Jun 22 2024

Hallo zusammen, es folgt eine Buchbesprechung zu einem Kriminalroman, den ich gerade gelesen habe und bei dem ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich ihn in dieser Kategorie sehe. Nach längerem Überlegen habe ich mich aber entschieden, »Geister weinen nicht« von Ane Riel als solchen einzustufen. Dieser Roman der preisgekrönten dänischen Schriftstellerin, die in diesem Genre zuhause ist, erschien vor wenigen Tagen in der Taschenbuchausgabe im btb-Verlag und erzählt von Alma, die ein beachtliches Alter erreicht hat, ein zurückgezogenes Leben führt und inzwischen sehr vergesslich ist, was Folgen haben könnte.

Inhalt zusammengefasst

Seit dem Tod ihres Mannes Otto lebt Alma ganz allein in einem Haus am Ende einer Sackgasse eines dänischen Dorfes. Ihr Alltag wird für sie immer beschwerlicher, es plagt sie die Gicht, sie ist taub und das Laufen gelingt auch nicht mehr recht. Ein allabendliches Ritual ist das Aufziehen ihrer Bornholmer Standuhr, die sie sich immer wieder lebendig fühlen lässt. Plötzlich, eines Tages, sieht Alma draussen vor dem Haus einen kleinen Jungen mit seinem Hund spazieren gehen, was in ihr eine unerwartete Freude auslöst. Der Kleine bewirkt in der alten Dame neuen Lebensmut und verschafft ihr Erinnerungen an ihren verstorbenen Mann. Aber was ist mit diesem eigentlich wirklich geschehen? Nur Alma kennt die Wahrheit, wenn sie sich nur erinnern könnte.

Wie war »Geister weinen nicht«?

Ich tat mich schwer, damit muss ich beginnen. Nach den ersten rund fünfzig Seiten habe ich ernsthaft überlegt, dieses Buch abzubrechen. Mir waren die Schilderungen teilweise zu wenig interessant, die Geschichte fühlte sich eher zäh an und mir fehlte die Richtung, wohin die Autorin mit uns gehen möchte. Das änderte sich zwar, bis kurz vor Ende aber musste ich dennoch feststellen, dass ich mit der Handlung nicht ganz warm wurde. Dennoch hat der Roman seine großen Stärken, ich kann verstehen, weshalb sich die Bücher der Autorin im skandinavischen Roman großer Beliebtheit erfreuen. Sie verfügt über ein gutes Beobachtungsvermögen und kann dieses ihren Leser*innen nach außen transportieren, sodass die Szenerie bildhaft erscheint, die Figuren eindrücklich beschrieben werden.

Die Geschichte selbst hat Potential und dieses wird teilweise auch ausgeschöpft, womöglich habe ich einfach mehr erwartet und mir vor allem etwas völlig anderes unter dem Klappentext vorgestellt. Alma, der Protagonistin des Buches blieb mir über weite Strecken fern, auch wenn ich mir gut vorstellen kann, dass es anderen beim Lesen nicht so ergeht wie mir. Riel schildert den Alterungsprozess aus Sicht ihrer Hauptfigur und beschreibt dabei vor allem das Empfinden beim Erblicken des eigenen Spiegelbildes und die fortschreitende Vergesslichkeit, die es Alma immer wieder unmöglich macht, sich an wichtige Aspekte ihres Lebens oder auch kürzlich Geschehenes zu erinnern. Im Grunde hat sie, auch ihres hohen Alters wegen, mit dem Leben abgeschlossen. Als sie dann per Zufall einen kleinen Jungen kennen lernt, der große Begeisterung für ihre Uhren zeigt und sie täglich besucht, schöpft sie neuen Lebenswillen.

Ane Riel schreibt eine bewegende Geschichte über das Leben und Sein einer älteren Dame, ihre Beschwerlichkeiten im Alltag und ihre Liebe zu ihrem verstorbenen Ehemann Otto, mit dem es ein tragisches Ende nehmen sollte. Sie verbindet kindliche Begeisterung mit neu aufkommendem Lebensmut im hohen Alter und schafft dadurch Momente, die zu Herzen gehen. Dennoch fühlte ich mich über einen langen Zeitraum nicht gut unterhalten und konnte erst am Ende des Buches seine Stärken ausmachen. Da habe ich dann auch Tränen verdrückt und einen Schluss bekommen, der mir zu Herzen ging. Auch wenn ich keine direkte Empfehlung aussprechen kann, so würde ich nie von diesem Titel abraten, denn ich denke, er wird vielen gefallen.

Fazit

Bewegende Geschichte über den Alterungsprozess, unser Erinnerungsvermögen in hohen Jahren und den kleinen Dingen, die uns immer wieder neuen Lebensmut einhauchen. Zeitweise etwas zäh, besonders das Ende ist die große Stärke dieser Erzählung.

Ane Riel

Ane Riel, geboren 1971 in Aarhus, Dänemark, ist eine dänische Schriftstellerin. Sie studierte Kunstgeschichte und ihr erster Roman Blutwurst und Zimtschnecken wurde in ihrem Heimatland als bester Krimi des Jahres ausgezeichnet. Ihr zweiter Roman Harz sahnte alle vier wichtigen skandinavischen Krimipreise ab.


Geister weinen nicht

von Ane Riel
aus dem Dänischen von Julia Gschwilm
im Original erschienen unter dem Titel »Urværk«
btb | 2024| 256 Seiten
Taschenbuch | ISBN: 978 3 442 77427 2 | 13.00€
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Ich danke dem Bloggerportal und dem btb-Verlag für die Zusendung des Leseexemplars.

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