Guten Morgen Bücherwürmer, ich lese und lese und lese. Hach, ist das schön. Schon im noch jungen Jahr gibt es schon ein paar Highlights, die ich euch ans Herz legen möchte. So auch den Thriller »Seitensprung« vom US-Amerikaner Jason Starr, erschienen im Mai 2020 bei Diogenes. Ein Vater und Ehemann lässt sich online auf eine Affäre ein. Ein Fehler, der alles zu zerstören droht, was ihm lieb ist.

Inhalt zusammengefasst

Der New Yorker Immobilienhändler Jack Harper befindet sich in einer Midlife-Crisis. Seine Ehe läuft seit vielen Jahren schlecht, im Beruf kommt er auf keinen grünen Zweig und bis auf seinen Sohn Jonah, den er über alles liebt, gibt es nicht viel in seinem Leben, dass ihn glücklich macht. Über eine diskrete Seitensprung-Website lernt er Sophie kennen und lässt sich auf eine Cyber-Affäre ein, die anschließend sein gesamtes Leben zu zerstören droht.

Wie war »Seitensprung«?

Auf Empfehlung seines langjährigen Bekannten Rob, von dem Jack selbst nicht viel hält, wird er auf eine Seitensprung-Website aufmerksam gemacht, die absolute Diskretion verspricht. Trotz Zweifeln und Skrupeln legt er sich einen Account an und schreibt kurze Zeit später mit Sophie Ward, die sich Fugitive Red nennt. Jack ist sofort angetan von seiner Gesprächspartnerin, schnell stellt er Gemeinsamkeiten fest und nach langer Zeit fühlt er sich wieder begehrenswert und interessant. Anfangs noch überzeugt davon, sich nie mit einer der Frauen von der Website treffen zu wollen, macht er sich auf den Weg zu Sophie, mit der er sich tatsächlich verabredet hat. Folgend sieht sich Jack Harper mit einer Situation konfrontiert, die sein gesamtes Leben durcheinander bringt.

Die Idee hinter diesem Thriller gefiel mir auf Anhieb gut. Eine unglückliche Ehe, ein Mann in einer tiefen Lebenskrise und die Faszination, sich über eine Dating-Website mehr Selbstwert zu verschaffen und sich dabei in eine noch tiefere Krise ungeahnten Ausmaßes zu stürzen. Jack Harper als Figur erweckt schnell Mitleid bei seinen Lesern. Gleichsam war für mich schwer nachvollziehbar, weswegen seine Frau Maria und er schon so lang an einer Ehe festhalten, die beide und vor allem ihren Sohn zu zerstören droht. Es ist fast typisch für Jack, sich jede noch so heikle und unschöne Situation schönzureden, sodass er kurzfristig davon überzeugt ist, das Richtige zu tun.

Er war wie so viele Süchtige, die ich kannte – er brachte Menschen dazu, so tief zu sinken, wie sie sich innerlich fühlten.

Seite 302

Zügig wird beim Lesen klar, warum es sich um einen Thriller handelt und hier setzt auch die große Klasse von Jason Starr als Schriftsteller an. Ein brisantes und vor allem tödliches Spiel, indem es schnell um viel mehr geht als nur um eine Online-Affäre. Ich konnte bis zum Ende mitfiebern, war oft überrascht von den Wendungen und muss vor allem das sensationelle Ende hervorheben, mit dem ich so nie gerechnet hätte. Es ist kein Geheimnis, dass ich die Titel aus dem Hause Diogenes sehr schätze und auch hier war ich wieder begeistert.

Fazit

Ein ausgeklügelter und rasanter Thriller mit guten Charakteren, der bis zur letzten Seite unterhält.

Jason Starr

Jason Starr, geboren 1966 in New York City, USA, ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Zunächst schrieb er Kurzgeschichten und anschließend Drehbücher und Theaterstücke, die inzwischen sehr erfolgreich sind. Starr lebt in New York.


Seitensprung

Jason Starr
aus dem Amerikanischen von Thomas Stegers
im Original erschienen unter dem Titel »Fugitive Red«
Diogenes | 2020 | 400 Seiten
Taschenbuch | ISBN: 978 3 257 30050 5  | 16.00€
Zum Buch


Mein herzlicher Dank geht an den Diogenes-Verlag für die Zustellung des Rezensionsexemplars.