»Das Jagdgewehr«
von Yasushi Inoue

Liebe Bücherwürmer, ich bin gerade sehr glücklich darüber, dass all meine Bücher, die über ein Jahr im Keller lagern mussten, in den nächsten Tagen wieder in meine Wohnung einziehen dürfen. Seit gestern schmücken zwei Bücherregale wieder das Arbeitszimmer und am Wochenende geht es ans Einsortieren. Nach welchen Kriterien das passiert, ist noch völlig unklar. Nur nach Farben ordnen kommt für mich nicht in Frage. Habt ihr vielleicht Ideen? Durch Ursula von leseverliebt habe ich die Novelle »Das Jagdgewehr« entdeckt und in einem Rutsch durch gelesen. Das Buch von dem japanischen Schriftsteller Yasushi Inoue erschien erstmals 1949. Diese Ausgabe wurde 1998 bei Suhrkamp veröffentlicht. Erzählt wird von einer tragischen Liebe aus unterschiedlichen Perspektiven.

Inhalt zusammengefasst

In einer Zeitung liest ein einsamer Jäger das Gedicht Das Jagdgewehr und fühlt sich mit den Zeilen sofort verbunden. Deshalb wendet er sich schriftlich an den Dichter und schickt diesem die Abschiedsbriefe von drei Frauen, die sein Leben entschieden beeinflusst haben: seine Frau, seine Geliebte und deren Tochter. Die Briefe zeigen drei verschiedene Sichtweisen auf und erzählen die Lebensgeschichte des Jägers, die vor allem von Einsamkeit berichten.

Wie war »Das Jagdgewehr«?

Ganz zufällig wurde ich auf dieses kurze Büchlein aufmerksam und habe es innerhalb kurzer Zeit durch gelesen. Der Name des Schriftstellers war mir nur entfernt ein Begriff und ich kannte bis zu diesem Zeitpunkt keinen seiner Titel. Trotz seiner Kürze ist das Buch sehr fesselnd geschrieben. Der Autor bedient sich einer klassischen Dreiecksgeschichte, die durch einen Todesfall im Drama endet. Geschrieben als Briefroman werden Inoues Leser:innen die unterschiedlichen Wahrnehmungen dreier Frauen zu der gleichen Situation nahe gebracht. Die Frau, Geliebte und deren Tochter schildern in Briefen an den Protagonisten ihre Emotionen. Dabei wird deutlich, dass ein scheinbar geheimes Doppelleben lange keines mehr war und das menschliche Täuschungen und Betrug auch für ihre Verursacher unerträglich sein können.

Was mir besonders gefallen hat, ist, dass Yasushi Inoue die Abgründe menschlicher Natur aufzeigt ohne die Handlungen der Betroffenen zu bewerten. Wir Menschen sind nicht immer was wir scheinen oder vorgeben zu sein. Wir alle täuschen, spielen, lügen und betrügen um anerkannt und geliebt zu sein, um uns selbst zu verwirklichen. Inoue offenbart die Schwächen aller Beteiligten, indem er sie ihre Sichtweisen mitteilen lässt. Oft ist die Wahrheit befreiend und muss doch, wie hier eindrücklich gezeigt, nicht immer zu einem guten Ende führen. Die fesselnde, poetische Sprache tun ihr Übriges um diesen Roman zu einem kurzen aber sehr intensiven Leseerlebnis zu machen.

Zitate aus dem Buch

»Weißt du, dass es außer den über dreißig Farben in einem Farbtubkasten noch eine weitere, für Menschenaugen sehr wohl sichtbare Farbe gibt – die der Traurigkeit?« Seite 22

»Wie grauenvoll ist das, dass eine Liebe nicht existieren kann, ohne Schuld auf sich zu laden!« Seite 24

Fazit

Die Umstände sind altbekannt: drei Menschen sind einer zu viel, wenn es um die Liebe geht. Inoue hat eine tragische Dreiecksgeschichte mit fatalen Folgen geschrieben, die bis zum Schluss hochspannend und emotional ist.

Yasushi Inoue

Yasushi Inoue, geboren 1907 in Asahikawa, Hokkaidō, Japan, war ein japanischer Schriftsteller. Er studierte bis 1935 Kunst und Geschichte. Anschließend schrieb er als Journalist für verschiedene Zeitungen. 1950 erhielt er den Akutagawa-Preis für seinen Roman Der Stierkampf. Zudem war Das Jagdgewehr eines seine erfolgreichsten Werke. Inoue starb 1991 in Tokio, Japan.


Das Jagdgewehr

von Yasushi Inoue
aus dem Japanischen von Oskar Benl
im Original erschienen unter dem Titel »Ryoju«
Suhrkamp | 1998 | 112 Seiten
Taschenbuch | ISBN: 978 3 518 39409 0 | 7.00€
Zum Buch


Mich konnte dieses Buch von Yasushi Inoue total überzeugen und ich freue mich auf weitere seiner Werke.

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