Schwester - Mareike Krügel

Guten Morgen und einen wunderbaren Sonntag wünsche ich euch an dieser Stelle. Ich muss meine Beiträge aktuell wieder vorplanen, weil ich sonst gar nicht mehr hinter her komme. Aber das freut mich, denn gerade gibt es so viele gute Bücher, die ich lesen möchte. Und die Beschäftigung mit der Literatur ist in aktuellen Zeiten besonders wichig für mich. Die Rezension die ich heute mitbringe, befindet sich schon länger in der Warteschleife, weil ich immer noch Änderungen vorgenommen habe. Der Roman »Schwester« von Mareike Krügel erschien 2021 im Piper-Verlag und stellt die Frage, welches Leben zweier Schwestern das erstrebenswertere ist.

Inhalt zusammengefasst

Iulia und Lone - zwei Schwestern, die ganz unterschiedliche Leben führen. Sie sind sich fremd geworden, Iulia fragt sich, warum sie und Lone sich nicht öfter getroffen haben. Jetzt liegt ihre Schwester im Koma. Ein schwerer Verkehrsunfall war ursächlich. Iulia sieht sich in der Pflicht, die beruflichen Aufgaben von Lone, die als Hebamme arbeitet, zu übernehmen. Währenddessen denkt sie über ihr eigenes Leben nach. Über ihre Familie, ihren Beruf als Bankkauffrau und ihre getroffenen Entscheidungen. Und kommt dabei immer mehr auch dem ihrer Schwester auf die Spur. Welches Leben ist nun das richtige?

Wie war »Schwester«?

Erst als ihre Schwester Lone bei einem Unfall mit einem Traktor kollidiert und im Krankenhaus ins Koma versetzt wird, beginnt Iulia auch ihr eigenes Leben in Frage zu stellen. Wie hat sie sich so weit von ihrer Schwester entfernen können und ist sie selbst glücklich mit dem, was sie tut. Besonders drängend werden die Fragen, als Iulia beginnt, die Frauen von Lone zu besuchen, die sie zuletzt als Hebamme betreut hat. Durch die Gespräche mit ihnen, lernt sie Lone erst wirklich kennen und hinterfragt ihre eigenen, ganz persönlichen Lebensentscheidungen. Iulia kommt aus schwierigen Familienverhältnissen, hat keinen Kontakt mehr zu ihrer leiblichen Mutter, die sie und ihren Vater für eine andere Familie verließ. Bei Monika haben beide schließlich neuen Halt gefunden und sie zusätzlich eine Schwester und einen Bruder.

Der dramatische Unfall ihrer Schwester stellt das Leben von Iulia auf den Kopf und lässt Risse erkennen, die sie zuvor nicht wahrgenommen hat. Das was selbstverständlich und richtig erschien, erscheint nun in einem anderen Licht und wird völlig neu bewertet. Sicher geglaubtes steht plötzlich auf wackeligem Boden. Lone, die wohl die wichtigste Bezugsperson für Iulia war, wird ihr immer fremder. Als sie die Schwangeren und frisch gebackenen Mütter kennen lernt, die von Lone unterstützt wurden, beginnt sie ihre Schwester mit neuen Augen zu betrachten. Mareike Krügel erzählt keine neue Geschichte, hat aber einen ganz eigenen Stil. Die Liebe zur eigenen Schwester als auch dem Beruf der Hebamme verleiht sie in ihrem Roman viel Ausdruck.

Abschließend und aus persönlicher Sicht gesehen, liegt mir der sehr nüchterne Erzählstil von Mareike Krügel einfach nicht. Die Intensität der Handlung und die Idee gefallen mir, während ich ihren schwarzen Humor etwas schräg finde. Auch wirkte manches abstrus, so beispielsweise der Verlauf der Gespräche mit den werdenden Müttern oder auch die Ehe zwischen der Protagonistin und ihrem Mann, die am Ende der Geschichte völlig unerwartet einen neuen Verlauf nimmt. Ich bin sicher, dass viele Leser:innen ihre Freude mit dem Roman haben werden, mir waren Figuren und Handlung durchweg fern.

Fazit

Erzählt wird eine lebensnahe und tragische Geschichte zweier Schwestern, die mich aufgrund des sehr sachlichen Erzählstils und nicht immer nachvollziehbarer Handlungen nicht berühren konnte.

Mareike Krügel

Mareike Krügel, geboren 1977 in Kiel, ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und leitet heute das Schreiblabor im Literaturhaus Hamburg. Ihr Mann ist der Autor Jan Christophersen.  Krügel lebt in Schleswig.


Schwester

von Mareike Krügel
Piper | 2021 | 336 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 492 05856 8 | 22.00€
Zum Buch


Mein Dank geht an den Piper-Verlag für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Mit Liebe,
Zeilentaenzerin
share on

4 comments

  • Marie says:

    Mir geht es wie dir, liebe Zeilentänzerin. Ich halte mich auch an der Literatur fest...
    Eine sehr gelungene Rezension über ein nicht so tolles Buch.
    Herzliche Grüße
    Marie

    Reply
  • Livia says:

    Liebe Zeilentänzerin

    Ohhh, ich kann dich gerade so gut verstehen und wünsche dir viel Kraft für die kommenden Wochen, ich denke, wir können dies alle gerade gut gebrauchen. Bei mir ist es oft so, dass ich zwar anfangs sehr motiviert in meine Bücher versinke, dann aber irgendwann keinen Kopf mehr zum Lesen habe und dass ich mir dann einfach Serien ansehe, das lenkt eher ab.

    Das Buch "Schwester" habe ich mir auch schon angesehen, meine Schwester hatte vor zehn Jahren einen Autounfall (auf dem Fussgängerstreifen von einer raser-Oma erfasst), der zum Glück und gegen alle physikalischen Gesetze glimpflich ausgegangen ist. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Buch einiges auslösen wird, zumal wir Schwestern nicht immer die beste Beziehung zueinander hatten/haben. Ich werde mir wohl zuerst einmal eine Leseprobe ansehen und dann entscheiden.

    Alles Liebe an dich
    Livia

    Reply
    • Zeilentaenzerin says:

      Hallo Livia, danke für deinen Kommentar und deine Offenheit. Das was du erzählst, lässt mich nur erahnen, wie schlimm das gewesen sein muss. Ich habe selbst eine Schwester. Der Roman ist wird anderen Leser:innen sicher zusagen, mich konnte er vor allem aufgrund seines Erzählstils überhaupt nicht fesseln.

      Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert