Okt 07 2023

Ihr Lieben, eine Rezension zu dem folgenden Sachbuch zu schreiben, fiel mir unwahrscheinlich schwer. Das lag zum Einen daran, dass es mich beim Lesen durchaus immer wieder emotionalisierte, weil man aufgeführte Situationen aus dem eigenen Leben kennt, aber auch an dem Umstand, dass es ein schmaler Grat ist zwischen dem Austausch von Erfahrungen und vermeintlich allgemeingültigen Aussagen zu männlichem Dating-Verhalten. »No More Tears – Dein Anti-Fuckboy-Guide« von der Instagram-Bloggerin LalalaLetMeExplain setzt sich mit moderner Partnersuche auseinander und legt das Hauptaugenmerk auf Cis-Männer (Männer mit von außen zugeschriebenem Geschlecht), die vor allem Frauen zum Opfer ihrer Absichten machen. Ein Buch über negative persönliche Erfahrungen mit männlichen Dating-Partnern und ratgebenden Inhalten.

Inhalt zusammengefasst

Das Sachbuch stellt die Frage, ob es überhaupt noch anständige Männer gibt und ob ein Kennenlernen die Mühen noch wert ist. Besonders Frauen sind beim Dating oft unangenehmem, übergriffigem oder beleidigenden Verhalten ausgesetzt. Der Ratgeber soll Frauen helfen, Red Flags besser zu erkennen.

Wie war »No More Tears – Dein Anti-Fuckboy-Guide«?

*Anmerkung: Das Buch beschäftigt sich ausnahmslos mit den persönlichen Erfahrungen der Autorin und einigen ihrer Follower:innen. Der Inhalt bezieht sich ausschließlich auf toxisches männliches Verhalten, was auch in meiner Rezension deutlich werden dürfte, ich deshalb aber keineswegs allgemein voreingenommen gegenüber Männern bin. »No More Tears« behandelt eben allein männliches Fehlverhalten, sodass ich mich auch nur darauf beziehen kann.

Die Autorin beschreibt in ihrem Buch Situationen zeitweise sehr amüsant, fast witzig, sodass ich mir die Frage stellte, wie ich meine Inhaltsangabe zum Buch, aber auch meine persönliche Meinung selbst beschreiben sollte. Ich habe mich dafür entschieden, größtenteils auf sarkastisch anmutende Ausführungen zu verzichten, um dem Sachbuch seine Ernsthaftigkeit nicht zu nehmen. Denn es handelt sich hier nicht um eine humorvolle Ansammlung an Dating-Erfahrungen von Frauen, sondern den ernsthaften Umgang mit schwierigen Situationen während der Partnersuche.

Abgesehen davon, dass einem besonders als Frau vieles bekannt vorkommen dürfte, sind es die offensichtlich schäbigen Motive und das ebenso feindliche Verhalten mancher Männer, die das Selbstwertgefühl vieler Frauen erschüttern. Es muss an dieser Stelle und allgemein natürlich deutlich gemacht werden, dass es hierbei nicht um die Mehrheit von Männern geht, wohl aber um eine größere Anzahl derer, die insbesondere über das Internet Frauen kennen lernen. So versteht sich das Buch als Filter für toxische Dates und soll vor einem potenziellen Kennenlernen sensibilisieren. LalalaLetMeExplain ist anonyme Beziehungsexpertin und sehr erfolgreich mit ihrem Instagram-Kanal, über den aus sie eigene Erfahrungen, aber auch die anderer teilt.

Die Gesellschaft und die Popkultur vermitteln uns, eine Frau müssen einem bestimmten Typ entsprechen, um einen Mann zu bekommen: feminin, unterwürfig, zerbrechlich, stark, zwar unabhängig, aber mit dem Bedürfnis nach einem maskulinen Mann, gut im Bett, aber Jungfrau, mit überragenden Kochkünsten, aber schlank, nicht an Partys interessiert, sehr gepflegt, aber natürlich.

Seite 165

Ghosting, Gaslighting und Benching sind nur einige der hier erwähnten Methoden von einigen Männern ihre Bekanntschaften (hierzu zählen selbstredend nicht nur Frauen) zu manipulieren. LalalaLetMeExplain bezieht sich besonders zu Beginn des Buches auf die verschiedenen Bindungstypen, um eine Erklärung zu liefern, weswegen Menschen sich überhaupt manipulieren lassen. Besonders die Bedeutung und die Folgend narzisstischen Verhaltens finde ich immer wieder aufschlussreich und einleuchtend. So spannend und informativ ich das Buch auch fand, musste ich mich manchmal schon auf all die tollen Männer besinnen, die ich im Laufe meines Lebens kennen lernen durfte. So ist noch einmal deutlich zu erwähnen, dass sich die Autorin bei ihren Ausführungen einzig und allein negativen Verhaltensweisen von Männern widmet. Dies beschreibt sie in ihrem Vorwort, das ich durchaus gelungen finde und schließlich ist der Austausch mit Gleichgesinnten von männlicher Übergriffigkeit und toxischen Erfahrungen und somit die Sensibilisierung dafür hier Sinn und Zweck.

Informativ, aufschlussreich und tendenziell ist das Geschriebene sicher hilfreich. Dennoch sollte man dieses ratgebende Sachbuch differenziert betrachten. Die Tendenz, gerade bei kürzlich erfahrenen Negativerlebnissen Männer allgemeingültig zu verurteilen, ist grundlegend falsch.  Alle Menschen können, völlig unabhängig ihres Geschlechts, anderen Menschen Schaden zufügen und das sollte man beim Lesen unbedingt im Hinterkopf behalten. Mit diesen Worten möchte ich diese Rezension dann auch abschließen.

Co-Abhängige und narzisstische Menschen ziehen sich oft magnetisch an, weil sie die Bedürfnisse des anderen erfüllen.

Seite 73

Zitate aus dem Buch

»Leider gibt es aber auch viel zu viele miese Typen. Es gibt auch miese Frauen: böse, manipulative, kontrollsüchtige Personen – zu Millionen. Der große Unterschied besteht darin, dass kein Mann sein Leben ändern muss, um sich vor solchen Frauen zu schützen. Wir Frauen dagegen müssen uns wegen der Männer einschränken. Jeden Tag. Überall auf der Welt.« Seite 23

»Viele Männer können eine Frau nicht als komplexes menschliches Wesen sehen, das nicht nur eine ebenbürtige Partnerin und potenzielle Mutter ist, sondern auch Sex liebt; es gibt nur entweder/oder. « Seite 28

»Wir fürchten, dass wir selbst schuld sind, denn so lautet das Narrativ: Wir haben den Kerl verführt, wir haben ihn scharfgemacht und können jetzt keinen Rückzieher mehr machen.« Seite 37

»Von Paaren erwarten wir keine Begründung für ihren Status – warum dann von Singles?« Seite 43

»Wie können wir hoffen, mit einem anderen Menschen eine gesunde Beziehung zu einzugehen, wenn uns das nicht einmal mit uns selbst gelingt.« Seite 66

Fazit

Wer sich für die Thematik interessiert, möglicherweise selbst Opfer von männlichem Fehlverhalten beim Dating wurde und sich dem Thema dennoch differenziert nähern kann, könnte es das Richtige sein. Andernfalls würde ich keine direkte Leseempfehlung abgeben.

LalalaLetMeExplain

Hinter diesem Pseudonym steckt eine gelernte Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin. Auf Instagram spricht sie anonym über Beziehungen und gibt ihren Besuchern wertvolle Tipps in Bezug auf moderne Partnersuche. Sie hat inzwischen mehr als 240.000 Follower.


No More Tears – Dein Anti-Fuckboy-Guide

von LalalaLetMeExplain
aus dem Englischen von Annika Tschöpe
im Original erschienen unter dem Titel »Block, Delete, Move On: It´s not you it´s them«
Goldmann | 2023 | 288 Seiten
Taschenbuch | ISBN:  978 3 442 17981 7 | 15.00€
Zum Buch


Ich danke Randomhouse & Goldmann für das Leseexemplar.

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6 Kommentare

  1. Wow, gratuliere zu dieser tollen Rezi. Sicher nicht einfach, so ein intensives Buch objektiv zu beurteilen und dennoch deine persönliche Meinung beizubehalten. Ist dir aber gelungen. 🙂 Das Buch werde ich aber wohl nicht selbst lesen, denn ich finde, grad Liebe und Dating hat so viel mit Persönlichkeit zu tun, dass es mir schwer fällt, «Männer» – auch wenn es nur manche sind – in einen Topf zu werfen. Die unterschiedlichen Bindungstypen fände ich aber sicherlich spannend.

    Posted 10.8.23 Antworten
    • Hey:) danke für deine Meinung dazu! Ich verstehe das total. Ich war gerade in der Stimmung für dieses Thema, aber man muss es eben unbedingt differenziert betrachten können!

      Posted 10.8.23 Antworten
  2. Kate wrote:

    Hallöchen,
    dieses Buch ist mir online oder in der Buchhandlung noch überhaupt nicht begegnet. Es klingt total interessant und gleichzeitig total schmerzhaft. Ich glaube, aktuell könnte ich es kaum ertragen, noch deutlicher vor Augen geführt zu bekommen, wie mies die Gesellschaft gegenüber Frauen ist.

    Deine Rezension finde ich aber ganz toll!
    Liebste Grüße, Kate

    Posted 10.11.23 Antworten
    • Hallo Kate, ich habe das Buch auch durch Zufall im Bloggerportal entdeckt. Das ist ja das Schöne am Buchbloggen, man entdeckt vieles unerwartet und ganz zufällig. Aber natürlich hast du mit deinem letzten Satz auch absolut Recht. Mich macht das beim Lesen durchaus auch wütend. Danke für die lieben Worte!

      Posted 10.14.23 Antworten
  3. Livia wrote:

    Phhhhuuuuuhhhh…..schwieriges/heftiges Thema. Ich denke, wir alle können unser Lied von diesen Erfahrungen singen. Teilweise mit mehreren Strophen…

    Was mich bei diesen Büchern oft stört: es richtet sich eigentlich an die, welche vom Thema betroffen sind, also nicht an diese Menschen, die etwas ändern könnten/sollten und dann frage ich mich immer, wie viel solche Bücher bringen. Verstehst du, was ich meine?

    Eine Lösung fällt mir auch nicht unbedingt ein, wir können Menschen, die Nachholbedarf haben, ja nicht einfach zum Lesen Zwingen 😉
    Aber ja, vielleicht sollte man das auch im Hinterkopf behalten, wenn man solche Bücher liest.

    Alles Liebe an dich
    Livia

    Posted 10.11.23 Antworten
    • Hey Livia, definitiv ein schwieriges Thema. Und deinen Einwand finde ich absolut gerechtfertigt, danke dafür!

      Posted 10.14.23 Antworten

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