»Eine redliche Lüge«
von Husch Josten

Hallo ihr Lieben, die Zeit nach den Sommerferien rast gefühlt immer, geht euch das ähnlich? Eine hartnäckige Erkältung hat mich die letzten Tage ans Sofa gefesselt, sodass ich aber immerhin zum Lesen kam. Das Buch, das ich in diesem Beitrag rezensieren möchte, habe ich an einem Stück durchgelesen, so sehr konnte es mich fesseln. »Eine redliche Lüge« von Husch Josten wurde am 1. September 2021 im Berlin-Verlag bei Piper veröffentlicht. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die einen Sommer in der Normandie bei einem älteren Ehepaar angestellt ist und ein Panoptikum menschlicher Täuschungen erfährt.

Inhalt zusammengefasst

Die junge Deutsche Elise verbringt einen Sommer im Ferienhaus der Eheleute Margaux und Philippe Leclerc in der Normandie. Dort verrichtet sie hauswirtschaftliche Tätigkeiten und freundet sich schnell mit Margaux an. Sie ist fasziniert von den regelmäßig stattfindenden Dinner-Abenden und ihren Gästen, als auch der Ehe und den Persönlichkeiten des Paares selbst. Durch ihre Anstellung wird sie immer häufiger Beobachterin und Zuhörerin verschiedenster Situationen. Ein einziger Abend lässt für Elise plötzlich alles in neuem Licht erscheinen und erschüttert ihre Zeit in Frankreich nachhaltig.

Wie war »Eine redliche Lüge«?

Ein unglaubliches, ein genial geschriebenes Buch, das sich immer auf höchstem Niveau bewegt. Husch Josten ist mit »Eine redliche Lüge« ein Gesellschaftsroman gelungen, der durch seinen Intellekt und seinen unerwartet dramatischen Ausgang besticht. Elise ist vierundzwanzig Jahre alt und hat kürzlich ihr Studium beendet. Sie bewirbt sich als Haushälterin bei einem französischen Ehepaar und darf dieses kurz darauf in sein Ferienhaus in die Normandie begleiten. Elise mag Margaux und Philippe auf Anhieb und ist fasziniert von deren Weltoffenheit und großer Zuneigung füreinander. Die beiden sind gesellige Leute und so veranstalten sie während dieses Sommers immer wieder Feste und Abendessen in ihrer Villa.

Elise ist während der Dinner-Abende für das Essen zuständig. Sie kocht, schenkt den Gästen Getränke nach und bekommt zwangsläufig Gespräche der feinen Gesellschaften mit. Die Gesprächsthemen sind vielfältig und reichen von Politik, Literatur, Sexualität bis hin zu Liebe, Identität und Untreue. Elise genießt diese Abende und die unbeschwerte Zeit und schließt Margaux und Philippe innerhalb kürzester Zeit ins Herz. Besonders die Hausherrin wird ihr eine gute Freundin. Gegen Ende des Sommers, es ist der 25. August taucht ein unerwünschter Gast im Ferienhaus auf, der die Scheinwelt der Leclercs zum Bröckeln bringt und eine Lebenslüge offenbart.

Husch Josten schreibt in einer sehr schönen Sprache, die ich beim Lesen nur so in mich aufsog. Schon zu Beginn baut sich ein großer Spannungsbogen auf, der bis zum Ende der Geschichte gehalten werden kann und am Ende in einer Katastrophe mündet. Ich fühlte mich während der Tischgespräche immer an den Ort des Geschehens versetzt und mochte die geistreichen Themen und nicht zuletzt die Beschreibungen der köstlichen französischen Speisen. Josten schafft es, ihre Leser:innen gemeinsam mit ihren Figuren am Tisch Platz nehmen zu lassen und hinter die Fassaden zu blicken. Zeitgleich bleiben einem die Leclercs lange ein Rätsel und ich war bis zum Schluss neugierig auf das tragische Ende.

Und trotz dieses Umstandes spürte ich nach dem Lesen noch tagelang die unbeschwerte Leichtigkeit und den Sommer in der Normandie. Das liegt auch daran,  dass Josten nicht verurteilt, dass sie die die Menschen als das sieht, was sie sind. Dass die Lügen in ihrer Geschichte viel Dramatik bergen, verletzen und zerstören, es am Ende jedoch nicht die Unwahrheit ist, die im Kopf hängen bleibt, sondern die menschlichen Beweggründe dahinter, die Liebe zweier Menschen füreinander. Mich hat der Roman begeistert und mitfühlen lassen.

Zitate aus dem Buch

»Mir ist niemals ein Mensch von größerer Unschuld wie Gabrielle begegnet. Eigennutz lag ihr ferner als allen, die ich kenne. Eitelkeit war ihr fremd.« Seite 60

»Ob Hass, um ein plakatives Extrem zu nennen, Privateigentum war oder unweigerlich auch der Person gehörte, der er galt. Ob es Liebe nicht immer auch für andere und anderes gab, sofern man zur Liebe fähig war. Ob der Körper, den ich mein Eigen nenne, mir gehörte oder ab dem Augenblick, da ich ihn mit einem anderen vereinigte, nicht auch zum Besitz des anderen wurde, im Moment selbst wie in der Erinnerung des anderen. Ob Liebe Ausschließlichkeit bedeutete oder, wie Kalendersprüche kundtaten, unkrautgleich wucherte, je mehr man davon in die Welt warf.« Seite 65

»So wie meine Mutter und mein Vater ihre Ehe miteinander nur ausstanden. Sie hielten aneinander fest, obwohl sie vom anderen mehr enttäuscht als beglückt waren, hatten sich ineinander verbissen, ohne das einer die Zähne aus dem Fleisch des anderen zog.« Seite 77

»Ich finde, die Unbarmherzigkeit der Zeit offenbart sich bei Beerdigungen, Liebeskummer, Katastrophen und entzieht sich sofort wieder dem Blick.« Seite 124

»Ist Liebe der einzige, der absolute Wert, sodass die in ihrem Namen eingesetzten Mittel alles rechtfertigen?« Seite 174

Fazit

Vom wunderschönen Setting des Romans und seinen Figuren, in die ich mich verliebt habe, werde ich noch lange zehren.

Hildegard „Husch“ Josten

Hildegard „Husch“ Josten, geboren 1969 in Köln, ist eine deutsche Journalistin und Schriftstellerin. Sie studierte Geschichte und Staatsrecht in Köln und an der Pariser Sorbonne. Ihr erster Roman In Sachen Joseph erschien im Jahr 2011.  Josten lebt in Köln.


Eine redliche Lüge

von Husch Josten
Berlin Verlag | 2021 | 240 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag | ISBN: 978 3 8270 1440 5 | 20.00€
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An dieser Stelle möchte ich dem Piper-Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars herzlichst danken.

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