Literaturbesprechung:
»Das grosse Experiment« von Jeffrey Eugenides

Hey hey. Der April ist noch jung und dennoch habe ich bisher mehr Seiten gelesen als im März. Da ich innerhalb der letzten vier Wochen lediglich zwei Bücher – darunter eine Graphic Novel las – war das zwar nicht schwer, wenn ich aber bedenke, dass wir noch nicht mal in der Mitte des Monats angekommen sind, kann sich das doch sehen lassen. Meine kürzlich beendete Lektüre ist »Das grosse Experiment« von Jeffrey Eugenides, dem Weltbestsellterautor von »Middlesex«. Seine Erzählungen im Sammelband erschienen Ende 2018 im Rowohlt-Verlag.

Inhalt zusammengefasst

Menschen, die in Schwierigkeiten stecken, die in ihr Unglück rennen, mit aller Macht versuchen, ihr Schicksal abzuwenden. Keine der Geschichten ist wie die andere, jeder Charakter einzigartig. Eine Single-Frau Anfang vierzig mit unerfülltem Kinderwunsch bedient sich unkonventioneller Methoden, ein Familienvater gründet eine Scheinfirma um an Geld zu kommen, ein folgenschwerer Geschlechtsakt führt direkt in eine Katastrophe und ein berühmter Sexologe möchte  im Dschungel von Guatemala die Thesen einer Kollegin über das soziale und biologische Geschlecht widerlegen.

Wie war »Das grosse Experiment«?

Auch wenn mir der Schriftsteller ein Begriff ist, kenne ich kein einziges seiner Werke. Bis jetzt. Ich mag Kurzgeschichten und Erzählungen sehr gerne, weil sie Abwechslung und Vielfalt versprechen. Die Titel der einzelnen Geschichten sind hier doch sehr ungewöhnlich, inhaltlich aber durchaus reizvoll. Die Sprache von Eugenides hat etwas kunstvolles an sich, etwas fesselndes, sodass auch eine eher mäßige Erzählung dadurch an Reiz gewinnt. Nicht mit allen Texten konnte ich mich anfreunden, mochte aber die verschiedenen Lebenswege der handelnden Figuren und ihre ganz persönlichen Geschichten. Alle Protagonisten haben ihre Not gemeinsam, auch wenn die in jeder Erzählung ganz individuell ist.

Es sind meist ganz alltägliche Szenen, in denen der Schriftsteller es vermag, diese auf eine eigene Weise mit Intensität und Kraft zu füllen. Glückliche Momente sind seinen Figuren in den Geschichten nie von langer Dauer vergönnt und das macht die Tragik für den Leser aus. Eugenides gelingt es, trotz Schwierigkeiten und aussichtslosen Situationen, auch heitere und witzige Augenblicke festzuhalten, die keine allzu lang anhaltende Schwermut aufkommen lassen. Einen großen Raum widmet Eugenides hier Paarbeziehungen, auch wenn nicht alle Erzählungen von diesen handeln.

Zitat aus dem Buch

»Als Paar muss man erkennen, dass es keinen Bösewicht gibt. Wenn man verheiratet ist, kann man einen Streit nicht gewinnen. Denn wenn man gewinnt, verliert der andere, und das führt zu Feindseligkeit, und damit hat man dann praktisch selbst verloren.« Seite 162

Fazit

Der mitreißende Erzählstil und die sehr menschlichen Geschichten sind hier außergewöhnlich gut gelungen. Ich kann für »Das grosse Experiment« eine Empfehlung aussprechen.

Jeffrey Eugenides

Jeffrey Kent Eugenides, geboren 1960 in Detroit, Michigan, USA, ist ein amerikanischer Schriftsteller. Sein erster Roman The Virgin Suicides wurde 1999 von Sofia Coppola verfilmt. Sein Bestseller Middlesex erhielt 2003 den Pulitzer-Preis. 2005 veröffentlichte er seinen Erzählband Air Mail und 2011 seinen dritten Roman. Zwischen 1999 bis 2004 lebte er mit seiner Familie als Gast des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Berlin. Eugenides lebt inzwischen mit seiner Familie in Princeton, New Jersey, USA.


Das grosse Experiment von Jeffrey Eugenides
aus dem Amerikanischen von Gregor Hens
im Original erschienen unter dem Titel »Fresh Complaint«
Rowohlt | 2018 | 336 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 498 01675 3 | 22€


Habt ihr Erfahrungen mit Geschichten des Autoren machen können und wie fallen die aus?

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One thought on “Literaturbesprechung:
»Das grosse Experiment« von Jeffrey Eugenides

  1. Was du kurz an Inhalt angerissen hast, klingt aber auch wirklich interessant. Nach echt tollen Geschichten!
    Mein Lesemonat war bisher nicht ganz so “erfolgreich” – ich hatte leider ein Buch, an dem ich etwas hängen geblieben bin (weil´s nicht so fesselnd war)…