»Und zwischen uns eine Mauer«
von Suza Kolb

Ich zeige euch heute ein Jugendbuch, das ich im Hochsommer auf Usedom gelesen habe und das ich nun endlich rezensieren möchte: »Und zwischen uns eine Mauer« von Suza Kolb beschreibt einen Sommer im Jahr 1983, als ein junges Mädchen aus West-Berlin ihre Verwandten im Osten besucht und ein ganz anderes Leben vorfindet als das, was ihr bekannt ist. Was als großes Abenteuer und mit der ersten Liebe beginnt, zeigt auch, wie bedrohlich die Atmosphäre in der DDR ist.

Inhalt zusammengefasst

Es ist das Jahr 1983: Die dreizehnjährige Luisa aus West-Berlin verbringt drei Wochen ihrer Ferien bei Verwandten in der DDR. Dort begegnet sie dem Nachbarsjungen Uwe, der heimlich Musik aus dem Westen hört. Die beiden verlieben sich ineinander. Die Zwillingsschwester von Uwe, Marietta, ist im Gegensatz zu ihrem Bruder parteitreu und hat ein Problem damit, dass sich Uwe und Luisa so gut verstehen. Für das junge Mädchen sind die Ferien ein großes Abenteuer, weil sich ihr eine ganz neue Welt eröffnet. Nach und nach wird ihr allerdings bewusst, dass sie kritisch betrachtet wird und es durchaus Gefahren birgt, seine Gedanken zu teilen.

Wie war »Und zwischen uns eine Mauer«?

Geschichten die von der deutsch-deutschen Teilung erzählen, üben aus familiären Gründen einen tiefen Reiz in mir aus. Gleichzeitig erschüttern mich die Hintergründe immer wieder aufs Neue. Mich hat bei diesem Jugendbuch das Cover als auch der Klappentext angesprochen. Die selbstbewusste Luisa ist dreizehn Jahre alt, als sie im Sommer 1983 ihre Verwandten wegen einer anstehenden Silberhochzeit in der DDR besucht. Viel lieber hätte sie ihren Urlaub in Italien verbracht und nun reist sie mit ihrer Tante Pauline in ein kleines ostdeutsches Dorf. Anders als bei ihrem vorherigen Besuch fühlt sie sich diesmal aber viel wohler, denn sie lernt den sympathischen, gut aussehenden und interessanten Uwe kennen. Dieser steht dem System kritisch gegenüber und liebt Musik.

Sehr schnell entwickeln beide Gefühle füreinander und so bahnt sich eine Liebesgeschichte an. Weil aber sowohl die systemtreue Schwester von Uwe, als auch weitere Familienmitglieder und Freunde von ihm potenziell als Stasi-Spitzel fungieren könnten, ist die gemeinsame Zeit immer nur sehr kurz. Es kommt dann auch wie es kommen muss und hat ernsthafte Folgen für das junge Paar. An dieser Stelle gehe ich nicht näher auf den Inhalt ein und konzentriere mich auf die Umsetzung der Geschichte. Die Autorin verschafft Jugendlichen der heutigen Zeit einen Eindruck davon, wie das System DDR funktionierte. Dabei thematisiert sie beispielsweise die eingeschränkte Reisefreiheit, unzureichende Mengen an Lebensmitteln, die Überwachung der Menschen durch die Staatssicherheit oder Fluchtversuche durch die Bewohner.

Das Buch vermittelt einen Einblick in das System der DDR und wie die Menschen gelebt haben. Es macht die Gefahren und Einschränkungen deutlich. Sehr interessant sind die Stasi-Protokolle und die vielen unterschiedlichen Perspektiven, die man als Leser:in erhält. Die Gestaltung des Buches ist äußerst gut geglückt, sowohl das Motiv des Covers als auch die Prägung darauf gefallen mir sehr. Bis auf wenige Textstellen, die etwas überspitzt und sehr gewollt auf mich wirkten, konnte ich gut in die Story eintauchen und kann das Buch gerade jungen interessierten Menschen empfehlen.

Fazit

Ich hätte mir, aus persönlichem Interesse, möglicherweise eine etwas differenzierte Sichtweise gewünscht, die ich an einigen, wenigen Stellen vermisst habe. Alles in allem ist Suza Kolb aber eine tragisch-schöne Jugendgeschichte gelungen, die mir beim Lesen sehr nah ging und jungen Menschen heutzutage den Alltag in der DDR darlegt.

Suza Kolb

Suza Kolb ist eine deutsche Autorin. Sie lebt in Bayern.


»Und zwischen uns eine Mauer«

von Suza Kolb
Knesebeck | 2022 | 208 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 95728 492 1 | 16.00€
Zum Buch


Ich bedanke mich recht herzlich beim Knesebeck-Verlag für die Zustellung des Rezensionsexemplars.