»Was Männer kosten - Der hohe Preis des Patriarchats«
von Boris von Heesen

Die folgende Rezension zu schreiben viel mehr sehr schwer, nicht etwa, weil das Buch polarisierte, viel mehr ist es ein komplexes Thema. Boris von Heesen beschäftigt sich in »Was Männer kosten - Der hohe Preis des Patriarchats« mit kritischer Männlichkeit und geht der Frage nach, weshalb männliche Verhaltensweisen den Staat jährlich viel Geld kosten, wie es dazu kommt und deckt so die Folgen des Patriarchats auf. Das Buch erschien im Frühjahr 2022 bei Heyne.

Inhalt zusammengefasst

Was kostet unsere Gesellschaft toxisches männliches Verhalten und was sind die Gründe für eben dieses? Mit dieser - etwas provokanten - aber durchaus ernsthaften Frage befasst sich Boris von Heesen in diesem Buch. 63 Milliarden Euro sind es, die Deutschland jedes Jahr mehr für Männer als für Frauen ausgibt. Das hat gravierende gesamtgesellschaftliche Konsequenzen. Besonders in den Bereichen Süchte, häusliche Gewalt, Wirtschaftskriminalität, Straftaten oder auch Pornografie gehen die Kosten zu großen Teilen auf das Konto von Männern. Der Autor macht aufmerksam auf ein patriarchales System, das nicht nur von Männern gefördert wird.

Wie war »Was Männer kosten - Der hohe Preis des Patriarchats«?

Mich hat zunächst der banale Titel angesprochen, der aussagekräftig ist und doch nicht alles vorweg nimmt. Obwohl den meisten inzwischen bekannt sein dürfte, dass das Patriarchat schlecht für alle Menschen ist, leben wir es (vielleicht auch unbewusst) in unserem Alltag. Das liegt nach Sicht des Autoren vor allem daran, dass wir so sozialisiert sind und die Dinge deshalb weniger hinterfragen und uns schlicht und ergreifend daran gewöhnt haben. Hier wird von ungesund-männlichem Verhalten gesprochen, dass für die breite Gesellschaft, also Männer, Frauen und andere Menschen (wie von Heesen es formuliert) negative Folgen hat.

Man merkt sofort, dass von Heesen Zahlen mag, er mit diesen umgehen und jonglieren kann. Er stellt Statistiken auf die deutlich machen, wie teuer uns negatives männliches Verhalten jährlich an Geld kostet. Dabei bezieht er sich auf verschiedenste Lebensbereiche, wie z.B. Kosten durch Gefängnisaufenthalte, häusliche Gewalt, Hooligans, Verkehrsunfälle, Rechtsextremismus oder Hass auf Frauen. In ausführlich erklärenden Texten schildert von Heesen die Zusammenhänge und unterstreicht durch Zahlen, worauf sich die jeweiligen Beträge belaufen. Dabei zieht er in den meisten Fällen (wenn möglich) einen Vergleich zu Frauen.

Es wird ein Gewinn, wenn Männer dann am Ende ihres Berufslebens nicht in ein tiefes Loch fallen, weil sie merken, dass soziale Beziehungen weiter tragen als die verblassende berufliche Ankerkennung.

Seite 16

Das Buch ist aufgeteilt in drei Teile: messbare Kostennicht messbare Kosten und Wege aus der Krise. Die beiden ersten Teile enden mit einer Vogelperspektive, der dritte Teil zieht ein Gesamtfazit und versucht Lösungen aufzuzeigen. Mich hat Boris von Heesen in jedem Fall noch einmal für das Patriarchat als solches aber vor allem auch seine Folgen sensibilisiert. Ich fand die Statistiken interessant, auch wenn sie auf den ersten Blick sehr einseitig erscheinen mögen. Wenn man sich aber wirklich mit dem Buch und der Thematik auseinandersetzt wird schnell klar, dass die Gesellschaft sich insgesamt (Männer, Frauen und alle anderen Menschen) reflektieren muss. Denn auch viele Frauen tragen zur Aufrechterhaltung des Patriarchats bei.

Zitate aus dem Buch

»Und es ist meiner Auffassung nach keinesfalls so, dass allein die Männer schuld an der Misere sind. Sie wurden in ein System hineingeboren, dass ihnen wenig Möglichkeiten ließ, um sich abseits der ausgetretenen Rollenmuster-Pfade zu entwickeln.« Seite 25

»Dieses Stark sein müssen und keine Emotionen zeigen kann eine Quelle für das Begehen von Straftaten sein.« Seite 32

»Ein gibt kaum ein besseres Beispiel für fehlgeleitete Männlichkeiten aufgrund sinnlos festgefahrener Rollenstereotype als das absurde Schauspiel der Autoposer.« Seite 102

»Männer reden nicht, Männer handeln. Und das leider manches Mal bis zum bitteren Ende. Der Psychologe und Männertherapeut Björn Süfke schreibt in seinem eindrucksvollen Werk Männerseelen überspitzt: Männer lösen ihr Problem selbst und wenn es das Letzte ist, was sie tun. Deshalb ist es kein Wunder, dass Männer auch die Suizidstatistik mit weitem Abstand anführen.« Seite 126

»Sebastian Tippe spricht davon, dass Prostitution ein Teil männlicher, toxischer Machtdemonstration gegenüber Frauen, ihren Körpern und ihrer Selbstbestimmung sei.« Seite 158

Fazit

Ein spannender Einblick, der nebst vielen Zahlen und Fakten die Botschaft liefert, dass wir uns aus den Fängen des Patriarchats befreien müssen.

Boris von Heesen

Boris von Heesen, geboren 1969, ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Autor und Referent. Er war bei der Diakonie in Bayern und der Drogenhilfe in Frankfurt am Main tätig. Zudem ist er Gründer eines der ersten deutschen Online-Marktforschungsinstitute. Inzwischen arbeitet von Heesen als Vorstand eines Jugendhilfeträgers und als Männerberater. Seit langer Zeit befasst er sich intensiv mit kritischer Männlichkeit und hat dazu Bücher veröffentlicht.


»Was Männer kosten - Der hohe Preis des Patriarchats«

von Boris von Heesen
Heyne | 2022 | 304 Seiten
Taschenbuch | ISBN: 978 3 453 60624 1 | 18.00€
Zum Buch


Ich danke dem Heyne-Verlag und Randomhouse für das Rezensionsexemplar.

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2 comments

  • Livia says:

    Liebe Zeilentänzerin

    Das Buch habe ich mir auch schon näher angeschaut. Mich stört daran aber der Titel... Mir ist bewusst, dass der absichtlich gewählt worden ist, weil er provoziert und somit Aufmerksamkeit generiert, dies allerdings dient dem gemeinsamen Stürzen des Patriarchats nicht wirklich, sondern wiegelt die Geschlechter gegeneinander auf.
    "Was das Patriarchat kostet" hätte es doch eigentlich auch getan und wäre eigentlich noch treffender gewesen, finde ich...

    Ansonsten bin ich natürlich trotzdem sehr neugierig geworden und möchte das Buch auf jeden Fall einmal lesen, deine Rezension hat mir spannende Einblicke verschafft.

    Alles Liebe an dich
    Livia

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    • Zeilentaenzerin says:

      Hallo Livia, grundsätzlich kann ich deine Ansicht gut nachvollziehen. So ging es mir zunächst auch. Ich war dann aber neugierig und kann sagen, dass er Titel tatsächlich einfach nur provokant gewählt ist, denn so werden die Leser:innen neugierig. Inhaltlich ists ein durchaus gelungenes Sachbuch.

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