Literaturbesprechung:
»Die Glasschwestern« von Franziska Hauser

Guten Tag ihr lieben Bücherwürmer, gemeinsam mit Isa von Isa´s Bücherblog habe ich in einem gemeinsamen Buddyread »Die Glasschwestern« von der deutschen Autorin Franziska Hauser gelesen. Der Roman erschien im Frühjahr diesen Jahres im Eichborn-Verlag von Bastei Lübbe. Eine Rezension zu schreiben fällt mir schwerer als beim letzten Buch, denn leider konnte mich die Geschichte zu keiner Zeit mitnehmen und so wage ich den Versuch, verständlich zu machen, woran das gelegen hat.

Inhalt zusammengefasst

An der ehemals deutsch-deutschen Grenze gelegen, befindet sich ein kleines Dorf, indem Saphie ein Hotel betreibt. Ihre Zwillingsschwester Dunja lebt mit ihren Kindern Augusta und Jules in einer nahe gelegenen Großstadt. Als beide Ehemänner der Schwestern auf unterschiedliche Weise, aber am gleichen Tag sterben, zieht Dunja zu ihrer Schwester ins Hotel. Dabei werden Kindheitserinnerungen wach und alte Geschichten treten wieder zutage.

Wie war »Die Glasschwestern«?

Beschrieben wird das Buch als »Generationenroman aus dem ehemaligen Grenzgebiet«, deren Inhalt »alte Geschichten, Geheimnisse und Lügen zutage fördert«. Dieser Klappentext war es, der mich neugierig machte auf eine sehr spannende und bedeutungsvolle Erzählung, mit intensiver Handlung und interessanten Charakteren. Da meine Familie selbst aus der ehemaligen DDR stammt, sind Geschichten, die aus dieser oder von dieser Zeit erzählen immer recht reizvoll für mich. Die geographische Lage oder auch die Herausforderungen mit dem Leben in der DDR und seinen Folgen bleiben größtenteils bedeutungslos. Bis zum Ende erschloss sich mir nicht, welche Botschaft die Autorin ihren Lesern vermitteln möchte.

In die Geschichte einzutauchen war mir durchweg unmöglich, denn die Figuren scheinen unnahbar und ihre Handlungen oft nicht nachvollziehbar, sodass sie mir bis zuletzt unsympathisch und fern blieben. Ich fühlte mich als Leserin außen vor, nicht mitgenommen oder mit einbezogen. Themen, wie hier das Geheimnis eines Tunnels werden im Buch lediglich angerissen und verlaufen schlussendlich in einer Sackgasse. Auch der Titel des Buches ist für mich unpassend gewählt, denn was es damit auf sich hat, spielt eine aus meiner Sicht viel zu nebensächliche Rolle. Inhalte werden hochgespielt aber nicht zu Ende gedacht und das sorgte in mir für viel Frustration beim Lesen.

Die Idee selbst, eine Familiengeschichte voller Geheimnisse und der Suche nach der eigenen Identität und dem Sinn des Lebens zu schreiben,  ist sicher keine neue, bietet aber wesentlich mehr Potential, als es hier ausgeschöpft wurde. Am Meisten aufgestoßen ist mir das zeitgleiche Ableben der Ehemänner beider Schwestern. Dieser Umstand wirkt einfach zu konstruiert und gleitet folglich ins Absurde ab. Grundsätzlich macht alles Erzählte einen unkontrollierten Eindruck, wird in den Raum geworfen, so als müsse es unbedingt ausgesprochen werden, auch wenn es letztendlich nicht zielführend für den Verlauf der Handlung ist. Ich musste mich infolgedessen durch das Buch quälen und war sehr erleichtert, am Ende angekommen zu sein.

An den Hauptfiguren sind das Interessanteste wohl noch ihre sehr ungewöhnlichen Namen. Das Alter beider Schwestern bleibt lange Zeit unklar und ihre Persönlichkeiten im Gesamten trotz nachlässiger Beschreibungen unausgegoren. Das Buch ist mit 430 Seiten kein Kompaktes und so hatte ich mir vom Inhalt viel mehr erwartet. Um sich in die die handelnden Personen hineinzuversetzen mit ihnen zu fühlen oder sie zu verstehen, werden sie von Franziska Hauser zu schwach gezeichnet. Der Schreibstil ist nicht außergewöhnlich, die von mir ausgewählten Zitate unten, entsprechen den wenigen Textstellen, die mich ansprechen konnten. Von allen Charakteren des Buches ist es lediglich Nino, ein Sprachschüler von Dunja, der mich durch seine Dialoge etwas aufheitern konnte. Viele Figuren blieben blass oder ausdruckslos. Alles in allem wird hier eine potenziell aufregende Geschichte nur sehr oberflächlich erzählt. Während des Lesens entstehen mehr Fragen als es es Antworten gibt und so bleibt ein großes Chaos zurück.

Zitate aus dem Buch

»Sie stellt sich vor, wie man sie dort auseinandernehmen würde, in alle Einzelteile zerlegen, und niemand würde wissen, wie man sie danach wieder zusammenbaut.« Seite 17

»…Als müsste sie die geschenkte Aufmerksamkeit für eine Empfindung, die sie nicht hat, unauffällig in ihren Manteltaschen verschwinden lassen.« Seite 27

»Winnes Hände waren immer nur flüchtig über ihren Körper gestreift. In seinem Leben hatte Winne vieles angefasst und wieder fallen gelassen. Letztlich sich selbst.« Seite 191

Fazit

Eine völlig wirre Geschichte, die zu viel Interpretationsspielraum lässt und sich in Nebensächlichkeiten oder unwesentlichen Inhalten verliert. Eine große Enttäuschung!

Die Rezension von Isa, findet ihr hier.

Franziska Hauser

Franziska Hauser, geboren 1975 in Berlin, ist eine deutsche Autorin und Fotografin. Sie studierte Bühnenbild und freie Kunst an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und war als Ausstattungsassistentin am Berliner Ensemble tätig. Im Jahr 2003 erhielt sie ein Stipendium der Stiftung Kulturfonds für ihre fotografische Arbeit. Für Das Magazin schreibt sie seit 2014 als freie Mitarbeiterin. Ihr erster Roman wurde 2015 veröffentlicht, für den sie prompt den Debütantenpreis der lit. Cologne erhielt und war für den aspekte-Literaturpreis des ZDF nominiert.


Die Glasschwestern von Franziska Hauser
Eichborn | 2020 | 430 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 8479 0045 0 | 22€


Mich würde brennend interessieren, ob jemand dem Roman mehr abgewinnen kann als ich und was die Gründe dafür sind. Ich kann das Buch leider gar nicht empfehlen. 

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»Die Glasschwestern« von Franziska Hauser