Literaturbesprechung:
»Nach der Flut das Feuer« von James Baldwin

Ihr Lieben, auf der Suche nach guten Kurzgeschichten, um mir etwas Zeit zu vertreiben, bin ich letztendlich auf ein sehr ernstes und vor allem aktuelles Thema gestoßen und habe den Essay »Nach der Flut das Feuer« von James Baldwin aus dem Jahr 1963 gelesen. Er gilt als einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeiten behandeln häufig die Themen Rassismus und Sexualität. Viele von euch werden bereits Werke von ihm kennen, für mich ist es die erste Erfahrungen mit Baldwin, aber eine ganz wichtige und sicher nicht die letzte. Zugleich handelt es sich hier um mein erstes E-Book seit Ewigkeiten. Der dtv-Verlag brachte eine Neuauflage des Buches 2019 heraus.

Inhalt zusammengefasst

In dem Band »Nach der Flut das Feuer«, das auch Baldwins schriftstellerisches Debüt darstellt, finden sich zwei Essays. Im ersten, mit dem Titel Mein Kerker bebt, richtet sich der Autor anlässlich des 100. Jahrestages der Sklavenbefreiung an seinen fünfzehnjährigen Neffen. Nach Meinung Baldwins begeht man die Feierlichkeiten 100 Jahre zu früh, denn Schwarze sind in den 1960er Jahren in Amerika längst nicht frei. Den zweiten Brief –Vor dem Kreuz – widmet Baldwin wohl auch sich selbst. Darin appelliert er an die Menschen, dem rassistischen Alptraum ein Ende zu setzen, weil dieser sowohl die Schwarzen, als auch die Weißen plage.  In beiden Essays geht es um Rassismus, Ausgrenzung und Identität.

Wie war »Nach der Flut das Feuer«?

Baldwins Gedanken in diesem Buch waren Vorreiter für sämtliche zeitgenössische Werke zum Thema Rassismus. Der Schriftsteller erzählt von persönlichen Ausgrenzungserfahrungen, Erlebnisse mit Diskriminierung und seiner dreijährigen Tätigkeit als Prediger in Harlem und weshalb er mit der Kirche brach. Er mahnt die Menschen, aus ihren Fehlern zu lernen, einander zu akzeptieren und sich mit Wertschätzung zu begegnen. Dabei bezieht er sich immer auch auf seine eigene Person und seine Suche nach einem Platz in der Gesellschaft.

Baldwin schreibt mit großer Offenheit und Eindringlichkeit, sodass sich die Texte wie ein Appell lesen und die inhaltliche Brisanz aktueller nicht sein könnte. Der tiefe Wunsch nach Gleichheit von schwarz und weiß, nach einem friedvollen Miteinander, aber auch das Bewusstsein darüber, das dem ein langer Weg voraus gehen würde, macht James Baldwin deutlich. Er spricht von alltäglichem, aber auch strukturellem Rassismus und macht auch dem letzten klar, welch unerträgliche Missstände in der Gesellschaft herrschen.

In diesem Essay überzeugt Baldwin mit großer Reflexionsgabe, einer emotionalen Sprache und hohem Erkenntnisvermögen. Begegnungen mit anderen Menschen würden ihm auch immer wieder Mut machen, dass es ein gemeinsames Leben geben kann, in dem man sich Respekt und Liebe entgegenbringt. Das aktuelle Vorwort von der deutschen Journalistin Jana Pareigis ist hier auch unbedingt hervorzuheben. Es unterstreicht die drängenden Aussagen Baldwins und macht die Dringlichkeit nach Akzeptanz bewusst.

Für mich ist »Nach der Flut das Feuer« von James Baldwin eines der wichtigsten Bücher, die ich bisher lesen durfte. Die geistreichen, reflektierten und treffenden Schilderungen des Schriftstellers stellen einen hohen Mehrwert in der Rassismus-Literatur dar und sind (leider) auch immer noch sehr zeitgemäß. Mich konnte Baldwin durch seine Texte sofort und zu jeder Zeit abholen. Auch wenn mich das Thema sehr wütend macht und aufwühlt, bin ich dankbar für diese entscheidenden Aussagen Baldwins, die unvergessen bleiben.

Zitate  aus dem Buch

»Wie ich euch nenne, sagt nichts über euch aus oder nur ganz selten; wie ich euch nenne, sagt aber alles über mich«

»Viele von ihnen wissen es eigentlich besser, aber Du wirst sehen, der Mensch tut sich schwer damit, nach seinem Wissen zu handeln. Handeln ist ein Bekenntnis, und Bekenntnis bedeutet Gefahr. Und die besteht in diesem Fall für die meisten weißen Amerikaner im Verlust ihrer Identität.«

»Es ist eine so simple Tatsache und eine, die offenbar schwer zu begreifen ist: Wer andere erniedrigt, erniedrigt sich selbst.«

Fazit

Ein so wichtiges Buch voller Potenzial, dass den Nerv der Zeit trifft und wachrüttelt durch seine hochspannende Direktheit.

James Baldwin

James Baldwin, geboren 1924 in Harlem, New York, USA, war ein amerikanischer Schriftsteller und einer der bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Seine Werke handeln vor allem von Rassismus, Sexualität und Identität. Baldwin kämpfte zu Lebzeiten für die soziale und politische Gleichstellung von Schwarzen und Weißen und nahm durch seine Texte großen Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft. Baldwin lebte vor seinem Tod in Frankreich und starb 1987 an der Côte d’Azur.


Nach der Flut das Feuer von James Baldwin
aus dem Englischen von Miriam Mandelkow
mit einem Vorwort von Jana Pareigis
im Original erschienen unter dem Titel »The Fire Next Time«
dtv | 2019 | 642 KB
E-Book | EAN: 978 3 423 43585 7 | 15.99€


Ein sehr beeindruckendes Buch, dass gerade in heutigen Zeiten thematisch nicht drängender sein könnte und nie an Wichtigkeit verlieren darf. Habt ihr den Essay-Band gelesen?

*Das Stockbild ohne Cover stammt von Unsplash

Kommentare

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2 thoughts on “Literaturbesprechung:
»Nach der Flut das Feuer« von James Baldwin

  1. Hallo meine Liebe

    Ich lese das Buch gerade auch und kann mich dir nur anschließen. Ich finde die Lektüre sehr bewegend und muss sie ganz bewusst lesen. Eine Lektüre für zwischendurch ist sie ja nicht 🙂

    Alles Liebe
    Janika