei mir leider keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Zitat aus dem Buch

»Sie ließ die innere Verzweiflung hervorbrechen wie eine Woge, der kein Einhalt zu gebieten ist. Für Emilia ist irgendwo an diesem Abend ein Gefühl der Leere aufgeklafft, das sie mit tiefer Bedeutung assoziiert. Es hat sie melancholisch gemacht.« Seite 7

Fazit

Eine langjährige Paarbeziehung, ein großes Geheimnis, tiefe Sehnsüchte, unausgesprochene Worte und die Frage danach, ob wir einander wirklich kennen.

Marijke Schermer

Marijke Schermer, 1975 in Amsterdam, Niederlande geboren, ist eine niederländische Autorin. Sie lebt in Amsterdam.


Unwetter von Marijke Schermer
aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers
im Original erschienen unter dem Titel »Noodweer«
Kampa | 2019 | 192 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 311 10010 2 | 20€


Ich danke dem Kampa-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Comments

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.