»Nahe Tage – Roman in einer Nacht«
von Angelika Overath

Ihr Lieben, aktuell bin ich fleißig am Lesen und freue mich auf so viele spannende Bücher, die gerade in meinem Regal auf mich warten. In dieser Rezension soll es um einen Roman gehen, der mich zuletzt sehr enttäuschte. Aber auch das muss es geben. »Nahe Tage – Roman in einer Nacht« von Angelika Overath erschien erstmals 2005. Diese Ausgabe ist eine Neuauflage aus dem btb-Verlag 2021. Es handelt sich um die Aufarbeitung der Vergangenheit einer Frau nach dem Tod ihrer Mutter.

Inhalt zusammengefasst

Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt die vierzigjährige Johanna in die Wohnung zurück, in der sie aufgewachsen ist. Zunächst wird sie dort von großer Ratlosigkeit erfasst. Sie bringt die letzten Habseligkeiten der Verstorbenen unter, räumt die Wohnung auf und sortiert Wäsche. Während des Waschganges durchlebt sie ihre Kindheit immer wieder und erinnert sich an längst vergangene Tage, die sie rückblickend als sehr schwierig empfindet. Beengte Wohnverhältnisse, ein depressiver Vater und eine dominante Mutter machten es Johanna als Kind nicht leicht.

Wie war »Nahe Tage – Roman in einer Nacht«?

Wenn man zu »Nahe Tage – Roman in einer Nacht« greift, muss man sich auf einen trostlosen Roman einstellen, in dem eine Frau mittleren Alters nach dem Tod der Mutter in einer Nacht versucht ihre Kindheit aufzuarbeiten. Johanna ist vierzig Jahre alt und einsam. Die Erinnerungen an graue Kindheitstage sind vorherrschender Bestandteil des autobiografischen Romans. Ohne Wertung und sehr sachlich beschreibt Johanna ihre Erfahrungen mit der dominanten Mutter, die es der Familie nicht leichte machte. Johannas Leben war bestimmt von vielen Regeln und einer strengen Erziehung.

Johanna blieb für mich bis zuletzt farblos und fern. Die wieder gegebenen Erlebnisse aus der Kindheit einer erwachsenen Frau konnten mich beim Lesen nicht berühren. Das mag auch am sehr nüchternen Erzählstil liegen, den Angelika Overath gewählt hat. Der Roman spielt in einer Nacht und das machte es für mich während des Lesens sehr anstrengend. Immer wieder sieht man sich mit freudlosen Rückblicken in Johannas Kindheit und Jugend konfrontiert, die es der Protagonistin nicht erlaubten zu einer selbstbewussten, glücklichen Erwachsenen heranzureifen. Das Buch ist mit 176 Seiten knapp und mehr braucht es an Inhalt auch nicht.

Zitat aus dem Buch

»Überall hier lebten Menschen, standen auf und gingen schlafen, tranken Kaffee und Wein, schnitten ihr Brot, packten ihre Taschen, gingen fort und kamen heim. Führten ihre Hunde aus, ihre Geschichten. Fütterten die Hasen und gossen die Rabatten, brachten Salat herein und Blumen. Waren hungrig und satt. Liebten sich und töteten sich. Und die Straßenbahn fuhr alle Tage durch ihr Leben wie durch einen Film, den niemand sah.« Seite 144

Fazit

Mich konnten weder Sprachstil noch Erzählung überzeugen. Nach dem Lesen ist mir kaum etwas in Erinnerung geblieben. Zu keiner Zeit konnte mich der Roman einfangen. Ich hatte mir viel mehr erhofft.

Angelika Overath

Angelika Overath, geboren 1957 in Karlsruhe, ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie studierte Germanistik, Geschichte, Italianistik und Empirische Kulturwissenschaft in Tübingen. Sie schrieb unter anderem für die Frankfurter Rundschau und Die Zeit. Seit 1998 veröffentlicht sie regelmäßig Prosawerke und Anthologien. Overath ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in der Schweiz.


Nahe Tage – Roman in einer Nacht

von Angelika Overath
btb | 2021 | 176 Seiten
Taschenbuch | ISBN: 978 3 442 77051 9 | 12€


Ich danke Randomhouse und btb für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

2 Kommentare / Kommentar hinzufügen

  1. Die Rezension wirft dem Text vor, was seinen Stil ausmacht. Wenn eine andere Art von Unterhaltung gewünscht ist, sollte die Rezensentin lieber Peter Alexander hören. Aus meiner Sicht jedenfalls ein extrem geglücktes Erinnerungsbuch, das sich unpathetisch mit dem Tod und mit nicht gelingenden Leben beschäftigt.

    1. Das kannst du natürlich so sehen. Ich denke aber, dass es vollkommen legitim ist, Bücher kritisch zu betrachten. Ansonsten bräuchte ich auch keine Bücher lesen, geschweige denn rezensieren. Und das macht ja den Reiz aus. Geschmäcker sind eben verschieden. Ich bin doch nicht gezwungen ein Buch besser zu bewerten, als ich es empfinde. Ich werfe dem Text nichts vor. Ich erkläre meine Gründe, weshalb mir das Buch nicht so sehr gefallen hat. Dass es natürlich anderen anders ergehen mag ist klar. Der Vergleich mit Peter Alexander zeigt, dass der Kommentar nicht sachlich geschrieben ist. Kritik finde ich immer bereichernd, aber sie sollte in angemessener Form stattfinden.

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