»Ende in Sicht«
von Ronja von Rönne

Hallo ihr Lieben, die folgende Rezension steht schon ziemlich lange aus. Ich hatte das Buch vor einigen Monaten begonnen, später weiter gelesen und durch eine etwas stressige Zeit im Mai und Juni und einer daraus resultierenden Leseflaute, schließlich aus den Augen verloren. »Ende in Sicht« von Ronja von Rönne erschien bei dtv ganz am Anfang diesen Jahres und thematisiert ein wichtiges und sensibles Thema, nämlich Depressionen.

Inhalt zusammengefasst

Hella macht sich mit ihren neunundsechzig Jahren in ihrem alten Passat auf den Weg in die Schweiz. Dort möchte sie in einem Krankenhaus sterben. Während ihrer Fahrt stürzt etwas auf ihren Wagen, es ist die fünfzehnjährige Juli, die sich von einer Autobahnbrücke gestürzt hat. Sie ist nur leicht verletzt und Hella nimmt sie mit sich. Beide Frauen vereint der Wunsch zu sterben. Es beginnt ein Roadtrip zweier unterschiedlicher Frauen.

Wie war »Ende in Sicht«?

Gelesen habe ich das Buch ausschließlich wegen seines Themas, das mich aus persönlichen Gründen lange Zeit schon interessiert. Ich habe in vergangenen Rezensionen zu ähnlichen Büchern immer wieder betont, wie wichtig mir bei diesem brisanten Thema Authentizität ist. Ich lese viel lieber Bücher über psychische Erkrankungen, die von Betroffenen oder Angehörigen selbst geschrieben sind als solche, die Therapeuten oder Ärzte verfasst haben. Da Ronja von Rönne aus eigener Erfahrung weiß, was es bedeutet, depressiv zu sein, war ich neugierig. Was mir hier schon zu Beginn auffiel, war die Sprache, die ich als etwas holprig und umständlich empfand. Die Erzählweise von Autor:innen ist immer eine ganz persönliche, weshalb sich andere Menschen durchaus mit ihr anfreunden könnten. Mich konnte Ronja von Rönne mit ihrer Art zu schreiben in diesem Fall leider nicht erreichen.

Die Handlung selbst verspricht zwar eine ernsthafte Thematik, immerhin scheinen zwei Menschen so verzweifelt, dass sie ihrem Leben ein Ende bereiten wollen, aber gleichzeitig auch Spannung. Die Idee, dass sich Hella und Juli rein zufällig kennen lernen, indem Juli von der Autobahnbrücke springt und auf Hellas Auto landet, die fand ich etwas überzeichnet, denke aber, dass die Autorin dies bewusst so inszenierte. Schließlich landet das junge Mädchen genau auf dem Wagen, dessen Besitzerin ihrem Leben, genau wie sie dem ihren, überdrüssig ist. Dieser Umstand wirkte für meinen Geschmack aber dann doch zu konstruiert. Durch den Klappentext erwartete ich eine traurig-humorvolle Geschichte zweier eigentlich Fremder auf einem Roadtrip, konnte mich aber mit den Personen im Buch nicht identifizieren.

Wie Ronja von Rönne das Krankheitsbild der Depression hier in Form von Hella und Juli beschreibt, mag ich nicht bewerten, das sollte jeder für sich tun. Ich fühlte mich allerdings nicht abgeholt, auch, weil viele Handlungsweisen der Protagonistinnen für mich nicht nachvollziehbar waren. Die Tragik der Tatsache, dass Hella und Juli sterben wollen, kam für mich zu keiner Zeit wirklich rüber, was ich schade fand. Auch der Humor konnte meinen nicht treffen, da er mir in seiner Art und Weise nicht unbedingt angebracht schien. Alles in allem empfand ich den Roman als Enttäuschung, auch, weil ich mir mehr versprochen hatte. Interessierten am Thema möchte ich dennoch keinesfalls vom Buch abraten. Ich habe schon allein aus oben genannten Gründen Respekt davor, dass Menschen so offen über ihr Krankheitsbild schreiben. Und das möchte ich hier nicht unerwähnt lassen. Auch anbringen möchte ich noch, dass ich den dtv-Verlag sehr schätze und die Romane sehr liebe. Hier lag noch eine persönliche Notiz bei, was ich wirklich sehr herzig fand.

Fazit

Die Tragik und Ernsthaftigkeit musste dem Humor konsequent weichen, weswegen mich die Charaktere nicht erreichten. Ich begrüße es, wenn Betroffene selbst ihre Krankheit und Symptomatik nicht immer und zu jeder Zeit zu ernst nehmen, mir fehlten hier starke Emotionen.

Ronja von Rönne

Ronja von Rönne, geboren 1992 in Berlin, ist eine deutsche Schriftstellerin, Journalistin und Moderatorin. Sie studierte Theaterwissenschaften in München, schrieb sich für ein Publizistik-Studium in Wien, dass sie aber abbrach. 2012 begann sie den Blog Sudelheft. Ihren Debütroman Wir kommen veröffentlichte sie 2016. Von Rönne schrieb für die Welt am Sonntag und Die Zeit. In verschiedenen Beiträgen thematisierte sie ihre Depression. Sie lebt in Grassau und Berlin.


Ende in Sicht

von Ronja von Rönne
dtv | 2022 | 256 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 423 28291 8 | 22.00€
Zum Buch


Mein Dank geht an den dtv-Verlag, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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5 comments

  • Steffi says:

    Liebe Zeilentänzerin,
    das Buch interessiert mich auch sehr und ich habe schon ein paarmal überlegt, es zu kaufen. Nach dem Lesen deiner Rezension bin ich allerdings etwas skeptisch, ob es was für mich ist. Ich finde es sehr wichtig, dass mit dem Themen Selbstmord und Depressionen sensibel umgegangen wird.
    Liebe Grüße, Steffi

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    • Zeilentaenzerin says:

      Hallo Steffi, ja ich denke immer, dass jeder sich selbst ein Bild machen sollte, in diesem Fall aber würde ich, wenn man sich einen wirklich ernsthaften Umgang wünscht, eher ein anderes Buch wählen.

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  • Marie says:

    Liebe Zeilentänzerin,
    ich hatte dir ja schon auf instagram erzählt, dass ich das Buch sogar abgebrochen habe. Deiner Rezension kann ich voll und ganz zustimmen. Mich haben die Charaktere auch gar nicht erreicht.
    Herzliche Grüße
    Marie

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  • Livia says:

    Liebe Zeilentänzerin

    Oh, auf diese Rezension war ich schon sehr gespannt. Von Ronja Rönne habe ich noch nichts gelesen, aber über sie schon einiges und das - wie auch deine Rezension - hat mich davon überzeugt, die Finger von ihr zu lassen 😉

    Alles Liebe an dich
    Livia

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