Ein Leuchten – Jon Fosse

Über manche Bücher stolpert man ganz zufällig und genau so erging es mir mit dem Folgenden: »Ein Leuchten« von Jon Fosse, veröffentlicht im Dezember 2023 bei Rowohlt. Der Autor erhielt im letzten Jahr den Nobelpreis für Literatur, was meine Neugier auf seinen neuen Titel nur wachsen ließ. Es handelt sich hierbei um ein wirklich sehr schmales Büchlein von gerade einmal 80 Seiten und erzählt die Geschichte eines Mannes, der allein im Wald mit seinem Auto im Schnee stecken bleibt.

Inhalt zusammengefasst

Ein Mann verirrt sich mit seinem Auto im Wald und fährt sich fest. Der Wagen lässt sich nicht mehr bewegen und er ist allein. Er hat die Orientierung verloren. Dann beginnt es zu schneien und langsam aber sicher löst diese Situation beklemmende Gefühle in dem Protagonisten aus. Weshalb nahm er genau diese Landstraße und warum fuhr er in den Wald?

Wie war »Ein Leuchten«?

Gedankensprünge, Ideen, die wieder verworfen werden, die Angst eines Mannes. So beginnt die kurze Erzählung vom Norweger Jon Fosse, der hier sehr eindrücklich und doch leise ein Ereignis schildert, das beim Lesen zum Sinnieren anregt. Einsamkeit, Dunkelheit, aufkommender Schnee, Orientierungslosigkeit und ein Auto, das feststeckt. Eine für wohl jeden Menschen unangenehme und zunächst ausweglos scheinende Situation, die Unbehagen auslöst. Doch warum befindet sich der Mann allein im Wald? Diese Frage stellte ich mir während des Lesens immer wieder und der Autor möchte diese Frage bis zuletzt nicht beantworten. Der Mann macht sich Vorwürfe, schweift gedanklich immer wieder ab, versucht sich einen Reim darauf zu machen, was ihn in diese missliche Lage bringen konnte.

Liebe, was meine ich jetzt mit so einem Wort, denn gibt es ein Wort, das nichts bedeutet, dann wohl dieses.

Seite 38

Seit Tagen schon hat er keine warme Mahlzeit zu sich genommen und vermissen würde ihn wohl auch niemand, sofern er nicht mehr aus dem Wald herausfinden würde. So die düsteren Gedanken des Protagonisten, der von seiner Angst übermannt wird. Mir war der Mann hier schnell sympathisch, man möchte Mitgefühl für ihn empfinden und versteht recht schnell, dass er ein zurückgezogenes und einsames Leben führt. Um diesen Eindruck zu vermitteln, benötigt Jon Fosse nur wenige Worte. In der Ferne erscheint dem Mann eine leuchtende Gestalt, die immer näher zu kommen scheint. Unweigerlich stellt sich die Frage nach einer möglichen Todessehnsucht, nach einem Menschen, der mit seinem Leben abgeschlossen zu haben scheint. Dennoch bleiben am Ende Fragen offen und das ist auch gut so. Eine Geschichte, die berührt und an den Grundfesten menschlicher Ängste rüttelt.

Fazit

Ein bemerkenswertes Buch über die Folgen der Einsamkeit und den daraus resultierenden Seelenzustand eines Mannes, der sich selbst überlassen ist.

Jon Fosse

Jon Olav Fosse, geboren 1959 in Haugesund, Norwegen, ist ein norwegischer Schriftsteller, Dramatiker, Kinderbuchautor, Übersetzer und Essayist.  Er gehört zu den bedeutendsten Autoren der zeitgenössischen norwegischen Literatur. 1979 machte er Abitur und studierte im Anschluss bis 1987 in Bergen Literaturwissenschaften, Soziologie und Psychologie. Sechs Jahre lang arbeitete Fosse als Dozent an der Schreibakademie Hordaland und war danach zeitweise Zeitungsredakteur. Er schreibt vor allem Dramen und Prosa. 2023 erhielt Fosse den Nobelpreis für Literatur.


Ein Leuchten

von Jon Fosse
aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel
im Original erschienen unter dem Titel »Kvitleik«
Rowohlt | 2023| 80 Seiten
Hardcover | ISBN: 978 3 498 00399 9 | 22.00€
Zum Buch


Auf sehr wenigen Seiten wird eine dramatische Geschichte spannend erzählt. Wie hat euch das Buch gefallen?

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