Literaturbesprechung:
»Friday Black« von Nana Kwame Adjei-Brenyah

Einen schönen Sonntag wünsche ich euch! Es ist mir tatsächlich noch gelungen, im Juli wenigstens ein Buch zu beenden. Angesichts meines stressigen Umzuges, der letzten Wochen bei meinem aktuellen Arbeitgeber und der Ungewissheit, wo wir bald leben werden, bin ich darüber doch ganz froh. Wie im letzten Beitrag erwähnt, habe ich »Friday Black« von Nana Kwame Adjei-Brenyah gelesen und nun beendet. Aufgrund der Nominierungen für anerkannte Literaturpreise und der vielen guten Kritiken war ich sehr gespannt auf die Kurzgeschichten. Der Afroamerikanier Adjei-Brenyah behandelt den amerikanischen Rassismus und grenzenlosen Konsum und zeichnet eine düstere Zukunft.

Inhalt zusammengefasst

Die traurige Realität bekommt der Leser durch die Sammlung an Kurzgeschichten von Adjei-Brenyah einmal mehr zu spüren. Rassismus, Gewalt, Konsum und Hass prägen das Bild an vielen Orten weltweit. Nach dem Tod von George Floyd und in Zeiten von Trump´s Politik  sind die hier beschriebenen Missstände in der amerikanischen Gesellschaft aktuell wie nie. Die Geschichten handeln von Familie, Liebe und Leidenschaft. Sie erzählen davon, wie es ist, im heutigen Amerika schwarz zu sein und von alltäglicher Ungerechtigkeit.

Wie war »Friday Black«?

Während und nach dem Lesen hinterlassen die zwölf Kurzgeschichten dieser Sammlung tiefe Spuren. Das kann ich für meinen Teil vorwegnehmen. Die bedrückende Atmosphäre und die alltäglichen, schauderhaft gezeichneten Schauplätze sind schwer verdaulich. Ich tat mich schwer, das Buch in kurzer Zeit zu lesen und brauchte Zeit, die einzelnen Geschichten einzuordnen. Adjei-Brenyah schreibt mit Wucht und viel Intensität über eine Gesellschaft, die sich von Fremdenhass und Konsum leiten lässt. Jeder Text erzählt von Gewalt, von Mord- und Totschlag, Hass und Gier. Die Menschen verlieren den Sinn für das Wesentliche.

Da wird ein Kind totgetrampelt, weil Kunden einer Mall Kleidung zum halben Preis ergattern können, es wird ein Weißer freigesprochen, der fünf schwarze Kinder mit einer Kettensäge tötete und ein dunkelhäutiger Mann erhält nach großer Mühe und Vorbereitung eine Absage für sein Vorstellungsgespräch mit einer offenkundig rassistischen Begründung. Die düsteren Geschichten sind geprägt vom ungebremsten Massenkonsum und zeigen einmal mehr, wie tief verwurzelt der Rassismus in den Köpfen vieler Menschen sitzt. Auch wenn seine grausigen Erzählungen überspitzt und sarkastisch dargestellt werden, sind sie erschreckenderweise in vielerlei Hinsicht nicht sehr weit entfernt von der Realität.

Erinnern tut »Friday Black« unweigerlich an die britische Netflix-Serie »Black Mirror«, die wohl ein ähnliches Konzept wie das von Adjei-Brenyah verfolgt. Es handelt sich um ein sehr starkes Debüt eines talentierten Schriftstellers, der Zukunftsszenarien zeichnet, die lange nach dem Lesen im Gedächtnis bleiben. Die Dialoge wirken teilweise etwas steif, die Inhalte oft überdreht und dennoch halte ich es diese Sammlung für sehr wichtig. Nicht zuletzt wegen ihrer Aktualität. »Friday Black« kann als mahnendes Beispiel des erschreckenden Weges gesehen werden, den die Menschen derzeit gehen.

Zitate aus dem Buch

»Sie tat mir den Gefallen, so zu tun, als wäre alles normal. Das konnten wir gut. Theater spielen und unseren eigenen Auflösungsprozess ignorieren« Seite 145

»Wir haben es alle schon oft gesehen, aber ich breche noch immer in Tränen aus, denn wenn es kommt, weiß ich genau, das wir unendlich sind« Seite 230

Fazit

Heftig. Grausam. Verstörend. Unmenschlich. Klug. Realistisch. Lesenswert.

Nana Kwame Adjei-Brenyah

Nana Kwame Adjei-Brenyah, geboren 1990 in New York City, USA ist ein afroamerikanischer Schriftsteller. Er ist der Sohn ghanaischer Eltern. Adjei-Brenyah studierte Fine Arts. Mittlerweile unterrichtet er an der Syracuse University Creative Writing. Sein Debütroman Friday Black wurde zum New York Times Bestseller, bekam den PEN-Jean Stein Book Award und stand auf der Longlist der Andrew Carnegie Medal for Excellence in Fiction, sowie auf der Shortlist für den Dylan Thomas Price. Das Buch wird von Universal Pictures verfilmt.


Friday Black von Nana Kwame Adjei-Brenyah
aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel
Penguin | 2020 | 233 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 328 60129 6 | 20.00€


So, das war mein einziges Buch im Juli, das es aber wirklich in sich hatte. Habt ihr das Debüt des Autoren gelesen und wie gefiel es euch?

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