Literaturbesprechung:
»Lempi, das heißt Liebe« von Minna Rytisalo

Uiuiui, es sind tatsächlich schon ganze sieben Tage vergangen, seit ich zuletzt von mir hören ließ. Ich bin so im Umzugsstress gefangen, dass ich einfach zu nichts anderem komme. Weil ich das Bundesland wechsle, ist es mir auch sehr wichtig, möglichst viele Freunde zu treffen, bevor es weit weg geht. Somit sind die Abschiedswochen eingeläutet und ab heute sind es genau 39 Tage bis zu meinem letzten Arbeitstag hier. Sehr emotional das Ganze. Nun aber zur Literaturbesprechung von »Lempi, das heißt Liebe« von der finnischen Schriftstellerin Minna Rytisalo. Der Roman erschien im Mai diesen Jahres bei dtv und handelt von einer tragischen Liebesgeschichte in Kriegszeiten um 1940.

Inhalt zusammengefasst

Lempi ist die Tochter eines Ladenbesitzers aus Lappland. Sie hat eine Zwillingsschwester, Sisko, die wenige Minuten jünger ist. Lempi heiratet den Bauern Viljami und zieht mit ihm auf seinen Hof. Damit seine Gattin nicht die gesamte Arbeit alleine tragen muss, stellt dieser eine Magd zur Unterstützung an. Die allerdings würde gern den Platz von Lempi an der Seite des Bauern übernehmen. Nach nur einem glücklichen gemeinsamen Sommer, wird Viljami 1943 zum Kriegsdienst eingezogen. Bei seiner Rückkehr ist Lempi verschwunden. Sie soll, wie ihre Schwester, mit einem Offizier nach Deutschland gegangen sein. Das aber glaubt ihr trauernder Ehemann nicht.

Wie war »Lempi, das heißt Liebe«?

Die Titelfigur des Buches bleibt bis zum Ende im Verborgenen, denn der Leser erfährt ausschließlich über andere Personen von ihr. Dabei werden die Erfahrungen und Wahrnehmungen des Ehemannes von Lempi, der Magd und ihrer Schwester dargestellt. In Folge dessen bleibt ihr Charakter farblos und es fällt schwer, ihre Beweggründe oder ihr Schicksal nachzuvollziehen. Der Roman spiet in den Vierziger Jahren und somit während des Krieges. Die Umstände, Folgen und das Verhältnis von Finnen und Deutschen arbeitet die Autorin gut heraus.

Im ersten Teil wird die tiefe Verbundenheit von Viljami gegenüber seiner vermissten Frau deutlich. Er berichtet von der aufregenden Kennlernphase und wie unvergessen ihre kurze Zeit zu zweit für ihn bleiben wird. Viljami leidet stark unter der Ungewissheit, was mit seiner geliebten Frau geschah und will nicht wahrhaben, dass sie nicht mehr bei ihm ist. Anschließend wird die Perspektive der Dienstmagd Ellie erläutert, die selbst gern Lempis Platz eingenommen hätte. Sie konnte Lempi nie ausstehen und empfindet nichts als Verachtung für sie.

Der dritte und letzte Abschnitt ist Sisko, Lempis Schwester gewidmet. Sie beschreibt eine enge geschwisterlichen Bindung und ihren schmerzlichen inneren Verlust, den sie aufgrund der Abwesenheit von ihrer Schwester täglich verspürt. Dieser Part des Buches hat mich am meisten berührt und noch einmal viel von dem heraus geholt, was mir zuvor fehlte. Sicherlich war das Anreißen der Geschehnisse gewollt und sollten auch die Charaktere nie ganz greifbar sein. Mir persönlich fehlte es aufgrund dessen jedoch an Emotionen und Verständnis für die Handlungen der Personen.

Von Beginn an hatte ich Schwierigkeiten, in die Geschichte hinein zu finden und konnte mich mit den Charakteren nicht identifizieren. Das Weiterlesen fiel mir schwer, weil ich einfach keinen rechten Zugang herstellen konnte. Die Idee der verschiedenen Blickwinkel und das bloße Erahnen von Lempis Persönlichkeit sind ein interessantes Stilmittel, dass mich in dieser Umsetzung aber kaum erreichte. Ich kann deshalb keine Empfehlung aussprechen, möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass es eine rein subjektive Wahrnehmung ist und das Buch kein Reinfall ist.

Zitat  aus dem Buch

»Du warst meine andere Hälfte und Ergänzung, und eine Bindung, die im Mutterleib gewachsen ist, kann weder Zeit noch Entfernung noch der Tod auslöschen.« Seite 137

»An vielen Stellen kann man überlegen und nochmal zurück. Man hat die Möglichkeit, an die letzte Kreuzung zu gehen und sich anders zu entscheiden. Wenn man sich aber so abscheulich behandelt und grundverlassen erlebt hat und erfährt, dass von nirgends eine Antwort kommt, so sehr man auch sucht, dann hilft nichts mehr. Man mag sich noch umdrehen, aber die Kreuzung ist verschwunden. Es bleibt einem nur, den bisherigen Weg fortzusetzen und zu vergessen, dass alles einmal ganz anders war, dass wir zu zweit lebten und die Welt gut war.« Seite 189

Fazit

Auch wenn die Geschichte großen Anklang bei seinen Kritikern fand, konnte sie mich wenig beeindrucken. Zu vieles bleibt im Geheimen und die Figuren sind zu blass gezeichnet.

Minna Rytisalo

Minna Rytisalo, 1974 in Lappland geboren, ist eine finnische Schriftstellerin und Lehrerin. Sie betreibt einen literarischen Blog und wurde 2016 für ihren Roman »Lempi, das heißt Liebe« mit dem Blogistania-Finlandia-Preis und 2017 mit dem Botnia-Literaturpreis ausgezeichnet


Lempi, das heißt Liebe von Minna Rytisalo
aus dem Finnischen von Elina Kritzokat
im Original erschienen unter dem Titel »Lempi«
dtv | 2020 | 224 Seiten
Taschenbuch | ISBN: 978 3 423 14748 4 | 10.90€


Mich konnte der Roman trotz viel Potential nicht gänzlich überzeugen. Ging es euch anders und warum?

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