Herzensbücher #3:
»Bonjour tristesse« von Françoise Sagan

Es sind Bücher, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben, deren Geschichten einprägsam und bedeutend sind und die einen Mehrwert bieten. Auch werden solche Bücher gern ein zweites oder drittes Mal gelesen, haben einen besonderen Platz im Regal und im Herzen. Es sind Bücher, die man immer weiterempfehlen würde. Die wunderbare Aktion #Herzensbücher von Janika ermöglicht es, persönliche literarische Schätze mit anderen zu teilen.

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Obwohl es merkwürdig ist, mein Herzensbuch Nummer drei vorzustellen, in diesen doch sehr schwierigen und beängstigenden Zeiten, versuche ich, soviel Normalität wie es noch möglich ist, walten zu lassen. Die folgende Rezension gab es so schon einmal auf meinem damaligen Blog. Da es sich aber um meine Worte zum Buch handelte, habe ich sie so stehen lassen. »Bonjour tristesse« ist ein Roman der französischen Schriftstellerin Françoise Sagan aus dem Jahr 1954. Seither wurde der weltweit erfolgreiche Klassiker unzählige Male neu aufgelegt. In diesem Fall vom Ullstein-Verlag im Sommer 2017. Die Protagonistin des Buches ist eine Siebzehnjährige, welche durch Manipulation und Scharfsinnigkeit die Beziehung ihres Vaters zu beenden versucht.

Cécile verbringt den Sommer gemeinsam mit ihrem Vater und dessen junger, einfältiger Freundin Elsa an der Côte d’Azur. Durch ihre jugendliche Leichtigkeit gelingt es Cécile, ihren Vater um den Finger zu wickeln und den Urlaub nach ihrem Geschmack zu gestalten. So verbringt sie die Tage hauptsächlich mit einem Jungen, der sich in sie verliebt hat. Aber dann taucht Anne auf: eine Freundin ihrer verstorbenen Mutter, klug und gewissenhaft. Nachdem Céciles Vater sich von Elsa trennt und Anne an seiner Seite will, droht diese durch scharfe Erziehungsmaßnahmen Céciles entspanntes Leben zu zerstören. Als ihr Vater Raymond und Anne heiraten wollen, schmiedet Cécile einen folgenschweren Plan.

Ohne Umschweife ist man gleich nach Beginn des Lesens sofort im Geschehen und fortan mit den Befindlichkeiten des Hauptcharakters konfrontiert. Die siebzehnjährige Cécile genießt das leichte Leben an der Seite ihres Vaters, in welchem auf Regeln und Konsequenzen weitestgehend verzichtet wird. Céciles Vater Raymond mag jüngere Frauen, weshalb die naive, schöne Elsa in sein Beuteschema passt. Cécile pflegt zu ihrem Vater einen engen und guten Kontakt, sodass sie deren Lebensstil zu akzeptieren versucht.

Anne kennt sie aus früheren Tagen und weiß um deren Intellekt und Pflichtbewusstsein. Von ihrem Geist und ihrer Fürsorge beeindruckt, trennt sich Raymond schließlich von seiner jungen Geliebten Elsa und widmet sich voll und ganz Anne. Beide werden ein Paar. Ab dem Moment sieht sich Cécile ihrer Freizügigkeit und Launenhaftigkeit beraubt. Vorbei ist es mit dem freien Willen und dem Faulenzen. Anne erwartet von Cécile, dass diese sich ihrem Werdegang hingibt, lernt und ihren Pflichten nachkommt.

Sicherlich muss beim Lesen und verstehen der Geschichte die Zeit berücksichtigt werden, in welcher diese spielt. Die Autorin schrieb den Roman 1953 in einem Pariser Bistro im Stadtteil Saint Germain innerhalb weniger Wochen. Ungeachtet dessen, dass die Story in den Fünfzigern spielt, stimme ich den kritischen Stimmen zum Buch nicht ganz zu. Cécile ist mit ihren siebzehn Jahren noch minderjährig und teils unreif, was sich an ihrer launenhaften, egoistischen Art und ihren manipulativen, teils ambivalenten Gedanken zeigt. Nichts desto trotz darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass Anne das Leben von Cécile und ihrem Vater auf den Kopf stellt.

Plötzlich hat Raymond nicht mehr viel zu sagen und hält sich dementsprechend in der Erziehung seiner Tochter zurück. Diese übernimmt Anne allein. Cécile wird der Umgang mit ihrem Freund madig gemacht, sie wird zum ständigen Lernen verdonnert und ihr wird unverblümt deutlich gemacht, dass sie, um im Leben voran zu kommen auf ihren bisherigen Freiheitsdrang verzichten müsse. Des Weiteren zweifelt sie an dem Glück ihres Vaters. Dies genügt aus meiner Sicht zumindest, um nachvollziehen zu können, dass sich Cécile einer ausweglosen Situation ausgesetzt sieht. Wie sie am Ende handelt, darüber kann diskutiert werden.

Zitat aus dem Buch

»Ich zögere, diesem fremden Gefühl, dessen sanfter Schmerz mich bedrückt, seinen schönen und ernsten Namen zu geben: Traurigkeit.« Seite 1

Fazit

Sprachlich ist »Bonjour tristesse« ein Genuss. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und die Formulierungen nur so aufgesaugt. Sagan gelingt es, einen menschlichen Konflikt simpel und dennoch kraftvoll und instinktiv zu schildern und dabei gekonnt auf psychologische Muster zurückzugreifen. Am Ende gibt es aus meiner Sicht – entgegen vieler Meinungen anderer Kritiker – keinen Schuldigen. Kein böses Buch, sondern ein zutiefst menschliches.

Françoise Sagan

Françoise Sagan (eigentlich Françoise Quoirez), 1935 in Cajarc, Frankreich geboren war eine französische Schriftstellerin. Ihren 1954 veröffentlichten Bestseller Bonjour tristesse schrieb sie mit achtzehn Jahren innerhalb weniger Wochen. Sagan hat insgesamt mehr als vierzig Romane geschrieben. Sagan starb 2004.

Weitere Herzensbücher

Janika von Zeilenwanderer, Daniela von ReadEatLive, Katharina von Traumrealistin


Bonjour tristesse von Françoise Sagan
aus dem Französischen von Rainer Moritz
Ullstein | 2019 | 176 Seiten
Taschenbuch | ISBN: 978 3 54829 083 6 | 12€


Welche Klassiker könnt ihr empfehlen?

Comments

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2 thoughts on “Herzensbücher #3:
»Bonjour tristesse« von Françoise Sagan

  1. Hallo meine Liebe

    Ich finde gerade in solchen Zeiten wie den jetzigen ist es absolut richtig, Normalität zu bekommen und finde auch, dass man mit einem Format wie Herzensbüchern vielleicht sogar dem ein oder anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Einfach weil von Büchern erzählt wird, die anderen so viel bedeuten. Und vielleicht bringt der ein oder andere Beitrag jemanden ja sogar dazu, zu dem vorgestellten Buch zu greifen und sich ein wenig besser zu fühlen 🙂

    Liebe Grüße
    Janika