Ihr Lieben, meinen ersten Roman vom französischen Erfolgsautoren Hervé Le Tellier, habe ich nun endlich auch gelesen: Ich verliebe mich so leicht, erscheint im September 2022 im Rowohlt-Verlag. Vielen wird der Schriftsteller durch seinen 2020 veröffentlichten Roman »Die Anomalie« ein Begriff sein. Für diesen wurde er mehrfach ausgezeichnet. In seinem aktuellsten Werk beschäftigt er sich mit einer unglücklichen Liebe.

Inhalt zusammengefasst

Ein Mann reist von Paris nach Schottland um eine Frau zu überraschen, in die er verliebt ist. Schnell muss er feststellen, dass die von seinem Vorhaben wenig begeistert ist. Sie reagiert abweisend auf seine Avancen und lässt sich zunächst nicht auf ein Treffen mit ihm ein. Folgend verhält sie sich ambivalent, sodass der Mann wieder Hoffnung schöpft. Er weiß, dass sein Verstand aussetzt, wenn es um die Frau geht, aber er kann nicht anders. In den Highlands kommt es dann zu einer niederschmetternden Begegnung.

Wie war »Ich verliebe mich so leicht«?

Mich hat hier ganz klar auch die Seitenanzahl angesprochen, denn neben dem Aspekt, dass ich sehr gerne ein Buch vom Autoren lesen wollte, ist mein Stapel an Büchern, die ich lesen möchte aktuell enorm, sodass ich mich ganz auf diesen kurzen Roman einlassen konnte und ihn innerhalb weniger Stunden durchgelesen hatte. Wie Titel und Kurztext schon verraten, geht es um die Liebe, genauer eine nicht erwiderte. Das Besondere an dieser Geschichte ist, dass die Figuren namenlos bleiben und ausschließlich als Held und Heldin bezeichnet werden. Das schmale Buch ist in zwölf Kapitel eingeteilt, eine Inhaltsangabe findet sich am Ende.

Es ist ein physisches Verlangen, das er nicht leugnen kann. Was ihn aber zu ihr hinzieht, ist vor allem ein Leiden, das er zuweilen klarsichtig als Verlustangst analysiert, eine Angst, die umso schmerzhafter und unverständlicher ist, da man nichts verlieren kann, was man nicht besitzt. Träumt er von ihr, von dem, was eines Tages sein könnte? Aus heilsamer Vorsicht versucht er, sich jeden Zukunftsplan zu verbieten. Er liebt sie – schrecken wir nicht vor den Worten zurück -, und er ist sich bewusst, dass er das nicht sollte.

Seite 15

Ich war schnell verliebt in die geistreiche und subtile Schreibweise von Hervé Le Tellier, die hier besonders zur Geltung kommt. Der Roman geht, schon aufgrund seiner Kürze, nicht in die Tiefe, verrät jedoch viel über den Gefühlszustand des Protagonisten und vermittelt sein Leid auf sehr einnehmende Weise. Die Beziehung beider bleibt an der Oberfläche, die Geschichte lebt vom Liebeskummer des Helden und seinem Begehren für die Heldin. Das Ende kommt nicht wirklich überraschend, aber alles in allem ist es eine empfehlenswerte Lektüre für zwischendurch, die mich besonders sprachlich erwärmen konnte, von der man sich aber nicht zu viel versprechen sollte.

Zitate aus dem Buch

»Liebt sie ihn? Nein, würde jeder vernünftige Mensch antworten. Sie schont ihn nicht, lässt ihn niemals glauben, dass sie in irgendeiner Weise von ihm abhängig sei. Sie ist in der Lage, tagelang kein einziges Lebenszeichen von sich zu geben. Sollte es nicht um Liebe gehen, sondern nur um Liebesbeweise, so fehlen diese jedenfalls.« Seite 15

Fazit

Sprachlich sehr schön geschrieben, inhaltlich eine Geschichte, die oberflächlich bleibt aber dennoch mit einem Protagonisten, der die Liebe und das Leid verkörpert.

Hervé Le Tellier

Hervé Le Tellier, geboren 1957 in Paris, Frankreich, ist ein französischer Schriftsteller. Er studierte Mathematik, hat seit Beginn der 1990er Jahre allerdings diverse Romane, Gedichtbände und erotische Geschichten veröffentlicht. Le Tellier arbeitet bei der französischen Tageszeitung Le Monde als Kolumnist. Seinen größten Erfolg bisher hatte der Autor mit Die Anomalie, für diesen Roman wurde der Autor mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.


»Ich verliebe mich so leicht«

von Hervé Le Tellier
aus dem Französischen von Romy Ritte & Jürgen Ritte
im Original erschienen unter dem Titel »Je m’attache très facilement«
Rowohlt | 2022 | 128 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 498 00312 8 | 20.00€
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Ich bedanke mich bei Vorablesen und dem Rowohlt-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.