Leserunde im Buchclub:
»Hard Land« von Benedict Wells

Hallo zusammen, gemeinsam mit dem Buchclub von Bookbroker habe ich im März wieder an einer Leserunde teilgenommen. Dieses Mal haben wir den neuen Roman »Hard Land« von Benedict Wells gelesen. Der Schriftsteller gehört bekanntlich ja zu meinen liebsten und daher war ich sehr neugierig auf diesen Titel. Ich kann in jedem Fall an dieser Stelle schon erwähnen, dass es für mich eine ganz neue Erfahrung in Bezug auf ein Buch von Benedict Wells war.

Inhalt zusammengefasst

Handlungsort ist der US-amerikanische Bundesstaat Missouri, genauer eine verschlafene Kleinstadt mit dem Namen Grady im Jahr 1985. Hier lebt der fünfzehnjährige Außenseiter Sam mit seinen Eltern. Als er einen Job im örtlichen Kino annimmt, verändert sich schlagartig alles in seinem Leben. In diesem Sommer knüpft er nicht nur ernsthafte Freundschaften, sondern verliebt sich auch das erste Mal. Sam lernt die 49 Geheimnisse seiner Heimatstadt kennen und ist mutiger denn je. Es ist aber auch der Sommer, indem seine Mutter stirbt und Sam muss lernen, was es heißt, erwachsen zu werden.

Wie war »Hard Land«?

»In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb.« So beginnt der neue Roman von Benedict Wells. Als Leser ist man direkt mittendrin in der Geschichte, die mit diesem ersten Satz verrät, worum es vordergründig geht. Die Handlung spielt im Amerika der 1980er Jahre. Im konservativen Grady versucht der fast sechszehnjährige Sam dem Alltag zu Hause zu entfliehen und beginnt einen Ferienjob im Kino. Seine Mutter ist schwerkrank und die Situation für Sam oft unerträglich. Nach dem Wegzug seines besten und einzigen Freundes Stevie, ist Sam allein. Während der Arbeit im Kino lernt er Cameron, Hightower und Kirstie kennen. Und dieser Sommer ändert alles.

Sam macht erste Erfahrungen mit dem Verliebtsein und muss lernen, was es heißt, einen nahestehenden Menschen zu verlieren. Diesen emotionalen Kontrast von erstem Herzklopfen und tiefer Trauer setzt Wells meisterhaft um. Wie gewöhnlich für Romane dieses Autoren habe ich auch hier wieder etliche Stellen im Buch markiert, die mich sprachlich verzauberten. »Hard Land« ist eine Zeitreise in die Vergangenheit und eine Hommage an die 1980er Jahre. Jeder wird sich hier und da in seine eigene Jugend versetzt sehen. Die Unbeschwertheit und Leichtigkeit dieser Phase wird für Sam durch den Tod seiner Mutter getrübt und doch geht er erstarkt aus diesem für ihn magischen Sommer hervor.

Es ist ein ganz anderes Buch von Benedict Wells, das ich so nicht vermutet hätte und das mich nicht immer so mitnehmen konnte, wie es vielen anderen seiner Bücher zuvor gelang. Einige Tage nach dem Lesen und mit etwas Abstand betrachtet, muss ich aber doch feststellen, dass mich auch dieser Roman aufgrund seiner authentischen, den gut ausgearbeiteten Figuren und Wells´ wunderbaren Wortspielen fesseln konnte. Alles in allem ist »Hard Land« ein kleines Juwel für Liebhaber dieses Genres, weil es in seinen Lesern die Magie der Jugend neu aufleben lässt.

Zitate aus dem Buch

»War Kirstie nicht im Kino, fehlte den Witzen die Pointe, war der Sommer weniger heiß, das Popcorn weniger knusprig und die Cola nicht so prickelnd wie sonst.« Seite 61

»Ich hab total Angst, so zu werden, wie ich bin.« Seite 98

»Sie konnte mir so ähnlich sein, und sie war das Gegenteil von mir, und wenn meine Stimmung eine leere Fabrikhalle war, dann war sie ein Haufen Kerzen.« Seite 100

»…und flüsterte zu mir selbst “Kirstie”. Es war nur ein Wort, aber ich hatte noch nie so viel gesagt.« Seite 112

»Moms Tod war jetzt vier Tage her, und jeder dieser Tage war ein Gigant, der die Zeit verlangsamen oder sogar anhalten konnte.« Seite 219

»Wir suchen unsere Fehler und unsere Schuld, weil es leichter ist, als zu trauern…Es lenkt uns davon ab.« Seite 291

Fazit

Ohne Frage ein Roman der tief berührt und viele Leser in ihre eigene Adoleszenz-Phase zurückversetzt. Benedict Wells gelingt auch mit seinem neuen Buch ein nachvollziehbarer Erfolg. Insgesamt haben mich andere seiner Titel mehr überzeugen können, was aber eine ganz individuelle Sichtweise sein mag. Sprachlich und inhaltlich werden viele ihre Freude mit »Hard Land« haben.

Benedict Wells

Benedict Wells, geboren 1984 in München, ist ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller. Nach dem Abitur 2003 zog Wells nach Berlin, wo er mit dem Schreiben begann. 2009 erhielt Wells den bayerischen Kunstförderpreis. Seine ersten beiden Romane Spinner und Becks letzter Sommer erschienen 2008 und 2009. Letzterer wurde 2015 mit Christian Ulmen verfilmt. Für Vom Ende der Einsamkeit wurde Wells mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet. Neben der deutschen besitzt er als Sohn einer Schweizerin auch die schweizerische Staatsbürgerschaft. Benedict Wells lebt in Berlin und Bayern.


Hard Land

von Benedict Wells
Diogenes | 2021 | 352 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 257 07148 1 | 24€


Wells´ Roman über das Erwachsenwerden konnte mich erst auf den zweiten Blick fangen. Wie ging es euch mit »Hard Land«?

Kommentare

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2 thoughts on “Leserunde im Buchclub:
»Hard Land« von Benedict Wells

  1. Hallo 🙂
    Mir ging es da ganz ähnlich. Mochte “Hard Land” auf seine eigene Weise, aber es wird für mich einfach nicht an seine älteren Werke herankommen. Zumal ich Coming Of Age Romanen so langsam überdrüssig werde. Neben “Der große Sommer” von Ewald Arenz ist “Hard Land” wohl der Coming Of Age Roman der Saison.

    Liebe Grüße,
    Isa