Literaturbesprechung:
»Für mich soll es Neurosen regnen – Mein Leben mit Zwangsstörungen« von Peter Wittkamp

Hallo meine Lieben, ich wünsche euch an dieser Stelle schon einmal ein wunderschönes Wochenende! In den letzten Tagen bin ich kaum zum Bloggen gekommen und möchte das heute unbedingt mit einer neuen Buchbesprechung nachholen. Mitgebracht habe ich euch »Für mich soll es Neurosen regnen« von Peter Wittkamp, welches im btb-Verlag im Herbst 2019 erschienen ist. Der Autor schildert darin sein Leben mit Zwangsstörungen.

Inhalt zusammengefasst

Der »heute-show-online«-Autor und Werbetexter Peter Wittkamp berichtet von seinen Zwangsstörungen, die ihn seit seinem 17. Lebensjahr begleiten und im Alltag eine mehr oder weniger große Herausforderung darstellen. Mit viel Humor und interessanten Fakten beschreibt er sein Leben mit Zwängen und zeigt Hilfen auf.

Wie war »Für mich soll es Neurosen regnen«?

Peter Wittkamp ist von Beruf Gag-Schreiber, Autor der Online-Ausgabe der Polit-Satire »heute show« und erfolgreicher Werbetexter. In diesem Buch beschreibt er, wie sich die Zwangsstörungen bei ihm entwickelten und wie sein Alltag mit diesen aussieht. In gekonnt witziger Manier schafft es Wittkamp, als Betroffener, eine ernsthafte Thematik auf unterhaltsame und witzige Weise zu vermitteln und mit seinen Anekdoten zum Lachen zu bringen.

Der Autor wagt sich heraus aus seiner Komfortzone und macht seine Zwangserkrankung öffentlich. Dazu gehört viel Mut und in Wittkamp´s Fall auch jede Menge Humor. Mit Offenheit und Fachlichkeit gelingt ein interessantes und amüsantes Buch über eine psychische Störung, die in der Gesellschaft immer noch belächelt wird, für die Betroffenen aber sehr lebenseinschränkend sein kann. Die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Witz ist hier äußerst gelungen, denn auch und gerade Themen, die psychischer Natur sind, sollte man vor allem auch mit Witz begegnen können. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, auch wenn ich nicht unter einer Zwangsstörung leide.

Das alltägliche Leben eines Zwangskranken mit all seinen Schwierigkeiten und kuriosen Situationen (von denen der Autor selbst einige beisteuert), beschreibt Peter Wittkamp eingehend und informativ. Er macht Betroffenen Mut, sich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben, um so Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Sehr witzig fand ich als gebürtige Berlinerin, die auch noch oft in der Stadt zugegen ist, seinen Schwank in die Arbeit bei den Berliner Verkehrsbetrieben. Da fühlte ich mich direkt sehr heimisch.

Erkrankte werden sich in den Ausführungen Wittkamp´s sicherlich wiederfinden und vielleicht für sich selbst etwas positives daraus ziehen können. Alle Menschen sind anders und jeder auf eine gewisse Art und Weise nicht ganz normal. Das vermittelt der Autor geschickt und sehr menschlich. Alles in allem ein sehr gelungenes Buch des Gag-Schreibers Peter Wittkamp, der sehr schonungslos erzählt, was seine Zwangserkrankung mit ihm macht, dabei aber nie seinen Humor verliert. Am Ende möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass mich die letzten Worte im “Dank” des Buchs so sehr berührt haben, dass ich wirklich weinen musste. So schön!

Zitate aus dem Buch

»Mitunter versuche ich, obwohl es eine sehr ernste Krankheit ist, ein wenig humorvoll darüber zu berichten. Glück im Unglück: Meine Zwänge sind sehr stark, aber nie so stark, dass ich nicht über sie lachen möchte.« Seite 12

»Ich habe in meinem vorherigen Kapitel nur kurz angedeutet, dass ich durch meine Krankheit und durch diese ganzen Unsicherheiten in meinem Leben ein recht schwieriger Charakter geworden bin. Sehr egozentrisch. Manchmal cholerisch. Immer etwas eigenbrötlerisch. Nicht immer einfühlsam. Ab und an ein schlechter Vater. Häufig ein mieser Lebensgefährte. Wenn irgendetwas mit meinen Zwängen ist, hat das immer Vorrang. Alles andere wird unwichtig. Das kann sehr schwierig für Nahestehende sein. Andererseits will ich die Krankheit aber nichts als Entschuldigung missbrauchen: Ich fürchte, ich wäre auch ohne sie nicht gerade der umgänglichste Mensch der Welt. Aber die Krankheit macht das Ganze nicht gerade einfacher. « Seite 310

»Danke an Jonas, dass du mir gezeigt hast, was der Sinn des Lebens ist und warum es sich lohnt, immer wieder gegen Zwänge zu kämpfen.« Seite 314

Fazit

Mich konnte Peter Wittkamp mit seinen Schilderungen über Zwangsstörungen definitiv erreichen, was nicht zuletzt daran liegt, dass hier ein Betroffener selbst von seiner Krankheit berichtet. Ich habe viel gelacht und ganz wenig geweint. Ein sehr gelungenes Buch!

Peter Wittkamp

Peter Wittkamp, geboren 1981 in Ansbach, studierte in Bamberg und Berlin Soziologie. Seit dem Jahr 2013 ist er selbstständiger Autor und Werbetexter. Zudem arbeitet Wittkamp als Gag-Schreiber für die Online-Ausgabe der heute show oder auch Late Night Berlin. Peter Wittkamp lebt in Berlin.


Für mich soll es Neurosen regnen – Mein Leben mit Zwangsstörungen von Peter Wittkamp
btb | 2020 | 318 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 442 75829 6 | 18€


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