»Tage ohne Hunger«
von Delphine de Vigan

Das folgende Buch, das ich euch vorstellen möchte, ist keine leichte Kost. Keine Sorge, in den nächsten Monaten wird sich zeigen, dass ich durchaus auch anderen, weniger schweren und somit glücklicheren Themen zugewandt bin. Nichts desto trotz sind es bei mir vor allem auch solche Bücher, die mir am Herzen liegen, die Tabus brechen und gesellschaftlich relevant sind. In diesem Fall geht es um das Thema Anorexie, welches mit Sicherheit ein bekanntes und dennoch oft unterschätztes und vermiedenes ist. Ich selbst möchte klarstellen, dass ich weder selbst Erfahrungen mit dieser Erkrankung habe, mich dementsprechend nicht selbst hineinversetzen kann, aber dennoch die Wichtigkeit sehe, darüber zu sprechen. Literatur ist nicht immer sorglos und unbekümmert, das zeigt »Tage ohne Hunger«.

Inhalt zusammengefasst

Laure ist 19 Jahre alt, 1.75 m groß und wiegt 36 Kilo. Sie ist magersüchtig. Als sich ihr Zustand drastisch verschlechtert, wird sie in eine Klinik eingewiesen. Ihr behandelnder Arzt ist der erste Mensch, dem sich die junge Frau anvertraut und so fasst sie immer wieder neuen Lebenswillen.

Wie war »Tage ohne Hunger«?

Das Elternhaus spielt eine tragende Rolle bei dem Entstehen ihrer Krankheit und das wird beim Lesen immer wieder deutlich. De Vigan gelingt es, eine leidvolle Geschichte zu konstruieren, in welcher die Protagonistin zwischen Todessehnsucht und Selbsterhaltungstrieb hin- und hergerissen ist. Deutlich ist, dass der Roman autobiografische Züge aufweist. Dieser Umstand hat das Buch für mich noch spannender erscheinen lassen. Denn wenn Betroffene selbst ihre Erkrankung und die Belastungen mit solcher schildern, ist Authentizität unwillkürlich gegeben.

Die Kälte in ihr sagte ihr, dass sie zwischen Leben und Sterben wählen musste.

Die Erzählweise Delphine de Vigans, hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Ich kenne bereits einige ihrer Bücher, ordne dieses (erschien bereits 2001) aber fraglos den Besten unter. Der Roman berührt, macht fassungslos und klärt auf. Letzteres ist aus meiner Sicht ein entscheidender Aspekt, wenn es um eine ernsthafte Thematik, wie die der Magersucht geht. Auf weniger als 180 Seiten vereint de Vigan Empathie, Grausamkeit und Realität und berührt bis ins Mark. Trotz seiner Schwermütigkeit ist »Tage ohne Hunger« kraftvoll und zeigt, dass Heilung möglich ist. Nicht unwesentlich finde ich zu erwähnen, dass Anorexie nicht, wie viele immer noch annehmen, aus Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper entsteht, sondern meist, wie hier beschrieben, viel tiefer geht.

Fazit

Ein unglaublich schwieriges Thema wird auf anschauliche, wenn auch schonungslose Weise näher gebracht und hat einen informativen Charakter. Der Kampf gegen die Magersucht: Das möglicherweise wichtigste und persönlichste Buch von Delphine de Vigan.

Delphine de Vigan

Delphine de Vigan, 1966 in Paris, Frankreich geboren, ist eine französische Schriftstellerin. 2006 erhielt sie den Literaturpreis Saint. Valentin. Weitere Preise folgten 2008 für ihren Roman No et moi, welcher gleichzeitig ihr Durchbruch war. 2015 folgten weitere literarische Auszeichnungen.


Tage ohne Hunger

von Delphine de Vigan
im Original erschienen unter dem Titel »Jour sains faim«
aus dem Französischen von Doris Heinemann
Dumont | 2018 | 176 Seiten
Taschenbuch | ISBN: 978 3 8321 9837 4 | 11€


Kennt ihr die Geschichte und wie gefiel euch die Umsetzung dieses schwierigen Themas?

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7 comments

  • Isa says:

    Hallo du,
    sehr schöner Herzensbücher-Beitag! Du hast mich direkt in den Bann des Buches gezogen. "Tage ohne Hunger" wurde sofort meiner Wunschliste hinzugefügt. Danke für den Tipp.
    Liebe Grüße
    Isa

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    • Zeilentaenzerin says:

      Das freut mich sehr, liebe Isa, dann berichte doch irgendwann mal, wenn du es gelesen hast. Bin gespannt 🙂

      Reply
  • Janika says:

    Hallo meine Liebe,
    stimmt, da hast du wieder ein Herzensbuch mit einer sehr wichtigen Thematik ausgewählt, was sicherlich nichts für leichte Gemüter ist. Ich finde bei Themen wie Magersucht muss die Erzählung aber auch schonungslos sein, damit nichts romantisiert oder idealisiert wird.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass dich das Buch nachhaltig beeindruckt hat.
    Übrigens gefällt mir das Layout der Seite nun sehr! Auch die Aufzählung und die Farben. Es harmoniert alles sehr schön 🙂
    Liebe Grüße
    Janika

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    • Zeilentaenzerin says:

      Danke! Freut mich, dass du das Design und den Aufbau ansprechend findest. Ich mags jetzt auch sehr gerne 🙂

      Und zum Buch : ich denke auch, dass die Gefahr bei einem solchen Thema immer besteht, dass es zu lasch geschrieben ist, zu wenig deutlich macht, was eine Erkrankung dieser Form bedeutet. Das nächste Mal wirds aber dennoch fröhlicher bei den Herzensbüchern 🙂

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  • Kate says:

    Oh, wie schön! Mal ein Herzensbuch, das ich im Regal stehen habe. Zwar noch ungelesen, aber das kann sich ja ändern 🙂
    Nach deinem Beitrag wandert das Buch jetzt ein Stückchen höher auf meiner Leseliste. Danke dafür!
    Und danke fürs Verlinken ♥
    Liebste Grüße, Kate

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    • Zeilentaenzerin says:

      Das freut mich natürlich, dass das Buch noch etwas mehr an Relevanz bei dir gewinnt =) Gern geschehen das Verlinken!

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