Literaturbesprechung:
»Easter Parade« von Richard Yates

Hallo ihr Lieben, ich freue mich euch heute wieder eine Literaturbesprechung vorstellen zu können. Diese zu schreiben fällt mir gar nicht leicht, obwohl mich das Buch komplett überzeugen konnte. Richard Yates  »Easter Parade« wurde 1976 veröffentlicht und fand zu Lebzeiten des Autoren kaum Beachtung. Ein Umstand, den ich mir schwer erklären kann, denn mich haben sowohl Charaktere als auch Setting und Thematik fasziniert. Der Penguin-Verlag hat das Taschenbuch des Klassikers im Sommer 2019 herausgebracht.

Inhalt zusammengefasst

Die Handlung spielt im Amerika der 1930er Jahre. Zwei Schwestern, Emily und Sarah, leben mit ihrer frustrierten und meist schlecht gelaunten Mutter unter einem Dach. Ihre Kindheit und Jugend ist von ständigen Ortswechseln geprägt, sodass sie nie lange in einer Stadt Fuß fassen und sich sozialisieren können. Die jungen Frauen entwickeln sich komplett unterschiedlich. So heiratet Sarah früh, bezieht ein Haus mit ihrem Ehemann und bekommt drei Söhne. Emily hingegen fokussiert sich auf ihre Karriere und stürzt sich in unverbindliche Affären. Allerdings sind weder Sarah noch Emily wirklich glücklich.

Wie war »Easter Parade«?

Zunächst hat Yates die Atmosphäre der Dreißigerjahre in den Vereinigten Staaten gut eingefangen. Die handelnden Personen haben von Beginn an mein Interesse geweckt, auch wenn sie keineswegs außergewöhnlich sind. Gerade deshalb vielleicht, konnte ich mich hier und da gut in die Figuren hineinversetzen und ihre Handlungsweisen nachvollziehen. Yates hat ein großartiges Gespür für die leisen, aber relevanten Zwischentöne und schreibt insgesamt auf eine sehr einnehmende Weise. Die Formulierungen wirken sorgsam durchdacht und hinterließen bei mir einen nachhaltigen Eindruck.

Durch seine eindringliche und schnörkellose Sprache, gelingt es dem Schriftsteller Richard Yates, eine unterschwellige Traurigkeit zu schaffen, die man auf jeder Seite spüren kann. Die Wünsche und Träume der Protagonistinnen scheitern im realen Leben. Entweder am Alkohol und der Einsamkeit oder an Männern und seelischem Kummer. Der Roman ist in der Lage, seine Leser zu fesseln und auf das Wesentliche zu lenken. Die gute Beobachtungsgabe des Autoren und seine Schilderungen, die frei sind von Wertung und Beurteilung, machen »Easter Parade« besonders.

Zitate aus dem Buch

»Keine der Grimes-Schwestern sollte im Leben glücklich werden, und rückblickend schien es stets, dass die Probleme mit der Scheidung ihrer Eltern begonnen hatten. « Seite 9

Fazit

»Easter Parade« besticht durch seine Sachlichkeit und den Verzicht auf große Spannungsmomente und Emotionalität. Mich hat die latente Tragik und die Menschlichkeit sehr berührt. Mein bisheriges Highlight in 2020.

Richard Yates

Richard Yates, 1926 in Yonkers, New York, USA, geboren, war ein amerikanischer Schriftsteller. Sein bekannter Debütroman Revolutionary Road (Zeiten des Aufruhrs) machte Yates bekannt. Wirkliche Anerkennung erhielten seine Werke erst nach seinem Tod im Jahr 1992.


Easter Parade von Richard Yates
aus dem Amerikanischen von Anette Grube
Im Original erschienen unter dem Titel »The Easter Parade«
Penguin | 2019 | 304 Seiten
Taschenbuch | ISBN: 978 3 328 10472 8 | 12€


Kennt ihr »Easter Parade« und könnt womöglich weitere Bücher von Richard Yates empfehlen?

Kommentare

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2 thoughts on “Literaturbesprechung:
»Easter Parade« von Richard Yates

  1. Hallo meine Liebe,
    einerseits war ich sehr angetan von dem, was du erzählt hast, und dann wieder gar nicht. Der Ausdruck scheint zum Beispiel großartig zu sein und ich glaube, mir würde diese Art zu Erzählen auch sehr gut zu gefallen. Aber etwas, was ich sehr schwierig finde, ist die Traurigkeit, von der du berichtest. Dass keine glücklich wird und Alkohol, Einsamkeit etc. eine Rolle spielen. Ich glaube, mich würde das Buch selbst traurig machen …
    Aber eine schöne Rezension, die du geschrieben hast 🙂
    Alles Liebe
    Janika