Literaturblog seit 2019

Jack The Ripper: Anatomie einer Legende – Hendrik Püstow & Thomas Schachner

Hallo ihr Lieben, das folgende Buch hat mich sehr in Atem gehalten, bewegt, schockiert und vor allem mit vielen Informationen versorgt. Es handelt von einer Mordserie, die im Herbst 1888 in London geschah und die weltbekannt werden sollte. Denn bis heute ist der Mörder nur als Jack The Ripper bekannt. Und bis heute stellen sich viele die Frage, ob dieser Mann der Realität entspricht oder viel eher ein Mythos ist. Das Sachbuch »Jack The Ripper: Anatomie einer Legende« setzt sich intensiv mit dem berühmt berüchtigten Fall auseinander.

Inhalt zusammengefasst

London im Herbst 1888: im Armenviertel Whitechapel werden innerhalb kurzer Zeit mehrere Frauen ermordet. Die Umstände ihres Todes gleichen sich ebenso wie die Lebensweisen der Opfer. Der Täter sollte bis heute nie gefasst werden. Die Autoren Hendrik Püstow und Thomas Schachner haben für diesen Band eine Vielzahl an Fotografien, Briefen, Polizei- und Zeugenaussagen zusammengetragen, sodass ein sehr informatives Sachbuch zu Jack The Ripper entstand. Dabei gehen sie auf das Leben im damaligen Londoner East End ein, beleuchten den Werdegang der Opfer sowie ihre letzten Stunden vor ihrem Tod. Sie nennen die möglichen Verdächtigen und geben Einblick in die Polizeiarbeit der 1880er Jahre. Die Legende Jack The Ripper wird genauer unter die Lupe genommen und den Leser:innen wird ein Gefühl davon vermittelt, was sich vor mehr als 130 Jahren zugetragen haben könnte.

Wie war »Jack The Ripper: Anatomie einer Legende«?

Triggerwarnung: Mord, Gewalt, Prostitution

Das Buch habe ich über den YouTube-Kanal von Padi entdeckt, die den Titel im Rahmen eines Buchvideos besprochen hat. Dies weckte mein Interesse, denn dieses nie gelöste Verbrechen zieht wohl nicht wenige in den Bann, zu mysteriös sind die Umstände um einen Mann, dessen Identität bis heute ungeklärt ist. Mir ist es besonders bei realen Mordfällen ein Anliegen, mir während der Zeit, die ich mich mit den Geschehnissen beschäftige, immer wieder bewusst zu machen, dass unschuldige Menschen Opfer von schrecklichen Taten wurden und es sich hier eben nicht um fiktive Literatur handelt. Auch deshalb habe ich eine Triggerwarnung gesetzt um deutlich zu machen, dass sich nur Menschen mit dem Buch beschäftigen sollten, die sich dazu in der Lage fühlen, denn es werden hier Tatortfotos gezeigt und die Ereignisse werden im Detail beschrieben.

Es gibt, und das finde ich hier durchaus angebracht, ein Inhaltsverzeichnis, das eine Auskunft über den genauen Aufbau des Buches liefert. Nach einem Vorwort von Püstow und Schachner wird zunächst der Ort des Geschehens zu damaligen Verhältnissen beleuchtet, bevor man sich eingehend mit den Frauen beschäftigt, welche der Mordserie zum Opfer fielen. Die biografischen Angaben der Frauen beschreiben die Autoren sehr detailliert. Ihre späteren Lebensumstände weisen viele Parallelen auf, so sind sie der Prostitution nachgegangen und führten ein eher tristes Leben an einem äußerst trostlosen Ort. Die gruselige und düstere Atmosphäre ist allgegenwärtig und beim Lesen vergisst man nicht selten, dass es sich hierbei eben nicht um einen Thriller handelt. Jack The Ripper sollte es zu weltweiter Bekanntheit bringen, seine Taten werden gemeinhin auch als Faszination des Schreckens empfunden.

Die Autoren haben einen sehr nüchternen Erzählstil und das Buch hat vor allem einen informativen Charakter, was einem Sachbuch angemessen ist. Was mir gefiel, ist, dass man hier gänzlich auf reißerische Aussagen und Vermutungen verzichtet, sondern auf sachliche Weise über den potentiellen Täter nachsinnt. Interessant ist auch, dass es sich hierbei um die einzige deutschsprachige Ausgabe handelt, die sich in diesem Umfang mit Jack The Ripper und der Mordserie im Allgemeinen auseinandersetzt. So kann man eine detailreiche und unparteiische Darstellung erwarten, die es versteht, nicht zu beeinflussen. Als Basis dienen Dokumente der Polizei, Zeugenaussagen, Gerichtsverhandlungen, Tatortfotografien, Briefe des angeblichen Täters und Berichte von Medizinern. Püstow und Schachner informieren über die möglichen Tatmotive, und auch die Glaubwürdigkeit einzelner Zeugen und Tatverdächtigen werden beschrieben.

Die im Buch enthaltenen Skizzen, Übersichtskarten und Briefe machen das Sachbuch besonders reizvoll, wenn man sich intensiv mit dem Fall beschäftigen möchte. Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts gab es immer wieder neue Erkenntnisse, so aber auch solche die ins Leere liefen. Ich wollte mich näher mit den wohl für immer ungeklärten Morden beschäftigen, die London 1888 heimsuchten und habe eine Vielzahl an wichtigen Informationen erhalten. Gleichzeitig empfand ich – selbstredend – das Geschriebene als äußerst bedrückend und beklemmend, sodass knapp 300 Seiten ausreichten um mir ein aussagekräftiges Bild von dem zu machen, was damals geschah.

Fazit

Für Interessierte eine Pflichtlektüre, besonders hinsichtlich der Tatsache, dass es bisher kein Werk in dieser Fülle an Informationen im deutschsprachigen Raum gibt. Ich kann dieses Sachbuch sehr an jene empfehlen, die sich über die Whitechapel-Morde und Jack The Ripper informieren möchten.

Hendrik Püstow & Thomas Schachner

Hendrik Püstow studierte Geschichte und schrieb zahlreiche Texte zu Jack The Ripper. Er lebt in Aachen.

Thomas Schachner brachte 2002 mit einer Website zu Jack The Ripper das bis dato größte deutschsprachige Informationsportal zu den Whitechapel-Morden online. Er wird als Experte zu TV- und Medienproduktionen hinzugezogen. Schachner besitzt eine Werbeagentur und lebt in Nürnberg.


Jack The Ripper: Anatomie einer Legende

von Hendrik Püstow & Thomas Schachner
Militzke | 2017| 304 Seiten
Klappenbroschur | ISBN: 978 3 86189 861 0 | 23.00€
Zum Buch


Ein fesselndes sowie schockierendes Buch, das tiefe Einblicke rund um die Hintergründe der Whitechapel-Morde im Jahre 1888 in London gibt. 

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert