Leserunde bei LovelyBooks:
»True Crime - Der Abgrund in Dir.
Was den Menschen zum Mörder macht«
von Romy Hausmann

Ein Buch, das mich bis zur letzten Seite komplett fesseln konnte und das wegen seiner Tragik, seiner Unmenschlichkeit und vor allem seiner wahren Begebenheiten lange nicht loslassen wird. Was wie ein Fazit beginnt, soll der Einstieg in meine Buchbesprechung zu Romy Hausmanns Sachbuch »True Crime - Der Abgrund in Dir. Was den Menschen zum Mörder macht« beschreiben. Der dtv-Verlag hat den Titel im August 2022 veröffentlicht. Die erfolgreiche Thriller-Autorin setzt sich in diesem Buch mit echten Kriminalfällen auseinander.

Inhalt zusammengefasst

Romy Hausmann versammelt in ihrem True-Crime-Buch elf Fallerzählungen, die auf der Realität basieren. Sie berichtet von wahren Verbrechen, die bizarr, eiskalt, grauenvoll und immer wieder unmenschlich erscheinen. Taten, die von Menschen an Menschen begangen wurden. Die Autorin bezieht sich immer wieder auf Gespräche mit Angehörigen und Experten und geht so Fragen nach dem Warum auf den Grund. Ihre persönlichen Tagebucheinträge und Gedanken teilt sie mit ihren Leser:innen.

Wie war »True Crime - Der Abgrund in Dir.
Was den Menschen zum Mörder macht«?

Triggerwarnung: Mord, reale Verbrechen, Trauer, Verlust

Wo beginnt man bei einem solch emotionalen Buch, das es sich vor allem zur Aufgabe macht, wahre Verbrechen aufzugreifen und die menschlichen Abgründe einmal mehr zu enttarnen? Romy Hausmann ist mir als Thriller-Autorin ein Begriff gewesen, gelesen habe ich bisher aber keines ihrer Bücher. Ich interessiere mich seit längerem für True Crime, muss aber immer wieder feststellen, dass mich nur sehr wenige Blogger:innen und Autor:innen mit ihrer Art und Weise der Berichterstattung überzeugen können. Häufig fehlt mir persönlich die Ernsthaftigkeit und der Respekt oder die Recherchen sind zu dünn, um ein realistisches Gesamtbild aufzuzeigen.

Ich habe eine Triggerwarnung gesetzt, weil es sich hier eben nicht um eine fiktive Geschichte handelt, die eine brillante Kriminalautorin konstruiert hat, sondern um das wahre Leben. Das hochsensible und aufwühlende Thema erfordert einen Schreibstil, welcher die Grausamkeit der Taten verdeutlicht, den Opfern mit größtmöglichem Respekt begegnet und der Trauer der Angehörigen gerecht wird. Dies ist Romy Hausmann meiner Meinung nach sehr gelungen. Als sehr berührend empfand ich die Tagebucheinträge die ihre eigenen Gedanken zum Fall Phoebe Handsjuk thematisieren, eine junge Frau, die, wie viele andere Menschen in diesem Buch, auf tragische Weise sterben musste. Die Autorin hat den Kontakt zur Mutter des Opfers aufgebaut, wodurch eine Bindung entstand, die für sie selbst von großen Emotionen geprägt war.

Was die Liebe kann, denke ich und staune. Wie sie uns einfach alle am Leben erhält. Die, die gegangen sind. Die, die übrig bleiben. Wie sie keinem lässt, was wir brauchen, um durchzuhalten, oft über Jahre. Glaube, Liebe, Hoffnung. Was wären wir ohne all das? Wir würden existieren, das schon. Würden versuchen, uns irgendwie anzupassen. Wir wären ein Name und ein Körper, aber mehr auch nicht.

Seite 109

Es sind elf Fälle auf die sich Romy Hausmann bezieht, mit denen sie sich intensiv auseinandergesetzt hat. Die guten Recherchen sind dem Inhalt anzumerken und für sehr wichtig halte ich die nachfolgenden Interviews mit Forensikern, Psychologen, Familienangehörigen oder auch Polizisten. Die Expertenmeinungen geben Einblick in die Psyche des Menschen und ihre Abgründe. Nicht immer ist es der Täter und das Opfer. Vielmehr können die Grenzen verschwimmen. Ich empfand die Schilderungen als durchweg respekt- und taktvoll und von großer Empathie gekennzeichnet. Jeder Fall beginnt mit einem Schriftsteller-Zitat, so z.B. von Jussi Adler-Olsen. Die ausgewählten Fälle sind zutiefst schockierend, haben in mir ein Wechselbad an Gefühlen wie Wut, Ohnmacht, Verachtung, Mitgefühl, Trauer und Fassungslosigkeit ausgelöst. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich in der Lage fühlt sich damit zu befassen.

Fazit

Oft ist es das Leben selbst, das die grausamsten Geschichten schreibt. Ein äußerst wichtiges Buch zum Thema True Crime, weil es sich differenziert mit verschiedenen Fällen auseinandersetzt, einen tiefen Einblick in die menschliche Psyche gibt, die Angehörigen zu Wort kommen lässt und die Autorin sich nicht mit ihren ganz persönlichen Gefühlen zurück hält.

Romy Hausmann

Romy Hausmann, geboren 1981 in Arnstadt, ist eine deutsche Schriftstellerin, Journalistin und Medienberaterin. 2019 erschien ihr Thriller-Debüt Liebes Kind, das es zeitweise auf Rang 1 der meistverkauften Paperback-Romane des Jahres schaffte. So war es kurzzeitig der Nummer-1-Spiegel-Beststeller. Hausmann lebt in Stuttgart.


»True Crime - Der Abgrund in Dir. Was den Menschen zum Mörder macht«

von Romy Hausmann
dtv | 2022 | 416 Seiten
Taschenbuch | ISBN: 978 3 423 26000 8 | 16.00€
Zum Buch


Ich danke LovelyBooks und dem dtv-Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars. 

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7 comments

  • Steffi says:

    Hallo Zeilentänzerin,
    wow, das klingt sehr interessant! Gerade erst habe ich "Liebes Kind" von der Autorin als Hörbuch beendet und war begeistert. Auch dieses Buch, was auf wahren Begebenheiten basiert, hört sich richtig gut an und Romy Hausmann scheint, so wie du es beschreibst, unheimlich gut mit den Kriminalfällen umzugehen.
    Ganz liebe Grüße, Steffi

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    • Zeilentaenzerin says:

      Hallo Steffi, danke für den lieben Kommentar! Ja ich werde mich auch mal näher mit den Büchern der Autorin befassen. Ich kann den neuen Titel total empfehlen, ja.

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  • Marie says:

    Liebe Zeilentänzerin,
    eine sehr schöne Rezension über ein spannendes Buch. Ich befürchte allerdings, dass es mich zu sehr mitnimmt.
    Liebe Grüße
    Marie

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  • angelface says:

    ich fürchte damit hast du mein Interesse geweckt liebe - durch die Zeilen-Tänzerin, denn Crime Lesestoff ist ganz meines und das schon seit vielen Jahren.
    Von Ihr - Romy Hausmann - habe ich schon mal eines gelesen, etwas länger her, deshalb kann ich im Moment nicht darauf zugreifen, da ich es aus der Stadtbibliothek ausgeliehen hatte, dort eine überaus rege" Ausleiherin bin. In einem Monat verschlinge ich meist bis zu 10/12 Bände. und muss dann verlängern was ich nicht in dieser Zeit schaffe.
    deine Rezension liest sich enorm spannend, vor allem wie das Buch aufgebaut ist, die Hintergründe, die vielen unterschiedlichen und doch ähnlichen Fälle. ich werds mir beim nächsten Besuch auf jeden fall versuchen auszuleihen, denn der eigene Bücherschrank ist berstend angefüllt und sagt stopp .
    herzlichen Dank für die Vorstellung des Buches...
    angelface

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    • Zeilentaenzerin says:

      Hallo Angelface =) Danke für deine sehr wohlwollenden Worte zu meiner Rezension! Das hat mich doch wahnsinnig gefreut! Dann bin ich gespannt, ob du es bald lesen wirst, berichte gerne!

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  • Livia says:

    Liebe Zeilentänzerin

    Oh, das klingt heftig und spannend zugleich und ich kann sehr gut nachvollziehen, dass dich das Buch sehr beschäftigt hat.

    Danke für den Tipp, ich werde mir das Buch einmal näher ansehen.
    Alles Liebe
    Livia

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