Liebe Bücherwürmer, auch dieses Wochenende vergeht wie im Flug. Leider hat es gestern nur geregnet (obwohl ich das normalerweise ja liebe), sodass ich meinen mittlerweile sehr grünen und sichtgeschützten Balkon noch gar nicht genießen konnte. Über die Osterfeiertage und im Zug nach Berlin und zurück habe ich »Mrs. Agatha Christie« von Marie Benedict gelesen und möchte euch heute vom Buch, und wie es mir gefallen hat, berichten. Es wurde im März diesen Jahres bei Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht und thematisiert die elf Tage des mysteriösen Verschwindens der bekannten Kriminalautorin Agatha Christie im Jahr 1926.

Inhalt zusammengefasst

Es ist Dezember im Jahr 1926. Agatha Christie, bekannt für ihre Kriminalromane, wird seit inzwischen elf Tagen vermisst. Das einzige was die Ermittler finden, ist ihr verlassenes Auto direkt am Wasser. Im Innenraum – auffällig – befindet sich lediglich ihr Pelzmantel. Und das in einer eisigen Nacht. Ehemann und Tochter wissen nichts von ihrem Aufenthaltsort und so löst das Verschwinden von Agatha Christie in England eine Großfahndung nach der prominenten Autorin aus. Das Wiederauftauchen nach elf Tagen ist ebenso mysteriös wie ihr Verschwinden zuvor. Für ihre Abwesenheit gibt es keine genaue Erklärung und das bis heute nicht. Marie Benedict hat ein fiktionales Ende geschrieben, die das Geschehene von damals weiter erzählt. Eine zunächst glückliche Ehe, die in Einsamkeit mündet, Erfolge als Schriftstellerin und Verrat. Möglicherweise ist Agatha Christies eigenes Leben auch ihr spannendster Kriminalfall.

Wie war »Mrs. Agatha Christie«?

Vor wenigen Jahren habe ich von der Autorin Marie Benedict den Roman »Frau Einstein« gelesen, in dem sie das Leben von Albert Einsteins erster Ehefrau Mileva Maric erzählt. Dabei steht diese unbekannte Frau zum ersten Mal im Mittelpunkt rund um die Erfindung der weltbekannten Relativitätstheorie. Benedict beschäftigt sich in ihren Büchern also mit interessanten weiblichen Persönlichkeiten, die unabhängig von ihrer Popularität Großes erreichten. In diesem Fall ist der Dreh- und Angelpunkt die britische Kriminalautorin Agatha Christie (1890 – 1976). Für mich sehr interessant, denn obwohl ich Bücher liebe, kenne ich von ihr kein einziges genauer und habe mich auch nie intensiver mit dem Leben von Agatha Christie befasst.

Mir gefällt der Schreibstil von Marie Benedict sehr gut. Er ist nicht außergewöhnlich, lässt sich aber angenehm und flüssig lesen. Die Kapitel wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Das Buch beginnt mit dem Kennenlernen ihres späteren Ehemannes Oberst Archibald Christie (1889 – 1962), einem Flieger der königlichen Luftwaffe. Im weiteren Verlauf wird die unglückliche Ehe beider geschildert, die Agatha zu retten versucht, ihre ersten Erfolge als Schriftstellerin und ihre Beziehungen zu Tochter, Mutter und Schwester. Mich konnte Marie Benedict von Beginn an sehr gut unterhalten, sodass ich mich schwer tat, das Buch aus der Hand zu legen. Besonders angenehm empfand ich die Kürze der Kapitel, die es beim Lesen erleichtern, ohne Mühe wieder in die jeweils andere Zeit einzutauchen.

Schon allein der Umstand, dass bis heute nicht klar ist, was in den elf Tagen des Verschwindens von Agatha Christie geschah, macht den Fall brisant und spannend. Sie gab damals an, an Amnesie gelitten zu haben. Die Angepasstheit Agatha Christies und das Bestreben eine gute Ehefrau zu sein, ist exemplarisch für die frühere Zeit und wird im Buch sehr eindrücklich beschrieben. Mir hat das konstruierte Ende von Marie Benedict sehr zugesagt. Wenn es sich so zugetragen haben sollte, dann würde mir das durchaus gefallen. An dieser Stelle gehe ich nicht weiter auf den Schluss ein, denn ich möchte nichts vorwegnehmen. Für mich war auch das zweite Buch der Autorin eines mit großem Wohlfühlcharakter, was auch dem Setting und geschuldet ist. Das Buch punktet mit authentischen Figuren und einer emotionalen Geschichte, die mich bis zuletzt sehr fesseln konnte. »Lady Churchill«, auch von Marie Benedict, wird in jedem Fall auch in meinem Bücherregal Einzug halten.

Zitate aus dem Buch

»Die Pflicht einer Ehefrau besteht darin, an der Seite ihres Mannes zu sein, denn ihr Mann muss stets an erster Stelle stehen, noch vor den Kindern. Wenn eine Frau ihren Mann zu lange allein lässt, wird sie ihn verlieren.« Seite 161

»Ich rief mir in Erinnerung, dass eine gute Ehefrau ihren Mann ungeachtet ihrer eigenen Bedürfnisse verwöhnte, und ich wollte unbedingt eine gute Ehefrau sein.« Seite 217

»War das wirklich Archie, der da so grausam mit mir redete? Ich hatte mich an seine Kälte gewöhnt, aber normalerweise verletzte er mich durch eisiges Schweigen, nicht mit Worten. Er bediente sich einer neuen Waffe, und sie war absolut tödlich.« Seite 254

Fazit

Sehr unterhaltsame Geschichte einer spannenden Persönlichkeit, die sich dem klassischen Rollenklischee der Zwanzigerjahre hingibt und sich doch auch nach einem selbstbestimmten Leben sehnt. Marie Benedict beschreibt das Leben von Agatha Christie glaubwürdig und ungeschönt und es gelingt ihr, auf die Frage nach dem rätselhaften Verschwinden der erfolgreichen Krimiautorin, eine gut konstruierte Antwort zu finden, die das Ende des Buches abrundet.

Marie Benedict

Marie Benedict, geboren 1973 in Pittsburgh, Pennsylvania, USA, ist eine US-amerikanische Schriftstellerin. Sie veröffentlichte auch unter dem Pseudonym Heather Terrell. Sie studierte Geschichte und Kunstgeschichte in Boston, Massachusetts, USA. Anschließend folgte ein Rechtswissenschaftsstudium an der Boston University School of Law. Sie arbeite dann lange Jahre in einer Anwaltskanzlei in New York City, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Marie Benedict ist verheiratet und hat zwei Söhne.


Mrs. Agatha Christie

von Marie Benedict
aus dem Englischen von Marieke Heimburger
Kiepenheuer & Witsch | 2022 | 320 Seiten
Paperback | ISBN: 978 3 462 00295 9 | 16.00€
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Mich konnte dieser fiktionale Roman rund um das Verschwinden der Agatha Christie sehr gut unterhalten. Wie erging es euch?