»Die Grenzen meiner Sprache: Kleine philosophische Untersuchung zur Depression«
von Eva Meijer

Meine lieben Bücherwürmer, auch bei der folgenden Buchbesprechung handelt es sich um keinen Roman und auch kein Kinderbuch. Es wird also langsam aber sicher wieder etwas vielfältiger auf meinem Blog, was nach den sehr Roman- und Kinderbuchlastigen Rezensionen dann doch Zeit wird. Die niederländische Autorin und Philosophin Eva Meijer hat sich in ihrem neuen Buch »Die Grenzen meiner Sprache: Kleine philosophische Untersuchung zur Depression« mit der weit verbreiteten mentalen Erkrankung auseinandergesetzt und gibt Einblicke in ihre eigene Depression. Veröffentlicht wurde dieser Essay im Mai 2022 bei btb.

Inhalt zusammengefasst

Eva Meijer schreibt in diesem Essay über ihre eigenen Erfahrungen mit Depressionen und setzt sich kritisch mit der Erkrankung auseinander. Sie bezieht sich auf Therapieansätze, die Unterstützung von Tieren, die wissenschaftlich erwiesen ist und nennt Möglichkeiten, tiefdunkle Phasen zu überstehen.

Wie war »Die Grenzen meiner Sprache: Kleine philosophische Untersuchung zur Depression«?

Triggerwarnung: Depression, Suizidgedanken

Die von euch, die Zeilentänzer schon etwas länger und regelmäßig verfolgen werden wissen, dass das Thema Depressionen hier immer wieder in Form von Buchrezensionen aufgegriffen wird. Mir ist das ein persönliches Anliegen, weswegen ich mich intensiv mit der psychischen Erkrankung befasse und infolge dessen viele Bücher zur Thematik lese. Eva Meijer hat einen Essay geschrieben, indem sie auf Depressionen im Allgemeinen aber auch ihre eigene eingeht. Sie bezieht sich dabei immer wieder auf brisante Aussagen bekannter Philosophen und Wissenschaftler wie Aristoteles, Wittgenstein oder Freud. Ich denke beim Lesen muss man sich zuvor bewusst machen, dass es ein persönlicher Bericht ist, der die individuelle Erfahrung der Autorin selbst aufzeigt und ihre ebenso persönlichen Gedanken zur Depression allgemein.

Ganz gut bedeutet für mich nie, dass alles strahlend hell ist - ich trage das Dunkel mit mir herum, mal mehr, mal weniger.

Seite 20

Das Buch versteht sich nicht nur als Ratgeber für Betroffene, sondern für Interessierte am Thema und vor allem auch als Unterstützung für Angehörige, die durch die Schilderungen einer Depressiven selbst eine Vorstellung von dem bekommen, was sich in einem Betroffenen abspielt und wie sie ihm helfen, sich aber auch selbst davor schützen können. Mir gefällt, dass das Büchlein, das gerade mal knapp 140 Seiten dick ist, verschiedene Themen rund um die Erkrankung aufgreift. So philosophiert Meijer über das Für und Wider von Medikamenten, die Chancen einer kognitiven Verhaltenstherapie oder auch ihren eigenen Halt in depressiven Phasen, ihre Haustiere. Nicht mit jeder einzelnen von ihr getätigten Aussage konnte ich mich komplett identifizieren, halte das Buch aber insgesamt für ein gelungenes Werk, auch, weil es von einer Beteiligten selbst geschrieben ist.

Zitate aus dem Buch

»Depression hat was von Trauer und kann durch Trauer ausgelöst werden. Sie hat auch was von Angst und Kummer - all das Sammelbegriffe für Zustände, wenn du etwas verlierst, etwas zu verlieren fürchtest, fällst, gefallen bist. Aber Depression ist etwas anderes, sie geht mit einer anderen Art von Verlust einher - dem von Realität. « Seite 7

»Bei einer Depression ist natürlich alles Zwischenzeit, beziehungsweise Gegenzeit, so wie der depressive Mensch eine Zwischenexiszenz ist, nicht tot, aber gewiss nicht lebendig.« Seite 25

»Wenn du um dich herumschaust, siehst du nur noch das, was dich von anderen trennt, und nicht das, was du mit ihnen teilst.« Seite 45

»Das Vertrauen in dich selbst zu verlieren ist ähnlich schwerwiegend. Du brauchst dich ja für fast alles.« Seite 25

Fazit

Eva Meijer schafft eine sehr persönliche und teilweise auch ganz neue Perspektive auf die Volkskrankheit Depression. Ihre eigenen Erfahrungen schildert sie ausführlich und ungeschönt. Für Betroffene und Angehörige ein sicher interessantes Buch.

Eva Meijer

Eva Meijer, geboren 1980 in Hoorn, Niederlande, ist eine niederländische Philosophin, Autorin und Sängerin. Meijer forscht an der Universität Amsterdam zum Projekt The Politcs of (not) eating Animals. Seit 2019 schreibt sie für die Tageszeitung Trouw. Sie befasst sich intensiv mit der Verhältnis von Mensch und Tier und sitzt in der Niederländischen Studiengruppe zur Tierethik und der Selektion des akademischen Netzwerkes Minding Animals vor.


»Die Grenzen meiner Sprache: Kleine philosophische Untersuchung zur Depression«

von Eva Meijer
aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers
im Original erschienen unter dem Titel »De grenzen van mijn taal«
btb | 2022 | 144 Seiten
Taschenbuch | ISBN: 978 3 442 77228 5 | 12.00€
Zum Buch


Ich bedanke mich sehr herzlich bei Randomhouse und btb für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

6 comments

  • Marie says:

    »Wenn du um dich herumschaust, siehst du nur noch das, was dich von anderen trennt, und nicht das, was du mit ihnen teilst.«
    Ein sehr treffendes Zitat!

    Hast du von Matt Haig "Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben" gelesen? Das hat mir sehr geholfen. Es war das erste Mal, dass ich dachte "ich bin nicht allein".

    Alles Liebe
    Marie

    Reply
    • Zeilentaenzerin says:

      Hallo Marie, danke zunächst. Ich kenne den Titel, habe ihn aber selbst nicht gelesen. Danke für den Tipp.

      Reply
      • Marie says:

        Sehr gerne.
        Ich wünsche dir ein schönes Wochenende, liebe Zeilentänzerin.

        Reply
  • Livia says:

    Liebe Zeilentänzerin

    Das Buch habe ich mir auch schon angeschaut und ich kann deine Gedanken und auch deine sanfte Kritik gut nachvollziehen. Ich merke mir das Buch auf jeden Fall einmal vor und wer weiss, vielleicht passt es ja einmal gut in meine Leseplanung 😉

    Alles Liebe an dich
    Livia

    Reply