Hallo zusammen, ich „darf“ meinen heutigen Geburtstag in häuslicher Quarantäne verbringen, was ich mir wahrlich anders vorstellte. Mit Blick auf das Weltgeschehen aber ist das natürlich Jammern auf ganz hohem Niveau. Im Jahr 2020 habe ich den Thriller »Too Late« von Colleen Hoover gelesen, der gleichsam mein erstes Buch der beliebten Bestsellerautorin war. Es folgte nun kürzlich der Roman »Finding Perfect«, erschienen im Herbst 2021 bei dtv. Wie viele ihrer Bücher lässt sich auch dieses dem Jugendbuch-Genre zuordnen. Ein junges Paar, eine ungewollte Schwangerschaft und eine Adoption, die tiefe Schuldgefühle in der Mutter auslösen sind Thema des Buches.

Inhalt zusammengefasst

Daniel und Six, beide neunzehn Jahre alt, sind ein Paar und eng miteinander verbunden. Seit einiger Zeit befindet sich ihre Beziehung in einer Krise, denn nachdem Six das gemeinsame Baby zur Adoption freigegeben hat, wird sie von ihren Schuldgefühlen aufgefressen. Daniel kann das Leid seiner Freundin kaum ertragen und begibt sich auf die Suche nach den Adoptiveltern des Kindes.

Wie war »Finding Perfect«?

Es handelt sich bei diesem Roman um eine Kurzgeschichte auf nur knapp über 100 Seiten. Ich habe im Gegensatz zu wohl vielen anderen, vor allem eingefleischten Colleen-Hoover-Fans, die Vorgängerromane »Finding Cinderella« und »Was perfekt war« nicht gelesen. Dies könnte, das sei an der Stelle erwähnt, aber durchaus hilfreich für diejenigen sein, die sich mit den Geschichten der Autorin befassen. In diesem Beitrag soll es nun um den Kurzroman »Finding Perfect« gehen. Mit diesem Buch bewege ich mich nicht in meinem gewohnt bevorzugten Genre, habe es aber aufgrund seiner Kürze und dem kurzfristigen Wunsch nach weniger anspruchsvollem Lesestoff für zwischendurch gewählt.

Was ich positiv anbringen möchte ist die Emotionalität, die Colleen Hoover ihren Leser:innen durch ihre Figuren äußerst präzise näher bringt. Es gelingt schnell in die Handlung einzutauchen und sich mitten im Geschehen zu wissen. Folgend muss ich leider schon auf meine Kritikpunkte eingehen, denn die überwiegen in dieser Rezension deutlich. Auch vor dem Lesen war mir bewusst, dass es sich um eine kitschige New-Adult-Story handeln könnte, was sich aus meiner Sicht auch schnell bewahrheitete. Und auch nur nach diesen Kriterien kann ich den Roman im Grunde beurteilen. Dennoch muss ich meine Gedanken loswerden. Mir wurden die Protagonisten weder sympathisch, noch konnte ich ihr Verhalten auch nur im Ansatz nachvollziehen. Da ist zum einen Six, eine junge Frau, die völlig ohne das Wissen darüber, um wen es sich handelt, in einer dunklen Besenkammer Geschlechtsverkehr mit einem Fremden hat, der sich später als Daniel herausstellt, in den sie sich dann verliebt und mit dem sie eine Beziehung eingeht. Bereits dieser Umstand zeugt von größter Naivität und Abgebrühtheit und will nicht zu dem schüchternen, einfühlsamen Mädchen passen, als welches es Colleen Hoover ihren Leser:innen verkaufen möchte.

Als Six erfährt, dass sie schwanger ist, befindet sie sich gerade bei einer Gastfamilie in Italien und entscheidet kurzerhand mit Unterstützung einer amerikanischen Lehrerin und ohne das Wissen ihrer Familie und Freunde zuhause, dass sie das Kind anonym zur Adoption freigeben möchte. Das ist, wie sich wohl jede Frau vorstellen kann, ein äußerst großer Schritt mit ebenso großer emotionaler Herausforderung, den Six scheinbar in kurzer Zeit und ohne anschließend bei ihren Liebsten Verdacht zu schöpfen, vornimmt. Bald darauf stellen sich jedoch Schuldgefühle ein, die besonders ihrem Freund Daniel zu schaffen machen, der auch Vater des Kindes ist, dem es aber ausschließlich um das Leid seiner Freundin zu gehen scheint und kaum darum, dass sie ohne seine Zustimmung das gemeinsame Baby weggeben hat. Die ganze Geschichte wirkt also sehr konstruiert und absurd, sodass sie mich eher verärgerte, als das sie Emotionen in mir auslösen konnte.

Die Frage, warum eine junge Frau aus gut situierten Verhältnissen, in einem gefestigtem sozialen Umfeld so verzweifelt ist, dass sie ihr Kind in einer Hauruck-Aktion in Europa zur Inkognito-Adoption freigibt, stellt sich berechtigterweise und ergibt für mich keinerlei Sinn. Die Verzweiflung erklärt sich mir in dem Ausmaß nicht, denn viele Schwangerschaften sind ungewollt oder treten für Betroffene zu einem ungünstigen Zeitpunkt auf. Hier gibt es weder religiöse oder familiäre Zwänge noch finanzielle oder andere schwerwiegende Notstände aus denen heraus eine junge Frau sich zu einem solch folgenreichen Schritt gezwungen sehen sollte. Auch die nachfolgende Suche und der Kontakt zu den Adoptiveltern und das Kennenlernen ihres Sohnes konnten mich nicht bewegen und ließen die Handlung immer weiter ins Absurde abdriften.

Die Charaktere haben mich durchweg genervt, besonders Daniel, der mich mit seinen flachen Sprüchen und beleidigenden Kosenamen für seine Kumpels langweilte. Für ihn scheint grundsätzlich im Vordergrund zu stehen, dass sich Six nicht von ihm trennt, ungeachtet seiner eigenen Befindlichkeiten und denen seines Sohnes. Er lebt vor allem für das Glück seiner Freundin, woraus ich emotionale Abhängigkeit lese und weniger eine gefestigte Beziehung, die auf Ernsthaftigkeit und Liebe beruht. Eine wohl eher typische Geschichte, wie sie in diesem Genre nicht selten vorkommt, Hier stimmte für mich aber wirklich gar nichts. Weder Figuren, noch Handlung und Logik konnten überzeugen.

Zitate aus dem Buch

»Aber ich werde sie garantiert nicht anrufen, weil ich ihr keine Gelegenheit geben will, mich über die Feiertage aus ihrem Leben zu schmeißen. Oder überhaupt jemals. Wenn ich mich nie wieder bei ihr melde, hat sie keine Chance, Schluss zu machen, und ich kann mich der Illusion hingeben, dass zwischen uns alles in bester Ordnung ist.« Seite 10

Fazit

Ganz flache und zu stark konstruiert wirkende Geschichte über ein junges Paar, das ihren zur Adoption freigegeben Sohn ausfindig machen möchte. Die Charaktere sind völlig inkonsequent dargestellt und die Handlung verliert sich in Absurditäten.

Colleen Hoover

Colleen Hoover, geboren 1979 in Sulphur Springs, Texas, USA, ist eine US-amerikanische Schriftstellerin. Hoover bedient vorwiegend die Genres New Adult und Young Adult. Sie studierte in Texas an der A&M University Commerce und hat einen Abschluss in Social Work. Ihren ersten Roman Weil ich Layken liebe schrieb sie 2011. Inzwischen gehört Colleen Hoover zu den New-York-Times-Beststeller-Autoren. Hoover ist verheiratet und hat drei Söhne.


Finding Perfect

aus dem Amerikanischen von Katarina Ganslandt
dtv | 2021 | 112 Seiten
Taschenbuch | ISBN: 978 3 423 71899 8 | 9.95€
Zum Buch


Mein zweiter Roman von Colleen Hoover und einer, der mich sehr enttäuscht hat. Welche Bücher von der Autorin könnt ihr empfehlen?