Literatur

Herzensbücher #3:
»Bonjour tristesse« von Françoise Sagan

Es sind Bücher, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben, deren Geschichten einprägsam und bedeutend sind und die einen Mehrwert bieten. Auch werden solche Bücher gern ein zweites oder drittes Mal gelesen, haben einen besonderen Platz im Regal und im Herzen. Es sind Bücher, die man immer weiterempfehlen würde. Die wunderbare Aktion #Herzensbücher von Janika ermöglicht es, persönliche literarische Schätze mit anderen zu teilen.

So funktioniert »Herzensbücher«

Zum 20. eines Monats werden die Herzensbücher auf dem Blog oder Social-Media-Kanälen vorgestellt
Begründe, warum gerade dieses Buch Dein Herzensbuch ist
Der Beitrag soll maximal 500 Wörter beinhalten und somit kompakt sein
In den Beiträgen wird Janika verlinkt

Obwohl es merkwürdig ist, mein Herzensbuch Nummer drei vorzustellen, in diesen doch sehr schwierigen und beängstigenden Zeiten, versuche ich, soviel Normalität wie es noch möglich ist, walten zu lassen. Die folgende Rezension gab es so schon einmal auf meinem damaligen Blog. Da es sich aber um meine Worte zum Buch handelte, habe ich sie so stehen lassen. »Bonjour tristesse« ist ein Roman der französischen Schriftstellerin Françoise Sagan aus dem Jahr 1954. Seither wurde der weltweit erfolgreiche Klassiker unzählige Male neu aufgelegt. In diesem Fall vom Ullstein-Verlag im Sommer 2017. Die Protagonistin des Buches ist eine Siebzehnjährige, welche durch Manipulation und Scharfsinnigkeit die Beziehung ihres Vaters zu beenden versucht.

Cécile verbringt den Sommer gemeinsam mit ihrem Vater und dessen junger, einfältiger Freundin Elsa an der Côte d’Azur. Durch ihre jugendliche Leichtigkeit gelingt es Cécile, ihren Vater um den Finger zu wickeln und den Urlaub nach ihrem Geschmack zu gestalten. So verbringt sie die Tage hauptsächlich mit einem Jungen, der sich in sie verliebt hat. Aber dann taucht Anne auf: eine Freundin ihrer verstorbenen Mutter, klug und gewissenhaft. Nachdem Céciles Vater sich von Elsa trennt und Anne an seiner Seite will, droht diese durch scharfe Erziehungsmaßnahmen Céciles entspanntes Leben zu zerstören. Als ihr Vater Raymond und Anne heiraten wollen, schmiedet Cécile einen folgenschweren Plan.

Ohne Umschweife ist man gleich nach Beginn des Lesens sofort im Geschehen und fortan mit den Befindlichkeiten des Hauptcharakters konfrontiert. Die siebzehnjährige Cécile genießt das leichte Leben an der Seite ihres Vaters, in welchem auf Regeln und Konsequenzen weitestgehend verzichtet wird. Céciles Vater Raymond mag jüngere Frauen, weshalb die naive, schöne Elsa in sein Beuteschema passt. Cécile pflegt zu ihrem Vater einen engen und guten Kontakt, sodass sie deren Lebensstil zu akzeptieren versucht.

Anne kennt sie aus früheren Tagen und weiß um deren Intellekt und Pflichtbewusstsein. Von ihrem Geist und ihrer Fürsorge beeindruckt, trennt sich Raymond schließlich von seiner jungen Geliebten Elsa und widmet sich voll und ganz Anne. Beide werden ein Paar. Ab dem Moment sieht sich Cécile ihrer Freizügigkeit und Launenhaftigkeit beraubt. Vorbei ist es mit dem freien Willen und dem Faulenzen. Anne erwartet von Cécile, dass diese sich ihrem Werdegang hingibt, lernt und ihren Pflichten nachkommt.

Sicherlich muss beim Lesen und verstehen der Geschichte die Zeit berücksichtigt werden, in welcher diese spielt. Die Autorin schrieb den Roman 1953 in einem Pariser Bistro im Stadtteil Saint Germain innerhalb weniger Wochen. Ungeachtet dessen, dass die Story in den Fünfzigern spielt, stimme ich den kritischen Stimmen zum Buch nicht ganz zu. Cécile ist mit ihren siebzehn Jahren noch minderjährig und teils unreif, was sich an ihrer launenhaften, egoistischen Art und ihren manipulativen, teils ambivalenten Gedanken zeigt. Nichts desto trotz darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass Anne das Leben von Cécile und ihrem Vater auf den Kopf stellt.

Plötzlich hat Raymond nicht mehr viel zu sagen und hält sich dementsprechend in der Erziehung seiner Tochter zurück. Diese übernimmt Anne allein. Cécile wird der Umgang mit ihrem Freund madig gemacht, sie wird zum ständigen Lernen verdonnert und ihr wird unverblümt deutlich gemacht, dass sie, um im Leben voran zu kommen auf ihren bisherigen Freiheitsdrang verzichten müsse. Des Weiteren zweifelt sie an dem Glück ihres Vaters. Dies genügt aus meiner Sicht zumindest, um nachvollziehen zu können, dass sich Cécile einer ausweglosen Situation ausgesetzt sieht. Wie sie am Ende handelt, darüber kann diskutiert werden.

Zitat aus dem Buch

»Ich zögere, diesem fremden Gefühl, dessen sanfter Schmerz mich bedrückt, seinen schönen und ernsten Namen zu geben: Traurigkeit.« Seite 1

Fazit

Sprachlich ist Bonjour tristesse ein Genuss. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und die Formulierungen nur so aufgesaugt. Sagan gelingt es, einen menschlichen Konflikt simpel und dennoch kraftvoll und instinktiv zu schildern und dabei gekonnt auf psychologische Muster zurückzugreifen. Am Ende gibt es aus meiner Sicht – entgegen vieler Meinungen anderer Kritiker – keinen Schuldigen. Kein böses Buch, sondern ein zutiefst menschliches.

Weitere Herzensbücher

Janika von Zeilenwanderer, Daniela von ReadEatLive, Katharina von Traumrealistin


Bonjour tristesse von Françoise Sagan
aus dem Französischen von Rainer Moritz
Ullstein | 2019 | 176 Seiten
Taschenbuch | ISBN: 978 3 54829 083 6 | 12€


Welche Klassiker könnt ihr empfehlen?

Literatur

Literaturbesprechung: »Wir beide« von Else Lasker-Schüler

 

Hey ihr Lieben, aufgrund der aktuellen Situation, die uns alle betrifft, wurde es in den letzten Tagen sehr ruhig auf meinem Blog. Ich habe auch lange überlegt, ob ich einen Beitrag mit meinen Gedanken zur Corona-Lage schreibe, habe mich aber dagegen entschieden, weil ich denke, dass wir gerade zwangsläufig genug von dieser Thematik umgeben sind und unsere Blogs vielleicht nich für ein wenig Normalität sorgen. Dementsprechend habe ich wieder einmal eine Literaturbesprechung für euch. Im Februar habe ich den Lyrikband »Wir beide« von Else Lasker-Schüler gelesen, der im Insel-Verlag im Jahr 2019 veröffentlicht wurde. Herausgegeben wurde die Sammlung von Eva Demski.

Inhalt zusammengefasst

In diesem Band vereinen sich 100 bekannte Liebesgedichte der bekannten deutschen Schriftstellerin Else Lasker-Schüler, die 1869 in Elberfeld geboren ist und 1945 in Jerusalem starb. Sie gilt bis heute als eine der herausragendsten Dichterinnen Deutschlands. Lasker-Schüler schreibt von den schönen Momenten der Liebe, aber auch von dem Schmerz, der mit ihr einhergehen kann.

Wie war »Wir beide«?

Ich bin etwas zwiegespalten, wenn ich an die Gedichte von Lasker-Schüler denke. Denn zum einen finden sich wunderbare, sehr wahre und nachvollziehbare Texte in der Sammlung, die vor allem durch ihre hohe Authentizität bestechen, andererseits sind mir einige dann doch zu melancholisch und bedrückend – Liebesleid überwiegt hier ganz klar vor Liebesfreud. Allerdings bin ich mir bewusst darüber, dass Lyrik und insbesondere mit dem Inhalt der Liebe nicht gänzlich ohne Melancholie und Dramatik auskommen können. Alles andere wäre ja auch irgendwie langweilig. Sehr gelungen finde ich das Nachwort von Eva Demski, die selbst als Schriftstellerin tätig ist. In ihren Ausführungen über Lasker-Schüler gelingt es ihr, diese allumfassend zu beschreiben. Mir ist aufgefallen, das viele Gedichte den gleichen Titel tragen, was mich hin und wieder verwirrte, aber ja nur authentisch ist.

Fazit

Ich finde Else Lasker-Schüler als Schriftsteller-Persönlichkeit sehr spannend und auch inspirierend und habe mich daher sehr über diesen kleinen Lyrikband gefreut. Ich kann ihn auch durchaus empfehlen, vor allem was den Tiefgang und die Zerrissenheit anbelangt, die Lasker-Schüler verdeutlicht. Die Masse an Dramatik allerdings hätte es in dem Ausmaß für mich nicht gebraucht.


Wir beide von Else-Lasker Schüler (Herausgegeben von Eva Demski)
Insel | 2019 | 137 Seiten
Taschenbuch | ISBN: 978 3458 36384 2 | 10,00€


Kennt ihr weitere Gedichtbände von Else Lasker-Schüler?

Literatur

Literaturbesprechung:
»Das Kind in dir muss Heimat finden« von Stefanie Stahl

Hallo Bücherwürmer, wie ihr seht, dreht sich auf meinem Blog aktuell alles, aber auch alles um die Literatur. Das finde ich persönlich aber auch gar nicht tragisch, denn das Lesen gehört zu meinen Leidenschaften und soll ja auch weiterhin einen großen Platz auf meinem Blog einnehmen. Vor einigen Tage habe ich den Ratgeber »Das Kind in dir muss Heimat finden« von der Psychologin Stefanie Stahl beendet, das bereits 2015 im Handel beim Kailash-Verlag erschien. Ich bin häufig im Buchladen an dem Cover und dem Titel hängen geblieben, habe mich dann am Ende aber immer wieder gegen den Kauf entschieden. Im Nachhinein muss ich sagen, war das intuitiv wohl die richtige Entscheidung.

Inhalt zusammengefasst

Jedes Kind wird durch die Erfahrungen und Erlebnisse in seinen frühen Jahren und durch das Handeln seiner Bezugspersonen maßgeblich für das spätere Erwachsenwerden geprägt. So kann man heute davon ausgehen, das frühe Kränkungen, Verletzungen und unerwiderte Liebe es einem Menschen im Laufe des Lebens schwer machen, gute Bindungen und Beziehungen zu anderen Personen aufzubauen. Im Mittelpunkt des Ratgebers steht das innere Kind, das jeder von uns in sich trägt und das, je nachdem, welche Erfahrungen es in der Kindheit machte, eher auf der Schatten- oder der Sonnenseite des Lebens steht. Es geht im Grunde also darum, mit dem inneren Kind Frieden zu schließen, sich seinen ursprünglichen Ängsten zu stellen, seine Konflikte langfristig zu lösen und so glücklichere Beziehungen zu gestalten.

Wie war »Das Kind in dir muss Heimat finden«?

»Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme« so lautet der Untertitel des Buches. Da hat sich die Autorin in jedem Fall viel vorgenommen, könnte man meinen. Aufgrund meiner persönlichen Situation, bzw. vergangener Ereignisse hat sich dieser Ratgeber für mich empfohlen und mich neugierig gemacht. Ich bin kein Freund davon, mein Leben aufgrund eines Ratgebers zu verändern oder mich allgemein zu sehr auf die Aussagen von mir unbekannten Menschen und in diesem besonderen Sinne und dem sehr sensiblen Thema auch Nicht-Betroffenen zu verlassen. Da macht es sicher auch keinen Unterschied, ob ein Aufkleber mit dem Verweis Spiegel-Bestseller auf dem Cover prangt. In diesem Falle aber, hatte ich ein gutes Gefühl und war die ersten 150 Seiten hinweg auch durchaus angetan.

Mit den Übungen im Buch konnte ich zwar von Beginn an wenig bis gar nichts anfangen, was aber auch daran liegt, dass mir diese häufig zu allgemein gehalten sind. Anderen Betroffenen mögen sie durchaus eine Hilfe sein. Der Schreibstil, bzw. die Art und Weise, wie Frau Stahl ihre Leser anspricht, mochte ich durchweg nicht, aber auch das ist Geschmackssache. Was mich dann aber wirklich wütend machte, war folgende Aussage des Buches: »Wir denken, der untreue Partner ist schuld, dass es uns so schlecht geht – oder die launische Chefin, oder die Wechseljahre, das Wetter oder das kaputte Auto usw. Tatsächlich sind wir jedoch selbst für unsere Stimmung und natürlich auch für unsere Entscheidungen verantwortlich – beides ist schließlich auch sehr eng miteinander verknüpft. Letztlich liegt es an uns selbst, welche Haltung und welche Einstellung wir zu den Ereignissen entwickeln. So könnten wir, anstatt gekränkt zu sein, uns auch darüber freuen, dass der Partner etwas erotische Abwechslung genießt.«

Zunächst dachte ich, ich hätte möglicherweise den Kontext nicht verstanden, weswegen ich noch einmal auf den vorherigen zwei Seiten nachlas und mich anschließend mit Freunden austauschte. Ich muss am Ende aber davon ausgehen, dass die Autorin es tatsächlich für legitim erachtet, dass Menschen ihre eigenen Bedürfnisse in soweit zurückzustellen, dass der Partner sich die Freiheit herausnehmen kann, sich sexuell mit Dritten auszuleben. Da von dem untreuen Partner gesprochen wird, wird ein Mensch also betrogen und solle doch dann darauf verzichten, Kränkung zu zeigen und sich tatsächlich auch noch für den betrügenden Partner freuen. Dieser Abschnitt hat für mich alles zuvor Gesagte in den Schatten gestellt und fast lächerlich erscheinen lassen. Es soll doch darum gehen, Rückgrat zu zeigen, sich seinen eigenen Stärken bewusst zu machen und ein glückliches Leben zu führen. Wie soll das also gehen, wenn ich völlig nachvollziehbare und menschlich gesunde Emotionen zu Gunsten eines anderen abstellen muss, wenn in einer Beziehung Werte wie Treue und Ehrlichkeit nichtig werden? Wenn das Nächstenliebe ist, geht sie mir persönlich definitiv viel zu weit und hat auch rein gar nichts mehr mit verschiedenen Lebensmodellen gemein.

Sicherlich gibt es Menschen, die offene Partnerschaften führen und diesen Umstand möchte ich keinesfalls werten. Ich kann aber davon ausgehen, dass dies nicht der Regel entspricht und zudem ja auch keinen Betrug darstellt, da beide Partner ein Abkommen haben. Hier wird aber ganz klar der untreue Partner beschrieben und Untreue ist wohl wenig hilfreich für das Selbstwertgefühl eines Menschen und löst auch ganz gewiss keine Probleme. Ich gebe zu, mich bei diesem Buch vor allem an diesem Abschnitt festzuhalten, weil er ganz und gar jeglichen Werten widerspricht, die ich einer Beziehung pflege. Zudem wurde mir wieder bewusst, das für mich, wirklich hilfreich nur jene Ratgeber sind, die von Betroffenen selbst geschrieben wurden. Allen voran z.B. »Hummeln fliegen auch bei Regen« von Andrea Kraft und »Rattatatam mein Herz« von Franziska Seyboldt. Die Ausführungen tönen im Rückblick fast überheblich und lassen Empathie vermissen.

Anmerkung: Wer wirklich große Schwierigkeiten im Umgang mit Konflikten und dem Aufbau von Beziehungen hat und dem dieses Buch eine Hilfe ist, für den freut es mich ehrlich. Ich bin mir, wie eingangs erwähnt auch bewusst, dass das Buch von vielen Menschen gehyped wird. Diese Besprechung spiegelt lediglich meine Meinung wieder.

Zitate aus dem Buch

»Du musst nicht Everybody´s Darling sein – wichtiger ist, dass du dein Rückgrat stärkst und auch mal gegen den Strom schwimmst, wenn es um eine wichtige Sache und deine Werte geht.« Seite 210

»Bedenke immer: Deine Ängste sind Projektionen, Die meisten Dinge, vor denen wir Angst haben, treten nie ein. Oder, wenn sie eintreten, werden wir damit auch irgendwie fertig. Menschen, deren Schattenkind viel von Ängsten geplagt ist, müssen sich unbedingt abgewöhnen, alles zu glauben, was sie denken.« Seite 239

Fazit

Mich konnte »Das Kind in dir muss Heimat finden« überhaupt nicht fangen. Grund waren einige skurrile und (aus meiner Sicht) absurde Aussagen und schräge Handlungsalternativen, die fern meiner Auffassung von Werten sind. Der Schreibstil tat sein Übriges.


Das Kind in dir muss Heimat finden von Stefanie Stahl
Kailash | 2015 | 288 Seiten
Paperback | ISBN: 978 3 424 63107 4 | 14,99€


Jetzt bin ich gespannt, wie ihr das Buch gefunden habt und wie ihr allgemein zu Ratgebern steht.