Literaturbesprechung:
»Der vergessliche Riese« von David Wagner

Guten Morgen ihr Buchliebenden, ich möchte euch David Wagners »Der vergessliche Riese« aus dem Rowohlt-Verlag vorstellen, das im Hochsommer 2019 veröffentlicht und mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Für das Buch habe ich tatsächlich den ganzen März gebraucht, da ich mich einfach schwer konzentrieren und auf die emotionale Geschichte schwer einlassen konnte. Hintergrund war der Beginn der Corona-Pandemie und ich denke, vielen ging es da ähnlich wie mir. Nun mit ein bisschen Abstand betrachtet und nach dem Auslesen des Buches, kommt hier meine Rezension.

Inhalt zusammengefasst

Ein Vater, 73 Jahre alt, demenzkrank und zweifach verwitwet braucht eine enge Betreuung, denn er vergisst immer häufiger, was eben noch gewesen ist. In seinem Haus im nordrhein-westfälischen Meckenheim lebt er ganz allein. Sein Sohn besucht ihn nach langer Zeit wieder und muss feststellen, dass der Zustand des Vaters sich verschlechtert hat. Fortan besuchen er und seine Schwester Miriam ihn immer wieder, um ihn zu unterstützen und die Erinnerungslücken zu schließen. Gemeinsam begegnen sich Vater und Sohn auf einer ganz neuen Ebene, die viel Nähe schafft.

Wie war »Der vergessliche Riese«?

Für diese Geschichte muss man in der Verfassung sein, denn sie birgt neben großem Humor und Lebensfreude auch eine unterschwellige Tragik, die aber nie die Führung einnimmt. Ein alter Mann scheint wieder Kind geworden, vergisst sofort, was eben noch geschehen ist. Seine umfangreiche Lebensgeschichte, die er wiederholt erzählt, schmückt er mit Phantasie aus, sodass nicht immer klar ist, was wahr ist und was nicht. Leise schreitet die Demenz des Vaters voran und obwohl dieser sich seiner Krankheit bewusst ist, verliert er sich nicht in Traurigkeit. Die wiederholt gestellten Nachfragen an seinen Sohn wirken weniger störend, als viel mehr charmant und erinnern an das klassische Warum? eines Kindes.

Ich mochte die Figuren, die größtenteils eher blass bleiben, doch sehr. Im Mittelpunkt steht die zunehmende Demenz des Vaters und somit ist der Umgang mit dieser vorrangig. Die Liebe eines Sohnes zu seinem Vater berührte mich ebenso wie der Zusammenhalt der ganzen Familie, der immer wieder durchdringt. Der Schreibstil von Wagner harmoniert ganz und gar mit der sensiblen Thematik und kommt auch meist ohne Schwermut aus. Häufig musste ich lachen und finde die Rolle des Vaters auch sehr liebenswert.

Zitat aus dem Buch

»…und ich nehme seine Hand, die sich nun wie eine Kinderhand anfühlt, dabei war es mal die größte Hand der Welt.« Seite 208

Fazit

Die tiefe Verbindung zwischen Vater und Sohn macht »Der vergessliche Riese« zu einer meisterhaften Erzählung über das Vergessen.

David Wagner

David Wagner, 1971 in Andernach geboren, ist ein deutscher Schriftsteller. Er schreibt vor allem Romane, Erzählungen, Gedichte und Feuilletons. Wagner studierte Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte in Bonn, Paris und Berlin. Sein 2000 veröffentlichtes Debüt Meine nachtblaue Hose, machten den Schriftsteller bekannt. Zwischen 1999 und 2001 schrieb er für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Für sein Werk Leben erhielt er 2013 den Preis der Leipziger Buchmesse. Wagner lebt in Berlin.


Der vergessliche Riese von David Wagner
Rowohlt | 2019 | 268 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 498 07385 5 | 22€


An dieser Stelle danke ich dem Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar. 

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