Herzensbücher #7:
»Idaho« von Emily Ruskovich

Es sind Bücher, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben, deren Geschichten einprägsam und bedeutend sind und die einen Mehrwert bieten. Auch werden solche Bücher gern ein zweites oder drittes Mal gelesen, haben einen besonderen Platz im Regal und im Herzen. Es sind Bücher, die man immer weiterempfehlen würde. Die wunderbare Aktion #Herzensbücher von Janika ermöglicht es, persönliche literarische Schätze mit anderen zu teilen.

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Auch wenn hier gerade wenig passiert, wegen akutem Umzugsstress, möchte ich im Juli zumindest der Herzensbuch-Rubrik gerecht werden. Entschieden habe ich mich für den Roman »Idaho«, der auch als Thriller verstanden werden kann. Mich hat der unscheinbare Titel angesprochen, mit dem ich zunächst lediglich gebirgige Landschaften und Wildnis verbinde. Zudem finde ich das Cover sehr ansprechend gestaltet. Ruskovich nutzt die Spätsommer-Idylle im nordwestlich gelegenen US-Bundesstaat Idaho als Setting einer Familientragödie.

Das Ehepaar Wade und Jenny sind mit ihren beiden Töchtern während eines warmen Sommertages im Wald Holzhacken um für den Winter mit Brennholz gerüstet zu sein. Innerhalb weniger Augenblicke ereignet sich ein dramatisches Verbrechen, in welchem Jenny eine ihrer Töchter mit einem Beil angreift und tödlich verletzt. Während dieser Szene war in mir nur Fassungslosigkeit über eine so unbegreifliche Tat spürbar. Ich glaubte kaum gelesen zu haben, was geschehen war und hatte Mühe, dies zu begreifen.

Im weiteren Verlauf der Geschichte geht es nicht primär um die Aufklärung der Straftat oder die psychischen Folgen für die Angehörigen. Vielmehr legt Ruskovich den Fokus auf die Zwischentöne. Sie springt in ihrer Erzählung zwischen den Zeiten und gibt den Kapiteln die Namen der jeweiligen Jahre, in der diese inhaltlich stattfinden. Im Mittelpunkt steht zwar die Familientragödie, jedoch wird auf Aufarbeitung und die Beantwortung drängender Fragen verzichtet. Ich denke, auch deshalb könnte »Idaho« bei seinen Lesern polarisieren. Grundsätzlich mag ich es nicht, wenn ich am Ende eines Buches unzählige offene Fragen im Kopf habe, die der Autor zu beantworten vermag. In diesem Fall störte ich mich nicht daran.

Wade, Vater und Ehemann lebt inzwischen in zweiter Ehe mit Ann zusammen und verliert mehr und mehr die Fähigkeit zu erinnern. So verblasst auch dieser dunkelste Tag seines Lebens mehr und mehr. Die Gedanken von seiner neuen Partnerin Ann sind es, die dem Leser zuteil werden. Sie stellt sich Fragen zum Ereignis und sucht Hinweise auf die Tat. Mir gefiel besonders das idyllische und rustikale Setting und der tiefgründige Schreibstil.

Zitat aus dem Buch

»Was ist das für ein Geruch? Der eines brennenden Mäusenests. Der letzte Geruch im Haar seiner Tochter.« Seite 10

Fazit

Die Suche nach dem Unbegreiflichen steht im Mittelpunkt des Romans und lässt am Ende viele Fragen offen. Womöglich aber macht genau das den Reiz des Buches aus. Und deshalb möchte ich mein Fazit mit einer Frage abschließen: Geschehen im Leben nicht immer wieder Tragödien, die es einem Menschen unmöglich machen, sie zu verstehen?

Emily Ruskovich

Emily Ruskovich, geboren in Idaho, USA, ist eine amerikanische Schriftstellerin. 2015 gewann sie den O. Henry Award. Seit 2017 lehrt sie an der Boise State University.

Weitere Herzensbücher

Janika von Zeilenwanderer, Daniela von ReadEatLive, Ida von Idas Bookshelf, Alisa von Artmonalisa


Idaho von Emily Ruskovich
Aus dem Englischen von Stefanie Jacobs
Hanser Berlin | 2018 | 384 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 446 25853 2 | 24€


Ich bin wie immer gespannt auf eure Herzensbücher und freue mich auf eine Verlinkung!

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