Meine persönlichen Lesehighlights in 2020

Hallo ihr Lieben, was für ein Jahr! Auch wenn ich weiß, dass ein Jahreswechsel nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Pandemie ist, freue ich mich doch, 2020 hinter mir lassen zu können. Für mich persönlich war es – abgesehen von Corona – ein recht gutes, aber auch sehr stressiges Jahr. Aufgrund meines Umzugs in eine andere Stadt, die neue Arbeitsstelle und die erste gemeinsame Wohnung für meinen Freund und mich, hat es mir sehr viel abverlangt, aber auch viel Schönes gebracht. Zum Lesen bin ich die letzten Monate so gut wie gar nicht gekommen und auch mein Blog hat das zu spüren bekommen. In 2021 möchte ich wieder viel regelmäßiger rezensieren und vor allem viel mehr lesen. Auch im kommenden Jahr wird es hier viel Neues geben und ich freue mich schon sehr darauf. Die Bücher, die es mir in diesem Jahr am meisten angetan haben, möchte ich in diesem Beitrag mit euch teilen. Und so kommen folgend meine persönlichen Lesehighlights in 2020.

Nick Hornby – Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

Ein sehr kompaktes Buch, dass mit nur 160 auskommt, dem Lesevergnügen dadurch aber keinen Abbruch tut. Es ist mein erstes Buch von Hornby und bestimmt nicht mein letztes. In dem Buch begleitet der Leser zwei unglückliche Eheleute während ihrer Paartherapie. Dabei erfährt er auf schonungslose Weise, wie es zur Ehekrise kommen konnte. Die heiteren Dialoge und die konsequente Offenheit beider machen diese Ehe in zehn Sitzungen zu einer lohnenden Lektüre. Das Buch kommt ohne viel Tiefgang aus und schafft es trotzdem zu berühren. Rezension zum Buch

David Wagner – Der vergessliche Riese

Ein großes Jahreshighlight war für mich David Wagners »Der vergessliche Riese« aus dem Kiepenheuer und Witsch Verlag. Erzählt wird von einem 73 Jahre alten Mann, der demenzkrank und zweifach verwitwet ist. Er lebt allein und bekommt nach langer Zeit wieder Besuch von seinem Sohn, der feststellen muss, dass es um den Zustand seines Vaters sehr schlecht steht. Gemeinsam hilft er seinem Vater dabei den Alltag zu bewältigen und Erinnerungslücken zu schließen. Ein Buch, dass unter die Haut geht, nachdenklich macht und dennoch viel Humor und amüsante Dialoge bietet. Rezension zum Buch

Bettina Wilpert – Nichts, was uns passiert

»Nichts, was uns passiert« von Bettina Wilpert, erschienen im btb-Verlag, war eines meiner ersten Bücher in 2020. Und das hatte es direkt in sich. Jonas und Anna, Studenten, lernen sich in Leipzig auf einer Feier kennen. Stark alkoholisiert verbringen sie eine Nacht miteinander, die anschließend beide vollkommen unterschiedlich bewerten. Während es für Jonas ein gewöhnlicher One-Night-Stand war, ist Anna davon überzeugt, vergewaltigt worden zu sein. Die Autorin nimmt den Leser mit auf eine Achterbahnfahrt und zeigt die Perspektiven beider auf, ohne dabei den Leser zu beeinflussen. Ein großartiges Buch zu einem sensiblen, aber aktuellen Thema, dass ich wärmstens empfehlen kann. Rezension zum Buch

Michela Murgia – Chirú

Dank des lieben Florians bin ich auf ein Buch aufmerksam geworden, dass ich so vielleicht nicht gelesen hätte. In »Chirú« von Michela Murgia, welches im dtv-Verlag erschienen ist, geht es um die Enddreißigerin Eleonora und den achtzehnjährigen Schüler Chirú. Beide pflegen ein liebesähnliches Verhältnis, sind aber kein Paar im eigentlichen Sinne. Das Spannende ist, dass es Murgia gelingt, ein emotionales und erotisches Schauspiel zu schaffen, dass aber gänzlich ohne sexuelle Elemente auskommt. Rezension zum Buch

Daniela Krien – Irgendwann werden wir uns alles erzählen

Endlich nach langer Zeit habe ich dieses wunderbare Buch gelesen, dass mich von Beginn an in seinen Bann ziehen konnte: »Irgendwann werden wir uns alles erzählen« von Daniela Krien, veröffentlicht bei Ullstein. Die Handlung spielt im Ostdeutschland der 1990er Jahre und begleitet die siebzehnjährige Maria. Sie lebt auf dem Bauernhof der Familie ihres Freundes Johannes und liebt die Literatur. Zum Missfallen ihrer Mitmenschen besucht sie seit geraumer Zeit die Schule nicht mehr. Als sie den vierzigjährigen Henner begegnet, der auf dem Nachbarhof lebt und der eher unbeliebt ist, reicht ein kurzer Augenblick, um in Maria eine tiefe Sehnsucht zu wecken. Wenig Dramatik, aber viel Intensität machen den Roman zu einem meiner Highlights dieses Jahr. Rezension zum Buch

Jens Söring – 33 Jahre US-Haft für ein Verbrechen, das ich nicht begangen habe

Selten, wirklich sehr selten, hat mich ein Buch so sprachlos gemacht wie dieses. Der deutsche Diplomatensohn Jens Söring, wird 1990 in Virginia wegen Doppelmordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der Fall gilt als einer der größten Justizskandale der Geschichte. Mich haben die Geschehnisse vor dem Prozess, als auch die Verhandlung selbst und vor allem die schier endlos lange Zeit danach – im Gefängnis – sehr bewegt. Trauer, Wut und Unfassbarkeit begleiteten mich beim Lesen. Eine sehr gelungene Biografie und eine Geschichte, die auch lange nach dem Beenden des Buches nachhallt. Das Buch erschien im Knaur-Verlag. Rezension zum Buch

Jesmyn Ward – Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt

Unglaublich heftig war dieses Leseerlebnis: Jesmyn Ward´s »Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt«, erschienen im  Ullstein-Verlag, beschreibt das Leben des dreizehnjährigen Jojo, der mit seinen Großeltern, seiner kleinen Schwester Kayla und seiner drogenabhängigen Mutter in den Südstaaten lebt. Es geht um Drogen, Rassismus und die Geister der Einwohner eines fiktiven Ortes in Mississippi. Sehr bewegend, dramatisch und aufwühlend, aber unbedingt lesenswert. Rezension zum Buch

Daniel Glattauer – Gut gegen Nordwind

Ich bereue es sehr, diesen deutschen Klassiker der Jugendliteratur nicht schon lange vorher gelesen zu haben. »Gut gegen Nordwind« von Daniel Glattauer, veröffentlicht bei Goldmann, behandelt das Kennenlernen von Emmi und Leo, die sich über das Internet kennen lernen und sich sofort miteinander verbunden fühlen. Obwohl sich beide noch nie gesehen haben, entspinnt sich eine Art Liebesgeschichte, auch wenn diese nur per E-Mail stattfindet. Die klugen Gespräche und der amüsante Schlagabtausch gefielen mir sehr und ich fühlte mich oft in eigene Erinnerungen zurück versetzt. Mir gefällt neben dem Humor auch die Tragik und Tiefgründigkeit, die Glattauer sehr gut heraus arbeitet. Ein Buch, in dass ich mich immer wieder neu verlieben könnte. Rezension zum Buch

Soo, das waren meine absoluten Lesehighlights in diesem Jahr. Welche Geschichten sind euch 2020 ans Herz gewachsen?

4 Kommentare / Kommentar hinzufügen

  1. Lieben Dank für diese Einblicke! Jetzt weiss ich, welches Buch ich meiner Schwester (Jurastudentin) als nächstes schenke. 😉 Meine Lesehighlights des Jahres 2020 waren: Anna Seilerin von Therese Bichsel, Die Schönheit der Begegnung von Frank Berzbach, schnellliebig von Lina Mallon, Wir sind das Feuer von Sophie Bichon und Tod in Genua von Romana Ganzoni.

    1. Hallo liebe Noëmi, welch liebe Worte, vielen Dank! Es freut mich sehr, wenn dir mein Highlight-Rückblick etwas gebracht und dich auf neue Bücher aufmerksam gemacht hat. Und wenn da tatsächlich etwas für deine Schwester dabei ist, freut mich das umso mehr! Danke auch für die Auflistung deiner Highlights. Ich lese deinen Blog sehr gerne und freue mich immer über neue Rezensionen!

  2. „Singt, ihr Lebenden und Tote, singt“ habe ich letztes Jahr auch gelesen. Obwohl gelesen noch untertrieben ist. Ich habe es innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Es ist wirklich eine düstere Geschichte und nichts für zartbesaitete. Ich kann es trotzdem nur uneingeschränkt weiterempfehlen.

    In deiner Aufzählung sind aber noch viele weitere Bücher dabei, die echt spannend und interessant klingen. Das ein oder andere werde ich mit dieses Jahr ganz bestimmt zu Gemüte führen.

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