Ihr Lieben, ich freue mich so sehr auf das Wochenende, einfach weil das heißt, dass ich mal nichts machen muss. Manchmal brauche ich genau das. Nichts planen außer lesen und spontan entscheiden, worauf ich Lust habe. »Wenn niemand nach dir sucht« von Laura Lippman war mein letzter gelesener Roman, über den ich in diesem Beitrag schreiben möchte. Eine schwarze Frau wird monatelang vermisst, aber niemand scheint sich daran zu stören, bis eine junge Redaktionsassistentin sich dem Fall annimmt.

Inhalt zusammengefasst

Es ist das Jahr 1966. Cleo Sherwood aus Baltimore wird seit acht Monaten vermisst. Außer ihrer Eltern und ihrer beiden Söhne interessiert sich jedoch niemand für ihr Verschwinden. Madeline Schwartz, die bei einer ortsansässigen Zeitung tätig ist und endlich ihren Namen in einer Verfasserzeile lesen möchte, wittert eine große Story und versucht herauszufinden, was wirklich mit Cleo Sherwood passierte.

Wie war »Wenn niemand nach dir sucht«?

Vorherrschende Themen in diesem thrillerlastigen Roman sind der Alltagsrassismus in den Vereinigten Staaten der 1960er Jahre und die Emanzipationsbemühungen vieler Frauen. Als eine junge dunkelhäutige Frau im US-Bundesstaat Maryland spurlos verschwindet, ist das für Öffentlichkeit und Presse keine weiteren Bemühungen wert, den Fall aufzuklären. Madeline Schwartz, Mutter eines jugendlichen Sohnes und frisch von ihrem Ehemann getrennt, sucht eine neue Herausforderung in ihrem Leben. Sie möchte unabhängig sein und die Möglichkeit nutzen, sich sowohl privat als auch beruflich neu zu erfinden. So nimmt sie sich dem ungelösten Fall an und begibt sich damit häufig in große Schwierigkeiten.»

Wenn jemand einem wehtut, schuldet er einem dann mehr, als er getan hat?

Seite 146

Schon nach den ersten Kapiteln war ich von der Handlung und insbesondere seiner Figuren gefesselt. Sehr gut umgesetzt sind die Perspektivwechsel. Lippman schreibt den Hauptteil der Handlung in der dritten Person, während jedes zweite Kapitel aus der Sicht eines Charakters erzählt wird, der zuvor thematisiert wurde. So lernt die Leserschaft auch Nebenrollen kennen, die nicht immer von großer Relevanz für den weiteren Handlungsverlauf sind, aber einen außergewöhnlichen Erzählstil aufzeigen, der mich komplett mitnehmen konnte. Ich bin keine große Verfechterin von Kriminalromanen, fühlte mich hier mit dem Gesamtpaket aber durchweg wohl. Laura Lippman schafft eine interessante Story, die durch ihre Art zu schreiben und die sehr gut ausgearbeiteten Figuren wirkt.

Ich mochte auch das Setting sehr gerne, weil es in den 1960er Jahren spielt und sich mit den wichtigen Themen Rassismus und Rollenbild von Mann und Frau beschäftigt, die damals übermächtig waren. Die Autorin rückt diese zentralen Themen der Gesellschaft in den Mittelpunkt, um die herum sich ein wahrer Thriller entfaltet, der starke weibliche Persönlichkeiten schafft und den Finger in die Wunde legt. Mordermittlungen die geprägt sind von rassistischem und sexistischem Gedankengut werden ebenso deutlich gemacht wie ganz allgemein die mangelnde Gleichberechtigung der Geschlechter als auch von schwarz und weiß. Ein Buch, das mich konstant einfangen konnte.

Zitat aus dem Buch

»Wie sich herausstellte, waren die Wasser zwar tief, aber es gab dennoch keine Strömung, die einen irgendwohin tragen könnte. Das Wasser schließt sich am Ende nur irgendwann über deinem Kopf.« Seite 226

Fazit

Von Anfang bis Ende ein sehr gelungener Roman mit Thriller-Charakter, der spannungsgeladen ist und besonders durch seine interessanten Charaktere überzeugt.

Laura Lippman

Laura Lippman, geboren 1959 in Atlanta, Georgia, USA, ist eine US-amerikanische Journalistin und Autorin. Sie studierte Journalistik an der Northwestern University. Seit dem Jahr 1989 schreibt sie für die Baltimore Sun. Lippman ist verheiratet.


Wenn niemand nach dir sucht

Laura Lippman
aus dem Amerikanischen von Kathrin Bielfeldt
im Original erschienen unter dem Titel »Lady In The Lake«
Kampa | 2021 | 384 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 311 12026 1  | 16.99€
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Mein Dank geht an den Kampa-Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars.