Ich habe vor längerer Zeit schon die Bücher aus dem GU-Verlag für mich entdeckt und nun endlich wieder einen Psychologie-Ratgeber gelesen, der hauptsächlich Selbstliebe zum Thema hat. Die Österreicherin Melanie Pignitter, bekannt durch ihren Blog Honigperlen und inzwischen Autorin mehrerer Bücher, befasst sich in ihrem neuesten Werk mit unserem mentalen Immunsystem. Der Titel erschien im März diesen Jahres bei GU.

Inhalt zusammengefasst

„Ich bin schlecht“, „ich kann das nicht und „ich habe es nicht besser verdient“ – solche und ähnliche Sätze und Negativgedanken kennen wir phasenweise fast alle. Wenn sie aber überhand nehmen und unser Leben beeinträchtigen, sodass wir überzeugt davon sind, nicht gut genug zu sein, dann wird es dringend Zeit, aktiv an unserem Selbstwert zu arbeiten. Melanie Pignitter berichtet von eigenen Erfahrungen, gibt praktische Tipps und hilft den Leser:innen beim Entdecken eigener Stärken und dem Finden von positiven Glaubenssätzen.

Wie war »Es ist ein Geschenk, dass es Dich gibt: Spüre wieder, wie wertvoll Du bist«?

Zunächst einmal war es das wunderschöne Cover, das mich in seinen Bann und zudem der Titel des Buches, der meine Aufmerksamkeit sofort auf sich zog. Inzwischen gibt es eine große Anzahl an psychologischen Ratgebern, insbesondere im Bereich Selbsthilfe- und liebe. Obwohl es ein so wichtiges Thema ist, fühle ich mich nicht immer auch von diesen Büchern angesprochen. Hin und wieder fehlt mir die Authentizität, sodass ich es vorziehe Ratgeber zu lesen, in denen Betroffene von ihren persönlichen Erfahrungen berichten. In diesem Fall fühlte ich mich gut aufgehoben, auch wenn die Autorin nur am Rande ihre eigenen Selbstzweifeln aus der Vergangenheit schildert. Melanie Pignitter schreibt einfühlsam und mit großer Wertschätzung und das kommt bei den Leser:innen an.

Ich gehöre definitiv zu den Menschen, die sich ständig selbst reflektieren, auf Fehlersuche gehen, die harmoniebedürftig sind und ungern anecken, es aber doch immer wieder tun. Und obwohl ich durchaus selbstbewusst, frech und direkt auftreten kann, sind es doch auch immer wieder nagende Selbstzweifel, die mich schlussendlich im Stillen heimsuchen. Dann entsteht ein innerer Kampf und die Gedankenspirale dreht sich: „Was hätte ich anders machen können?“, „warum bin ich so empfindlich?“ und „was ist nur falsch an mir?“. Und auch, wenn es mir manchmal gelingt festzustellen, dass ich so genau richtig bin und die Verantwortung nicht immer (nur) bei mir liegt, ist der Blick in den Spiegel nicht immer leicht. Durch Gespräche mit Freund:innen und Kolleg:innen weiß ich, dass es sehr vielen Menschen ähnlich ergeht und oft auch gerade denen, die sonst immer so selbstsicher wirken.

Wenn du die Liebe deines Lebens suchst, schau in den Spiegel!

Melanie Pignitter

Das Buch ist in Kapitel gegliedert, die mit ansprechenden Fotografien und Bildern geschmückt sind. Inhaltlich geht es um die Entstehung von negativen Glaubenssätzen, die besonders in der Kindheit verankert sind, wie wir diese in positive umwandeln können und auch darum zu erkennen, wann wir unseres Selbstwertes beraubt werden. Die Tipps sollen helfen Krisen besser zu überwinden, mehr Lebensqualität zu erzielen und sich letztendlich selbst zu lieben. Leichter gesagt als getan, aber das weiß auch die Autorin. Dazu gehört natürlich mehr, dennoch kann dieser Ratgeber ein Anfang sein. Die Selbstwert-Abenteuer, wie sie hier genannt werden, sind praktische Übungen die dabei helfen können, kleine Mutmacher in den Alltag zu integrieren. Besonders die sehr positiv formulierten Botschaften gefielen mir.

Zitate aus dem Buch

»Ich lass dir diesen kleinen Erinnerungszettel da, denn ich weiß, dass du diese Wahrheit leicht wieder aus den Augen verlierst, weil sich so viel Unwahres in dein kleines Herz eingebrannt hat.« Seite 41

»Je mehr du versuchst, ihm gerecht zu werden, desto mehr spürt er seine Überlegenheit und nutzt sie aus. Er fühlt sich dadurch in deiner Gegenwart größer.« Seite 45

»Und so lernen wir bereits sehr früh, was wir tun müssen, was nicht und wie wir sein müssen, um die größtmögliche Dosis an Liebe in Form von Anerkennung, Aufmerksamkeit und Lob von unseren Eltern und später anderen wichtigen Liebesspendern zu bekommen. Damit werden unsere Überlebensstrategien, die viele von uns ein Leben lang unbewusst anwenden, geboren.« Seite 100

»Ich bin lieber sympathisch und echt, als perfekt und bewundernswert.« Seite 127

»Der Grund dafür können sogenannte Selbstwert-Diebe sein. Wie ihr Name schon sagt, sind sie ähnlich wie du auf der Suche nach einer Bestätigung dafür, dass sie wertvoll sind. Leider wählen sie dafür einen eher ungünstigen Weg. Denn nur indem sie andere klein machen und ihnen dadurch ihr Selbstwertgefühl rauben, fühlen sie sich kurzfristig groß und wichtig.« Seite 148

»Wenn ein Kind zu wenig positive Aufmerksamkeit erhält, kann das dazu führen, dass es Dinge tut, mit denen es negativ auffällt. Es wird wütend, schlägt auf andere ein, macht Dinge kaputt oder tut alles, um bloß nicht den Erwartungen der Eltern zu entsprechen. In vielen Fällen ist das nur ein Schrei nach Liebe. Negative Aufmerksamkeit ist nämlich besser als gar keine.« Seite 151

»Gefühle sind niemals falsch und sie beziehen sich immer auf dich selbst.« Seite 157

»Was andere in uns sehen, ist sehr oft das, was sie selbst sich nicht erlauben oder was sie an sich selbst ablehnen.« Seite 164

Fazit

Meine Rezension schließe ich mit dem wichtigsten Zitat des Buches von Melanie Pignitter ab: Wenn du die Liebe deines Lebens suchst, schau in den Spiegel! In diesem Sinne: lest das Buch!

Melanie Pignitter

Melanie Pignitter ist eine österreichische Mentaltrainerin und Selbsthilfe-Mentorin. Durch eine chronische Schmerzkrankheit, die sie im Jahr 2015 erfasste, fand sie durch eigene Kraft und unter Zuhilfenahme von mentalem Training zurück zu neuer Lebensqualität. Größere Bekanntheit erlangte sie durch ihren Blog Honigperlen. Melanie Pignitter lebt in Wien.


Es ist ein Geschenk, dass es Dich gibt

von Melanie Pignitter
GU | 2022 | 192 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 833 88233 3 | 17.99€


Ich danke dem GU-Verlag für das Rezensionsexemplar.